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Was wir von den Wirtschaftssenioren Harz lernen können Freitag, 10 Juni 2016 09:05 Foto: Jörg Scheibe

Was wir von den Wirtschaftssenioren Harz lernen können

Eine starke Mannschaft: Acht gestandene Unternehmer und Führungskräfte, alle über 65 Jahre alt und mit der Erfahrung von mehr als 300 Berufsjahren, alle im Ruhestand und dennoch bereit, sich ehrenamtlich als Wirtschaftsberater zu engagieren. Sie haben vor einigen Monaten den Verein Wirtschafts­senioren Harz gegründet, der unter dem Slogan »Alt hilft Jung« vor allem Existenzgründer und kleine mittelständische Betriebe beraten und unterstützen will. »Wir sind Männer der Praxis, haben viele Erfahrungen und wollen unser Wissen jetzt weitergeben«, sagt der Vereinsvorsitzende Dr. Klaus Diekstall. Und weil die acht Senioren aus Goslar und Bad Harzburg früher in sehr unterschiedlichen Bereichen gearbeitet haben, können sie nun als Berater ein breites Themenfeld anbieten. Das reicht von der Industrie übers Handwerk und Banken bis zur Wirtschafts­förderung und dem betrieblichen Steuerrecht.

Diekstall war 22 Jahre Geschäftsführer der Grillo Zinkoxid GmbH in Goslar und hat die Gründung der Wirtschaftssenioren initiiert. Die Stadt Goslar stellte Räume im Technologie- und Gründerzentrum zur Verfügung. Derzeit sind die acht Wirtschaftssenioren auf Vorstellungsrunde: Sie machen sich und ihr Angebot in der Region bei Kommunen, Verbänden, Kammern und Behörden erst einmal bekannt. »Wir wollen über Goslar hinaus tätig werden«, erläutert Dieter Bonitz, der unter anderem 15 Jahre Geschäftsführer der Bad Harzburger Mineralbrunnen war. Man habe den gesamten Harz und das Vorharzgebiet bis nach Quedlinburg in Sachsen-Anhalt im Blick. Die ersten Anfragen und Bitten um Beratung gebe es bereits.

»Bei den ersten ­Anfragen ging es um Investitions­pläne und deren ­Finanzierung«

Die Wirtschaftssenioren wollen Existenzgründer nicht nur in der Startphase, wenn es um Rechtsfragen und Gründungsformalitäten geht, beraten, sondern auch in der Nachgründungsphase. Da geht es dann um praktische Fragen zu Businessplänen, zur Buchführung, zur Kalkulation und Preisgestaltung oder um die Entwicklung von Finanzierungsmodellen. Im Blick habe man auch Betriebe, die in eine Schieflage geraten sind, erklärt Diekstall – da gebe es sicher Beratungsbedarf, andererseits häufig auch Hemmungen, die Probleme Außenstehenden zu offenbaren.

ws_schild.jpgWeiter wollen die Senioren Betrieben helfen, die wachsen wollen: die Fragen zum Marketing, zur Marktberatung oder zur Investitionsfinanzierung haben. »Bei ersten Anfragen ging es um Investitionspläne und deren Finanzierung«, berichtet Hans ­Nerlich, der Leiter des Firmenkundengeschäfts bei der Commerzbank in Goslar war. Ein anderes Thema, das bereits angefragt worden ist, war die Übergabe eines Handwerksbetriebes und die Suche nach einem Nachfolger. Wichtig seien auch Kontakte zu Behörden und das Wissen um Fördermöglichkeiten für den Betrieb oder für einzelne Projekte, weiß Reinhard Schwarzer, der viele Jahre Chef der Wirtschaftsförderung in Goslar war. Schwarzer: »Es gibt so viele Fördertöpfe, dass es schon einer intensiven Beratung bedarf, wo und wie man an Gelder kommen kann.«

»Keine Konkurrenz zu ­professionellen Beratern«

ws_haus.jpgDie Wirtschaftssenioren bieten eine Erst­beratung kostenlos an. Dabei lernt man sich und die Problemlage des Ratsuchenden kennen. Will der dann wirklich eine Beratung, wird die weitere Vorgehensweise festgelegt, der richtige Berater bestimmt und ein Beratervertrag abgeschlossen. Die Senioren nehmen für jede Stunde Beratung eine Gebühr von 60 Euro plus Fahrtkosten. Man wolle mit der Beratung nichts verdienen, betont Diekstall, aber die laufenden Kosten damit abdecken. Sponsoren seien trotzdem willkommen.

»Viele Kontakte und ­Erfahrungen«

Diekstall betont: »Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu professionellen Beratern.« Man könne vor allem kleineren Betrieben helfen, die häufig Vorbehalte gegenüber Beratungsfirmen oder schlicht kein Geld dafür hätten. Andererseits sei man in das Beratungsnetzwerk Region Goslar eingebunden, das von der Wirtschafts­förderungsgesellschaft WiReGo betrieben werde. Warum engagieren sie sich überhaupt für diese ehrenamtliche Arbeit? »Ich finde es gut, im Ruhestand noch aktiv zu sein, ich habe viele Kontakte und Erfahrungen, die ich einbringen kann«, meint Hans Nerlich. »Ich weiß, wie viel Engagement und Risiko ein Mittelständler eingeht und das will ich unterstützen«, fügt Dieter Bonitz an. Und Reinhard Schwarzer will auch als Ruheständler »dazu beitragen, die Stadt und die Region weiter voranzubringen«. Dr. Klaus Diekstall bringt es auf den Punkt: »Es macht einfach Spaß, neue Kontakte zu knüpfen, Menschen kennenzulernen und ihnen zu helfen.«

Bild oben: »Alt hilft Jung« nun auch in Goslar. Unser Bild (von links): Dr. Klaus Diekstall,
Dieter Bonitz, Reinhard Schwarzer und Hans Nerlich.

geschrieben von  sie