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Was wir von Jürgen Barthauer lernen ­können Freitag, 04 November 2016 14:22 Foto: oh

Was wir von Jürgen Barthauer lernen ­können

»Als Unternehmer muss man sich ständig fortbilden – nicht nur, um sich fachlich zu verbessern, sondern auch, um seine sozialen Kompetenzen etwa in der Mitarbeiterführung zu erweitern«, meint Jürgen Barthauer, Chef des gleichnamigen Softwarehauses in Braunschweig. Das Unternehmen ist Marktführer in Deutschland bei Software-Werkzeugen, mit denen Abwasser-Kanalsysteme geplant, verwaltet, gewartet und saniert werden. Barthauer: »Das ist wie im Hochleistungssport. Da muss man auch ständig trainieren, um beste Leistungen zu erringen.« Zuletzt hat Barthauer beispielsweise ein Seminar zum Neurolinguistischen Programmieren (NLP) absolviert, eine besondere Art von Kommunikationstechniken und Methoden zur Veränderung psychischer Verhaltensweisen.

»Ständiges Training wie im Leistungssport«

Barthauer hat sich zum mittelständischen Unternehmer hochgearbeitet. Als Arbeiterkind hat er mit BAföG-Unterstützung an der TU Braunschweig studiert, was vor 40 Jahren keineswegs selbstverständlich war. Barthauer machte sein Diplom als Bauingenieur in der Fachrichtung Wasserwirtschaft. Vor 25 Jahren gründete er sein Unternehmen Barthauer Software GmbH, aus der inzwischen eine kleine Firmengruppe mit vier Unternehmen in Deutschland und Tunesien geworden ist. In Deutschland hat Barthauer noch Büros in Berlin, München und Würzburg.
»Ich verstehe mich als Coach meiner Mitarbeiter«

»Anfangs habe ich noch nächtelang am PC gesessen und selbst Programme geschrieben«, erinnert sich Barthauer: »Heute führe ich nur noch.« Er pflegt einen kooperativen Führungsstil, versteht sich als Coach seiner 40 Mitarbeiter, lässt ihnen viel Freiräume, in denen sie sich kreativ ins Unternehmen einbringen können. Deshalb setzt Barthauer auf flache Hierarchien. Es gibt nur fünf Teamleiter, die in ihren Bereichen eigenständig arbeiten, beispielsweise selbst Personal suchen können. ­Barthauer: »Die wissen schließlich besser als ich, wer in ihr Team passt.« Er habe sein Unternehmen so aufgebaut, ergänzt Barthauer, dass es auch mal monatelang gut laufen würde, falls er einmal vorübergehend ausfallen sollte.

»Ein Viertel der ­Mitarbeiter hat ein Dienst-Bike«

Barthauer versteht sich nicht nur wegen seiner Produkte »als grünes und umweltfreundliches Unternehmen«. Er tut auch sonst etwas dafür. Beispielsweise gibt es Dienstfahrräder. Das Unternehmen least – wie bei Dienst­wagen – E-Bikes von einem Händler und stellt sie jeweils Mitarbeitern zur Verfügung. Ein Viertel der Belegschaft hat inzwischen Dienst-Bikes – auch der Chef.

Das Unternehmen bietet nicht nur Software-Werkzeuge zum Management von Kanalsystemen an, sondern auch für andere unterirdische Infrastrukturnetze, etwa für Trinkwasser, Strom, Gas, Fernwärme oder Telekommunikation. Hauptprodukt ist das datenbankbasierte Netz­informationssystem Basys, das zur Darstellung, Planung, Verwaltung und Bearbeitung der verschiedensten Netze genutzt werden kann. Denn zumindest in größeren Städten werden solche Netzpläne mit allen technischen Daten und den aktuellen Bauzuständen nur noch in Computer-Datenbanken und nicht mehr auf Papier gespeichert.

»Software-Werkzeuge für Kanal­systeme«

Mit verschiedenen Tools können diese Netz­daten genutzt werden, etwa zur Planung neuer (Teil-)Netze oder zur Wartung und Sanierung bestehender Netze. Es können damit Gebühren kalkuliert oder der Wert des Netzes ermittelt werden. »Wir können sogar prognostizieren, wann und wo mögliche Schäden in einem Netz auftreten werden«, erläutert ­Barthauer.

Und wie ist der Zustand der deutschen Abwasser-­Kanal­netze? ­Barthauer: »Es ist wie mit den Straßen. Die Kanalnetze funktionieren, ihr Zustand wird aber immer schlechter. Es wird zu wenig in die Zukunft investiert.«

»­Barthauer zum Zustand der deutschen ­Abwasser-Kanäle«


Rund 70 Prozent des Geschäfts macht das Unternehmen mit Software für Kanalprojekte. Hier habe man einen Marktanteil in Deutschland von bis zu 40 Prozent. »Wir sind in diesem Bereich ein hidden champion«, stellt Barthauer fest.

»Großprojekt im Wüstenstaat Bahrain«

Insgesamt hat das Unternehmen rund 1000 Kunden vor allem in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Aber auch in anderen Ländern ist Barthauer zunehmend aktiv. Derzeit läuft ein Großprojekt im Wüstenstaat Bahrain, in dem erstmals ein umfassendes Informationssystem für die Kanalisierung erstellt wird.

»Auch der Flughafen ­Frankfurt steht auf der ­Kundenliste«

Zu den Barthauer-Kunden zählen vor allem Ingenieurbüros, Kommunen und Zweckverbände sowie große Unternehmen mit eigenen Netzen. Auf der Referenzliste stehen Städte und Verbände etwa in Kassel, Nürnberg oder ­Salzgitter ebenso wie der Flughafen Frankfurt, der ein eigenes riesiges Kanalnetz hat.

»Mehrere Standbeine in Tunesien«

Zur Firmengruppe gehören inzwischen auch ein Beratungsunternehmen und zwei Tochter­gesellschaften in Tunesien. Zu dem Land bestehen besondere Kontakte, betont Barthauer. Er hat vor kurzem erst den Informatiker Anis Saad zum Mit-Geschäftsführer berufen. In Tunesien gibt es eine Tochter, die Software entwickelt und deren fünf Mitarbeiter regelmäßig in Braunschweig geschult und fortgebildet werden. Ein zweites Unternehmen, das Barthauer mit einem Partner betreibt, soll künftig Informationssysteme zum Management von Pipeline-Projekten in Nordafrika entwickeln und betreuen. Das sei ein völlig neues Geschäftsfeld mit guten Wachstumschancen, meint Barthauer.
geschrieben von  sie