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Was wir von Michael Schmiedel lernen können Mittwoch, 08 Februar 2017 09:04 Foto: Peter Pohl

Was wir von Michael Schmiedel lernen können

Der Anruf kam zur falschen Zeit. Michael Schmiedel hatte gerade erst kräftig investiert. Im Juni 2014 bezog sein Werbetechnikbetrieb P&K Schmiedel einen Neubau in Vechelde, ausgerüstet mit modernster Technik. Investitionssumme: knapp 1,5 Millionen Euro. Als dann im Februar 2015 Lars Kroschke anrief, um mit ihm über die Zukunft der sign point GmbH zu sprechen, war Schmiedel deshalb sehr zögerlich. »Ich sagte, Sie kommen zwei Jahre zu spät – oder zwei Jahre zu früh«, erinnert er sich. Doch einige Treffen führten zu einem Umdenken.

»Der Einstieg bei sign point«

Seit Oktober 2016 ist der 46-Jährige nun neben seinem Unternehmen auch geschäftsführender Gesellschafter der sign point GmbH. Er hat einen 50-prozentigen Anteil erworben. »Was mich gereizt hat, war, beide Unternehmen noch klarer zu positionieren und das bisherige Bauchladenprinzip zu verschlanken«, berichtet er. Sign point steht künftig für Beschilderung, Außenwerbung und Beleuchtung; P&K Schmiedel für Folientechnik und Fahrzeugbeschriftung.

Michael Schmiedel ist Quereinsteiger. Er hat eine Ausbildung zum Klavierbauer bei Grotrian-Steinweg abgeschlossen. »Ich wusste noch gar nicht, wo die Reise hingehen soll. Mein Vater hat eine Musikproduktion und ist als Komponist und Texter tätig. Nach der Ausbildung habe ich mit ihm zusammen eine Künstleragentur betrieben. Über viele Umwege und verschiedenen Versuchen eine Richtung zu finden, kam dann das Interesse an Werbung. Ich habe mich reingeschafft – zunächst als Einmannshow mit Aufträgen für die Braunschweig Lions. Dort habe ich viele Leute kennengelernt und das Portfolio und den Kundenkreis erweitert. Irgendwann hat sich dann der Beschriftungsbereich herauskristallisiert.« Einfach mal loslegen – auch das kann weit führen.

»Ein solides Fundament«

In Vechelde stehen nun seit 2014 1600 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung. Fast alles, was im Haus verarbeitet wird, wird selbst produziert, etwa Selbstklebefolien, Vollfolierungen und Beschriftungen von Sattelzügen, Reisebussen und Fernbuslinien. »Wir arbeiten zum Beispiel für Fahrzeughersteller, die uns Fahrzeuge zum Beschriften oder Folieren bringen«, berichtet Michael Schmiedel. Zu unserem Kundenstamm gehören der Bäcker um die Ecke, das Krankenhaus, der Bundes­ligaverein genauso wie der Großkonzern. Darüber hinaus werden viele Handwerks­betriebe und mittelständische Unternehmen bedient. »2016 haben wir in Vechelde 2485 Rechnungen geschrieben. Da geht es auch mal nur um Visitenkarten. Ein solides Fundament ist wichtig«, so Schmiedel.

»Man muss sich immer neu erfinden«

»Werbetechnikunternehmen haben alle das Problem, dass sie einen großen Bauchladen aufklappen. Das bedeutet, dass man sich immer neu erfindet«, erläutert er. »Als die Gelegenheit kam, über eine Erweiterung meiner ­Aktivitäten nachzudenken, stand dieser Gedanke im Vordergrund. Von sign point wird alles bedient, was mit Außenauftritten zu tun hat. In der Stadt stehen zum Beispiel seit 20 Jahren Beschilderungssysteme des Unternehmens, die für Orientierung sorgen. Das ist die Kernkompetenz – neben Bannern, Bandenwerbung, Leuchtwerbung und Werbewürfeln. Beide Marken werden nun klar positioniert – mit Dienstleistungen, die sich nicht gleichen.«

»Marktanteil von 30 ­Prozent«

17 Mitarbeiter sind heute bei P&K Schmiedel beschäftigt, für Kunden in einem Radius von 50 Kilometern. Bei sign point arbeiten 21 Mitarbeiter deutschlandweit. Beide Unternehmen zusammen haben in der Region wohl einen Marktanteil von rund 30 Prozent, vermutet er.

»Unkonventioneller Start«

Schmiedels Start bei sign point in Braunschweig war unkonventionell. »Der Betriebsleiter bei sign point war kurzfristig zu einem unserer Zulieferbetriebe gewechselt. Ich musste kurzfristig handeln und habe gesagt: Ich komme zunächst als Praktikant. Ich habe meine Mannschaft in Vechelde gefragt, ob sie acht Wochen ohne mich auskommt – und dann begann das Praktikum in Braunschweig. Das war der richtige Weg, weil ich zeigen konnte, dass ich handwerklich etwas kann.« Bei einem großen Auftrag in den ersten Wochen wurde dann gleich das Know-how beider Unternehmen kombiniert: »Für die Nord/FM haben wir die gesamte Dachfläche in der Dankwardstraße mit einer hochwertigen Sonnenschutzfolie bestückt. Das hätten wir mit einem Unternehmen allein nicht machen können.«

»Wir möchten nicht nur der Günstigste sein«

Nehmen die beiden Firmen auch mal an Pitches teil, um Aufträge zu erhalten? »Immer«, berichtet Michael Schmiedel. »Wir möchten aber nicht immer der Günstigste sein. Dem Kunden muss auch die Idee und Ausführung plausibel vermittelt werden. Bei Ausschreibungen von öffentlichen Institutionen ist leider der Preis entscheidend. Aber es ist uns auch dort schon gelungen, das nicht günstigste Angebot umzusetzen, weil wir vielleicht ein bisschen weitergedacht haben.«

»Ein Hoch auf den Standort Vechelde«

Kommen auch Kunden, die nur eine Idee ohne Vorstellung der Umsetzbarkeit haben? »Ja«, antwortet er, »darüber freue ich mich immer. Für einen Großhändler realisiert sign point gerade zum Beispiel gemeinsam individuelle Ideen zur Verkaufsförderung.«

Wie beurteilt er den Standort Vechelde? »Die Gemeinde ist super-offen und innovativ. Die Realisierung des Neubaus war unkompliziert. Es wurden Wege aufgewiesen, wie es geht.« Vechelde sei auch ein guter Ort zum Wohnen. Die Gemeinde denkt sehr zukunftsorientiert, um das Leben hier für Privatleute und Unternehmen charmant zu machen.«

»Zeit für die Familie«

Michael Schmiedel wohnt indes seit elf Jahren mit seiner Frau und dem neunjährigen Sohn in Wendeburg. »Seit fünf Monaten haben wir auch wieder einen kleinen Hund am Start«, erzählt er.

Als Hobby nennt er den Job. »Aber ich habe es geschafft, nicht 13, 14 Stunden täglich zu arbeiten. Ich habe versucht, mich gut zu organisieren, damit Zeit für die Familie bleibt. Wir haben ein kleines Häuschen mit einem überschaubaren Garten, den man schnell in den Griff bekommt.« Das Motorradfahren hat er aufgegeben: »Inzwischen habe ich zu viel Angst, dass mich jemand übersieht. Ich habe mir jetzt ein schönes Rad gekauft. Wenn ich der Meinung bin, dass ich neue Ideen und ­Sauerstoff brauche, dann fahre ich in der Region durch die schönen Wälder.«

Fotos

Peter Pohl (6), Jörg Scheibe (1)
geschrieben von  wo