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Was wir von Dr. Stephan Röthele lernen können Donnerstag, 02 März 2017 13:52 Foto: Frank Bierstedt

Was wir von Dr. Stephan Röthele lernen können

Der Wissenstransfer von der Hochschule in die Praxis ist in diesen Tagen in aller Munde. Eine, den Ministerpräsidenten Stephan Weil schwer beeindruckende, Erfolgsstory gibt es in Clausthal. Er habe schon viele Firmenbesuche gemacht, aber etwas Ähnliches noch nie erlebt, schwärmte Weil. Es geht um den Siegeszug der Sympatec GmbH, die aus der TU Clausthal ­heraus gegründet wurde und in der Partikel­messtechnik heute Weltmarktführer mit einem extrem hohen Exportanteil ist. Diese Entwicklung ist eng mit dem Namen des Mitgründers und geschäftsführenden Gesellschafters Dr. Stephan Röthele verbunden.
 


Bereits 1985 ließ Röthele aufhorchen, als er als erster Wissenschaftler mit dem Technologietransferpreis der IHK ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später erhielt er darüber hinaus den Technologietransferpreis des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft. Geschäftlich lief es in seinem Unternehmen fast von Beginn an rund. Stephan Röthele wird eine bewundernswerte Durchsetzungskraft nachgesagt.

1984 gegründet, produziert die Sympatec GmbH Geräte zur Messung von Partikeln mit Hilfe von Lasern und anderen High-Tech-­Verfahren, mit denen die Partikelgröße von Pulvern, Granulaten, Fasern, Emulsionen und Sprays bei Qualitätskontrollen – auch bei laufender Produktion – schnell und zuverlässig analysiert werden können. Den Anwendungs­möglichkeiten sind dabei kaum Grenzen gesetzt, vom Kaffee über Metallpulver bis hin zu Schokolade und Zement. Sogar die Größe und Verteilung von Sektperlen kann mit den Geräten aus Clausthal überprüft werden. ­Röthele: »Wir ersetzen – vereinfacht gesagt – die Daumen­probe des Müllers oder die Zungenspitzenprobe des Chocolatiers.«

Überall dort, wo das entscheidende Qualitätsmerkmal die Größenverteilung der Partikel ist, werde nach den Worten Rötheles die Partikelmess-Technologie eingesetzt, zum Beispiel bei vielen Zementwerken auf der ganzen Welt. 250 bis 300 Systeme werden jedes Jahr in Clausthal hergestellt. Rund 5000 sind weltweit im Einsatz.

»Das Geschäft brummt«

Vor allem der enorme Exportanteil von über 80 Prozent macht Stephan Röthele Freude. Auf Europa entfallen 30 Prozent des Umsatzes, auf die USA 15 Prozent und auf Asien, dank großer Sprünge in China, 25 Prozent. Sympatec beschäftigt heute 150 Mitarbeiter, davon 100 in Clausthal und 20 in China. In den letzten drei Jahren ist Sympatec um 60 Prozent gewachsen. Röthele: »Wir sind weltweit das einzige Unternehmen, das sich vollkommen auf die Partikelmesstechnik spezialisiert hat. Das wird von den Kunden durchaus geschätzt.« Über die Umsatzrendite spricht er nicht, deutet aber an, dass sie im zweistelligen Bereich liegt.

Die Innovationsgeschwindigkeit will Stephan Röthele umlenken: »Wir müssen unseren Kunden zunächst die Gelegenheit geben, unsere Technologie zu verstehen und die Anwendungsmöglichkeiten auszuschöpfen helfen.«

Mit der Aussage »Der Standort Clausthal ist der Beste« macht Röthele aus seiner Begeisterung für den Harz keinen Hehl. Dieser Begeisterung hat er Taten folgen lassen und 2004 zwischen Oberharzer Tannen und funkelnden Wasserflächen in Clausthal-Zellerfeld 10 Millionen Euro in einen Neubau mit einer eindrucksvollen Architektur – das Pulverhaus – investiert mit viel Gespür für die Tradition des geschichtsträchtigen Standorts.

»Das alte und das neue ­Pulverhaus«

Das Pulverhaus steht mitten in einem ehemaligen Bergbaugebiet, das früher die ertragreichsten Gruben des Oberharzes »Dorothee« und »Caroline« beherbergte. Ministerpräsident Weil soll bei seinem Besuch in Clausthal erstaunt gewesen sein, als er hörte, dass der Bergbau im Harz 180 Jahre lang bis zu einem Drittel des Staatshaushaltes von Hannover finanziert hat.

Nach wie vor erhalten ist das historische ­Pulverhäuschen, in denen die Bergleute ihren Sprengstoff aufbewahrten. Das inspirierte Röthele dazu, auch dem Neubau den Namen Pulverhaus zu geben und damit sowohl der bergbaulichen Tradition als auch der Spezialisierung des Unternehmens die Referenz zu erweisen. Inzwischen hat Röthele den Caroliner Wetterschacht wieder freigelegt und für Besucher die Möglichkeit geschaffen, in die Tiefe zu steigen. Bis zu 600 Meter geht es hier hinab, dorthin, wo im 18. Jahrhundert im großen Stile Silber, aber auch Blei und Zink abgebaut worden sind. Die Besucher-Tagebücher zeigen die handschriftlichen Eintragungen von Goehte, James Watt, Heine und Schopenhauer.

Das Traumgrundstück auf dem höchsten Punkt von Clausthal hatte allerdings einen Nachteil, und das waren die Altlasten. Auch hier zahlte sich Rötheles sprichwörtliche Hartnäckigkeit, Kreativität und Geduld aus. In Zusammenarbeit mit den Behörden und im Besonderen mit der Samtgemeinde Oberharz wurde die Grundstückssanierung letztendlich mit nennens­werten Zuschüssen durchgeführt.

»Alles mit Maß!«

Stephan Röthele hat ein Faible für Philosophie. An verschiedenen Stellen des Pulverhauses finden sich immer wieder Leitsätze mit Weisheiten aus dem Apollo-Tempel, dem Ort des Orakels von Delphi. »Alles was man wissen muss, um ein innovatives Unternehmen nach klassischen Grundsätzen zu führen, war den Vorsokratikern bereits vor mehr als 2500 Jahren bekannt«, schmunzelt Röthele.

»Kultur-Offensive«

Als wahrer Sympathieträger für den Oberharz ist sein Name auch eng mit vielen kulturellen Initiativen wie dem Harz Classix Festival verbunden. Er erhielt nicht nur den Kulturkontakte-Preis 2010, sondern wurde darüber hinaus für sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement im gleichen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Jüngst beteiligt er sich zudem mit viel Herzblut an der Orgel­erneuerung der Clausthaler Marktkirche, Europas größter Holzkirche.

»Der Erbsentest«

Markantes Symbol des Firmensitzes von Sympatec ist ein 30 Meter hoher Turm aus Stahl und Glas, dessen wirkliche Funktion sich erst erschließt, wenn man ihn bestiegen hat. Ob chinesische Delegation, der Ministerpräsident oder der IHK-Präsident – mit jedem macht Dr. ­Röthele den Erbsentest. Erst nach einer Fallhöhe von 26 Metern erreicht die Erbse die maximale Geschwindigkeit. Nach 3,2 Sekunden schlägt sie hörbar auf. Der landschaftliche Blick vom Fallturm ist eine Augenweide mit einer einmaligen Aussicht über den ganzen Harz, greifbar nah, der Brocken.
geschrieben von  jh