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Was wir von Marianne von Bormann und Dr. Dirk Schöps lernen können Freitag, 31 März 2017 08:52 Foto: Jörg Scheibe

Was wir von Marianne von Bormann und Dr. Dirk Schöps lernen können

Der Name Elpro Umweltservice steht für 25 Jahre Erfahrung im Recycling von Elektroschrott. Dr. Dirk Schöps gründete 1992 in Braunschweig das Unternehmen. Er war in der Region ein Pionier beim Verwerten alter Elek­trogeräte. Schöps hat alle Höhen und Tiefen der Branche erlebt, die stark von schwankenden Rohstoffpreisen und von politischen Regelungen abhängig ist. Anfang des vergangenen Jahres geriet das Unternehmen wie viele mittelständische Schrottverwerter in eine Schieflage und musste Insolvenz anmelden. Daraus ging ein neues Unternehmen mit alter Marke hervor: Die Elpro Umweltservice GmbH. »Wir sind auf einem guten Weg und schreiben schwarze ­Zahlen«, berichtet die neue Geschäftsführerin ­Marianne von Bormann und fügt hinzu: »Es muss aber noch besser werden.« Schöps ist weiter als Abteilungsleiter für den zukunftsträchtigen Bereich des Rückbaus technischer Industrieanlagen im Unternehmen tätig. Wichtig für den Neustart war, so berichten die beiden, dass viele Stammkunden dem Unternehmen treu geblieben sind.

Schöps nennt zwei Gründe, die zur Schieflage der alten Elpro geführt hatten. »Uns machte vor allem der dramatische Verfall des Kupferpreises zu schaffen, der in fünf Jahren bis 2016 um die Hälfte abgestürzt war«, erzählt er. Kupfer sei der mit Abstand größte Erlösbringer gewesen – schließlich ist Kupfer in nahezu allen Elektro- und Elektronikgeräten reichlich vorhanden. Da gleichzeitig die Schrotteinkaufspreise fast stabil blieben, seien die Margen geschrumpft. Außerdem habe er im Boomjahr 2011, als der Kupferpreis auf dem Höchststand war, in eine Schredder-Anlage investiert, die in der Folgezeit nie richtig ausgelastet und rentabel gearbeitet habe. Nach drei schweren Jahren habe er Anfang 2016 in die Insolvenz gehen müssen, berichtet Schöps.

»Aus Fehlern lernen«

Zum Neuanfang kam Marianne von Bormann als Geschäftsführerin, die zuvor schon einen Recyclingbetrieb in Wernigerode aus der Insolvenz geführt hatte. Schöps: »Wir haben mit Unterstützung von Gutachtern ein neues Geschäftsmodell entwickelt, das lebensfähig ist.« Das überzeugte auch die vier neuen Gesellschafter – alles Privatleute überwiegend aus der Region, die Schöps aus alten Kontakten kannte. »Wir konzentrieren uns jetzt auf das Kerngeschäft, haben Betriebs­abläufe neu gestaltet und schließen beim Schrott­einkauf möglichst nur noch Verträge mit variabler Preisgestaltung ab«, beschreibt Marianne von Bormann das neue Geschäftsmodell. Auch der wieder steigende Kupferpreis bringe Entlastung. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 30 Mitarbeiter. Schöps fasst zusammen: »Wir sind uns der Vergangenheit bewusst und haben aus den Fehlern gelernt.«

»Kerngeschäft: Verarbeitung von Elektroschrott«

Kerngeschäft ist auch künftig die Verarbeitung von Elektroschrott, den das Unternehmen zu jeweils einem Drittel von Privatleuten, von Gewerbebetrieben und von kommunalen Annahmestellen einsammelt. Die eigene Annahmestelle in Braunschweig-Lehndorf sei – so Schöps – unverändert beliebt, was auch am guten Service liege. Die Altgeräte von gewerblichen Kunden beziehe man direkt vom Hersteller oder von Großkunden sowie von System­betreibern (die eine Art Großhandelsfunktion haben). Elpro arbeitet für mehrere hundert gewerbliche Kunden, die meistens im Umkreis von 100 Kilometern rund um Braunschweig sitzen.

Elpro ist nur am Anfang der Wertschöpfungskette im Recyclinggeschäft tätig. Altgeräte werden eingesammelt und in ersten Schritten zerlegt, etwa in Platinen oder Kunststoffe getrennt. Außerdem werden Schadstoffe entfrachtet. Dann geht das Material an weiterverarbeitende Schrottbetriebe.

»Erhebliches ­Marktpotenzial«

In Deutschland werde noch zu wenig Elektro­schrott ordnungsgemäß entsorgt, meint Marianne von Bormann. Jährlich wird nur ein Drittel der Menge an Elektrogeräten, die neu auf den Markt kommen, an Altgeräten recycelt. Das habe das Elektro-Altgeräte-Register (EAR) ermittelt, dem alle eingesammelten Gerätemengen gemeldet werden müssen. Ob die im vergangenen Jahr eingeführte Pflicht des Handels zur Rücknahme kleinerer Elektrogeräte diese Quote verbessern wird, sei noch offen, meint die Elpro-Geschäftsführerin: »Es gibt zumindest noch reichlich Marktpotenzial.«

Elpro bietet darüber hinaus auch die Vernichtung von elektronischen Datenträgern an. Im Geschäftsbereich Rückbau geht es nicht nur um den Abbau und die Entsorgung von elektrischen Anlagen, sondern allgemein um die Gebäudeausstattung, berichtet Schöps: »Wir haben Kunden überall in Deutschland.« Ein Schwerpunkt sei die Energieversorgungs­branche, die derzeit viele Umspannwerke umrüste. Man mache auch die komplette Entkernung von Gebäuden, so dass praktisch nur noch Decken, Böden und Wände übrigbleiben. Ein solches Projekt habe man im City-Point in Braunschweig realisiert.

Bild ganz oben: »In Deutschland wird noch zu wenig Elektro­schrott ordnungsgemäß entsorgt«, sagen Marianne von Bormann und Dr. Dirk Schöps.

geschrieben von  sie