Unsere Partner
Was wir von Miner’s Rock lernen können Freitag, 05 Mai 2017 09:24 Foto: Miner´s Rock

Was wir von Miner’s Rock lernen können

Ganz gleich ob architektonisch, historisch oder landschaftlich betrachtet: Goslar hat eine Menge zu bieten. Seit knapp zwei Jahren bereichert nun auch noch ein musikalisches Format die Konzertszene der Stadt am Fuße des Harzes: Miner’s Rock heißt die immer beliebter werdende Veranstaltungsreihe, die sich dem Zusammenführen von Tradition, UNESCO Weltkultur­erbe und moderner Musik verschrieben hat. Mit Radio Doria, der Band des Schauspielers Jan Josef Liefers, Mia, Laith Al-Deen, Johannes ­Oerding, Axel Prahl und seinem Inselorchester, VNV Nation, Stoppok und zuletzt Shootingstar Max Giesinger konnten bislang acht hochkarätige Acts für eine Schicht in der Schlosserei des Museums und Besucherbergwerkes Rammelsberg gewonnen werden.

»Stars im Stollen«

»Die Konzerte heißen bei uns Schicht, angelehnt an den vor Ort bis zum Jahr 1988 betriebenen Bergbau«, erklärt Christian Burgart, der zusammen mit Arkadiusz Szczesniak, Giovanni Graziano und Sören Behme die Miner’s Rock UG (haftungsbeschränkt) gegründet hat, um den Menschen in der Region musikalische Live-Erlebnisse in außergewöhnlicher Kulisse zu ermöglichen. Die Schlosserei als erprobter, technisch gut ausgestatteter und individuell wandelbarer Veranstaltungsort bietet dabei Platz für etwa 700 Besucher.

Ein so stimmungsvoller wie intimer Rahmen, der dem atmosphärischen Reiz der Auftritte durchaus zuträglich ist – und der sich herumzusprechen scheint. Nimmt man den zusehends hochtouriger laufenden Ticketverkauf als Gradmesser, wird Miner’s Rock immer mehr zur festen Größe im hiesigen Kultur­kalender. Hat es bei Jan Josef Liefers zum Auftakt noch vier Tage gedauert, bis alle Karten vergriffen waren, so war die Show von Johannes ­Oerding nach elf Stunden, die von Max ­Giesinger nach rekordverdächtigen 32 Minuten ausverkauft.

»Vier Freunde«

Mit den Konzerten reich zu werden ist freilich nicht das vordringlichste Ziel des rührigen Veranstalter-Quartetts. Die vier Männer sind seit mehr als zehn Jahren befreundet, haben beim Altstadtfest in Goslar über einen beinahe ebenso langen Zeitraum ehrenamtlich die junge Bühne organisiert. »Als wir die übernommen haben, war sie so etwas wie das schmutzige Anhängsel des Festes. Am Ende war es tatsächlich das Glanzstück«, erinnert sich Burgart, der sich für Miner’s Rock um das Booking, die Venue, die Pressearbeit und das Pflegen der Social-Media-­Kanäle kümmert, nicht ohne Stolz. Auch in der jetzigen Situation wolle und müsse keiner vom Veranstaltungsgeschäft leben. Dennoch bliebe bei ausverkauften Konzerten natürlich etwas über. »Dafür tragen wir aber auch das Risiko, dass es floppt.«

»Verschiedene Talente«

Überhaupt gehöre eine Portion Enthusiasmus und Einsatz für die Sache dazu, findet Christian Burgart, der beim Start von Miner’s Rock hauptberuflich Pressesprecher der Stadt Goslar war und mittlerweile als Referent des Oberbürgermeisters Oliver Junk fungiert. Dadurch hat der 34-Jährige auch immer wieder Veranstaltungsluft schnuppern können, unter anderem im Rahmen der politischen Diskussionsreihe »Der Berg ruft«. Seine Mitstreiter dagegen sind in völlig anderen Bereichen tätig. Arkadiusz ­Szczesniak ist Leiter des Goslarer Ratsbüros, Grafiker Giovanni Graziano arbeitet in einer Jugendeinrichtung als Sozialpädagoge und Sören Behme im Bereich Lehrerausbildung. Infolgedessen bringe jeder unterschiedliche Talente mit, was sich unter dem Strich wie bei passenden Puzzle­teilen füge, so Burgart.

Wichtig sei, dass man sich auch mal das Unmögliche zutraut, und dass Vertrauen bestehe, dass der jeweils andere im Team seine Sache gut macht. Zur Uhr schaue dabei übrigens so genau keiner. Auf etwa zehn Stunden pro Woche schätzt Burgart sein persönliches Miner’s-Rock-Arbeitspensum – ohne die Planungen für das in diesem Jahr erstmals anstehende Welterbeopenair am 22. Juli, bei dem die Bands Ich kann fliegen, Jupiter Jones, Die Schröders, Texas Lightning und Silly vor der mächtigen Berglandschaft im Hintergrund spielen. Augenblicklich dürften es daher bis zu 25 Stunden sein, die pro Person und Woche dem Veranstaltungsformat gewidmet sind, rechnet Burgart vor.

»Vier Freunde«

Dafür Arbeiten die Miner’s-Rock-Macher aber auch sehr detailverliebt, kümmern sich von der Sponsorenakquise, über die Implementierung des YouTube-Kanals Welterbefilter bis hin zur gerührten Werbetrommel in den sozialen Netzwerken um alles selbst. Allein die Foto- und Filmarbeiten übernehmen drei Stammfotografen. Und so sind die Künstler für den Herbstslot selbstverständlich schon gebucht, während die Stars der letzten Shows noch fleißig mediale Inhalte ihrer Auftritte im Rammelsberg verbreiten.

Über die persönliche Schiene und die Empfehlung von Musiker zu Musiker hoffen die Veranstalter, auch Branchengrößen in Goslar präsentieren zu können, die im Normalfall außerhalb des Budgets liegen, erst recht, wenn die Besucherobergrenze bei 700 erreicht ist. »Ein Jahr mit vier Konzerten bedeutet etwa 140 000 Euro Umsatz«, skizziert Christian Burgart. In diesem Jahr rechnen die Miner’s Rocker aufgrund des Open Airs mit deutlich mehr als 200 000 Euro.

»Mainstream versus ­Individualität«

Letztlich bestimmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch ein Stück weit die künstlerische Linie von Miner’s Rock. Bislang haben die Veranstalter den ­Spagat zwischen musikalischem Mainstream (­Oerding, ­Giesinger) und eher individuellen Acts (­Stoppok, VNV Nation) hervorragend hinbekommen. »Wobei uns zu Beginn musikalisch schon etwas anderes vorschwebte. Ich könnte mir hier zum Beispiel Bands wie Social ­Distortion sehr gut vorstellen oder Volbeat auf dem Open Air. Das wäre schon ein Knaller«, sagt Burgart, »leisten können wir es uns aber nicht, weil unsere Geldgeber die Bands gar nicht kennen. Als wir VNV Nation hier hatten, war das Ding nach drei Tagen ausverkauft. Die Leute kamen aus der Schweiz, und wir hatten sogar Bestellungen aus den USA, weil alle diese Band sehen wollten. Wir hatten aber fast keinen VIP-Gast da. Bei Jan Josef ­Liefers hingegen kam auch der Vizekanzler vorbei, weil er den Jan kennt und einfach hier sein wollte. Ein Geheimnis verrate ich jetzt nicht, wenn ich erzähle, dass die VIPs es alle super fanden, dass Sigmar Gabriel hier war.«

Bild oben: Im Bild links: Sören Behme, Arkadiusz Szczesniak, Max ­Giesinger (Musiker), Christian Burgart und Giovanni Graziano.
geschrieben von  pau