Unsere Partner
Was wir von Siegfried Herbst lernen können Donnerstag, 08 Juni 2017 11:22 Foto: oh

Was wir von Siegfried Herbst lernen können

Eigentlich wird erst am Ende einer Karriere deutlich, welche Pionierleistungen ein
Voll­blut-Unternehmer erbracht hat. Zum Beispiel ­Siegfried Herbst. Anfang 1981 gründete er als »Einzelkämpfer«, die HFH Herbst Förder- und Hebetechnik in Lamme, einem Ortsteil von Braunschweig. Um von Beginn an schlagkräftig zu agieren, kooperierte er fast eine Dekade mit einem Vertriebspartner, der GS Gabelstapler GmbH (»Zwei Unternehmen unter einem Dach«).


»Ehrgeizige Ziele«

Neben dem Vertrieb von Gabelstaplern hatte Siegfried Herbst schon früh die Vision, in eine bisher kaum genutzte Marktnische vorzustoßen und neben Standard Gabelstaplern Spezialanfertigungen für die Industrie und dem Unter­tage-Bergbau anzubieten: Bereits 1983 kam der erste millionenschwere Großauftrag herein. Eine Einlagerungsmaschine für das geplante Endlager Schacht Konrad – ein Prototyp. Auch für die Schachtanlage Asse II wurde 1987 eine spezielle Bergwerkmaschine produziert.
»Der Vision treu geblieben«

Nachdem die Nachfrage stetig zunahm, investierte Herbst 1989 rund 2,3 Millionen Mark in einen neuen, eigenen Standort an der Grotrian-Steinweg-Straße in Braunschweig. Es folgten harte Jahre des Aufbaus, in denen Siegfried Herbst seiner Vision treu blieb. Bereits 1992 beschäftigte HFH im Vertrieb, Service und Fahrzeugbau 16 Mitarbeiter.

Als in den 90er Jahren der Umsatz mit einem Anstieg auf 35 Millionen Mark geradezu explodierte und die Mitarbeiterzahl 35 erreichte, entschied sich Siegfried Herbst zu einer ­weiteren Investition, da der Handel und Service für Standardmaschinen und der ständig wachsende Fahrzeugbau aus den Nähten platzte. In unmittelbarer Nähe seines Standortes erwarb er ein 12 000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem er eine Fabrik zur Fertigung von Spezialfahrzeugen und Bergwerk­maschinen errichtete. In dieses sogenannte HFH-Werk II investierte er 6,5 Millionen Mark.

»Der wirtschaftliche ­Aufstieg«

In den Folgejahren kamen in vielen deutschen Bergwerken und Lagerstätten für radioaktive Abfälle immer mehr Spezialmaschinen und Spezialfahrzeuge made in Braunschweig zum Einsatz. Sie waren auf die ganz besonderen Anforderungen unter Tage ausgerichtet: robust, sehr niedrig und extrem sicher. Das Unternehmen HFH Herbst Förder- und Hebetechnik entwickelte sich auf diesem interessanten Nischenmarkt in Deutschland zum Marktführer und hatte nun auch mehr und mehr die Auslandsmärkte im Visier. Da sich Siegfried Herbst für Astronomie und Weltraumtechnik interessierte, waren alle Maschinen nach ­Sternen-Namen benannt: von Arktur über Orion bis Taurus. Eine Glasfaserverbindung zwischen Werk I und Werk II sorgte für eine reibungslose Kommunikation.

»Konzernhirne können ­keinen Mittelstand«

2007 entschied er sich für die Eigenständigkeit der beiden Unternehmen. Neben der HFH Herbst Förder- und Hebetechnik als Holding agierten künftig die HFH Herbst Gabelstapler und Lagertechnik GmbH, sowie die HFH Herbst Spezialfahrzeuge und Bergwerksmaschinen GmbH am Markt. Im Alter von 62 Jahren stellte Siegfried Herbst als alleiniger Gesellschafter damit die Weichen für die Unternehmensnachfolge und beteiligte vier seiner zuverlässigsten Mitarbeiter.

Ein Consultingunternehmen, das auf Unternehmensnachfolge spezialisiert war, vermittelte im Jahre 2008 für das Spezialfahrzeug­unternehmen einen Interessenten, ein 40-­jähriger Wirtschafts-Ingenieur, der lang­jährig bei einem sehr bekannten Konzern leitend im In- und Ausland tätig war. Alles begann sehr verheißungsvoll, endete dann jedoch im Jahr 2010. Danach gab Siegfried Herbst einer Fachzeitschrift für Unternehmensnachfolge ein Interview mit dem Titel: »Konzernhirne können keinen Mittelstand!«


Die Unternehmensteile der Holding beschäftigten inzwischen über 70 Mitarbeiter. Die Verkaufs­absichten von Siegfried Herbst hatten sich am Markt herumgesprochen. Unter den Interessenten für den Spezialfahrzeugbau war auch die SMAG, Salzgitter Maschinenbau, die ihre Bergbausparte »Mobile Bohrtechnik« aus der SMAG-Produktion in Salzgitter nach Braunschweig verlagern wollte. »Von der Idee dieser weltweit einmaligen Fusion war ich gleich begeistert«, erinnert sich Siegfried Herbst, der den Großteil seiner Unternehmensanteile an die SMAG veräußerte. Das Unternehmen wurde danach in Herbst SMAG Mining Technologies GmbH umbenannt und Siegfried Herbst blieb für weitere zwei Jahre Vorsitzender der Geschäftsleitung.


Die Übernahme der Produktion aus Salzgitter machten weitere Investitionen in das Werk II erforderlich. Die HFH Holding investierte über zwei Millionen in die Erweiterung. Nach der Eingliederung der Mobilen Bohrtechnik wuchs der Mitarbeiterstamm auf über 80 und der Umsatz stieg auf 13,5 Millionen Euro. Inzwischen hat die SMAG alle Anteile übernommen.

Der Unternehmensteil Gabelstapler und Lagertechnik ist zusammen mit der Immobilie auf Herbst´s langjährige Mitarbeiter Rolf Böttcher und Torsten Koch übergegangen. Insgesamt zieht Siegfried Herbst ein zufriedenes Resümee, aber: »Der Abschied vom Lebenswerk ist trotz ziemlich glattem Verlauf ein schwerer Gang.«
geschrieben von  wo