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Was wir über die Volkshochschule Braunschweig (noch) nicht wissen Mittwoch, 06 September 2017 10:36 Foto: Jörg Scheibe

Was wir über die Volkshochschule Braunschweig (noch) nicht wissen

Alle zwei Jahre zum Semesteranfang feiert die Volkshochschule Braunschweig ein großes Kulturfest. »Als wir dies vor acht Jahren ins Leben gerufen haben, ahnten wir noch nicht, dass es sich durch die neu hinzukommenden Aufgaben der Volkshochschule zu einem ›Fest der Kulturen‹ wandeln würde. Aus dem eher überschaubaren ›Tag der offenen Tür‹ der Anfangsjahre ist inzwischen ein hochklassig besetztes Event mit einem festen Platz im Braunschweiger Veranstaltungskalender geworden: Musik, Theater, Kinderprogramm und natürlich Infostände und Workshops zu ­Themen aus dem VHS-Bildungsangebot werden durch kulinarische Angebote aus aller Welt abgerundet«, erzählt Geschäftsführer Hans-­Peter Lorenzen. »Eine gute Alternative zu unseren klassischen Semestereröffnungen der Vergangenheit. Wir laden nicht nur Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung ein, sondern auch unsere Teilnehmer. Ein Fest in Haus und Hof in der Heydenstraße, bei dem an diesem Tag gut und gerne tausend Leute durchlaufen.«

Mehr als 900 Volkshochschulen gibt es in Deutschland. Ihr Auftrag: Bildung für alle. Jährlich neun Millionen Menschen nehmen das für sich in Anspruch. Die Volkshochschule Braunschweig gibt einen Katalog heraus, der so dick ist wie die Gelben Seiten – und genauso informativ, mit hunderten von Kursen, die man selbstverständlich online buchen kann. Die VHS ist längst in der Moderne angelangt, mit Angeboten, die den Zeitgeist treffen und die aktuellen Erfordernisse der Gesellschaft widerspiegeln: Beruf und Arbeitsleben, Sprachen, Computer und Medien, Gesundheit, Wellness, Schul­abschlüsse, Politik, Gesellschaft und kulturelle Bildung. Dennoch haben sie ein Imageproblem. Volkshochschule, das sei altbackenes Zeug für Rentner und gelangweilte Hausfrauen, heißt es oft. Ein Vorurteil, das insbesondere von denjenigen gepflegt wird, die noch nie einen Kurs belegt haben. Wenn es ganz schlimm kommt, wird vom »Volkshochschulniveau« gesprochen. Hans-Peter Lorenzen sieht nicht so aus, als würde er sich nächtelang darüber grämen. Er kennt die VHS Braunschweig von der Pike auf und weiß, was sie leistet: »Ich war freiberuflich tätig, ich war Weiterbildungslehrer, ich habe Projekte organisiert, die Tochtergesellschaft VHS Arbeit und Beruf mit aufgebaut und dann geleitet.« Seit 2005 leitet er die gesamte ­Volkshochschule.

Im Jahre 2000 wurde die Bildungseinrichtung zur GmbH und hat sich in den Folgejahren mit der Gründung ihrer Tochtergesellschaft VHS Arbeit und Beruf GmbH sowie der Eingründung des Hauses der Familie zu einer »kleinen Unternehmensgruppe« entwickelt. Mit etwa 160 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und knapp 500 freiberufliche Kursleiter werden diese drei Gesellschaften ihren Bildungs- und Dienstleistungsaufträgen gerecht, indem sie breit gefächerte Angebote innerhalb der Braunschweiger Bildungslandschaft liefern.

Ein gutes Sprachniveau ist der ­Schlüssel zur gesellschaft­lichen ­Teilhabe

Im Bereich der Arbeitsmarktintegration, der Qualifizierung in allen möglichen Feldern, in der berufspraktischen Weiterbildung für Frauen, die zurück in den Beruf wollen, sowie in Ausbildungs- und Beschäftigungsprojekten für Jugendliche ist die Volkshochschule Braunschweig besonders engagiert, meint Lorenzen. Ziel sei die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. »Im Vergleich zu den Kammern haben wir keine Zulassung in den klassischen handwerklichen Bereichen. Wir haben aber jede Menge Kurse, die mit Prüfungen abschließen, der ganze Sprachenbereich Deutsch als Fremdsprache zum Beispiel. Der ist in den letzten Jahren durch die Migrationsbewegungen immer wichtiger geworden. Wir orientieren uns bei der Zertifizierung am europäischen Referenzrahmen, der nach Niveaustufen eingeteilt ist.« Es gibt sechs Levels: A1, A2, B1, B2, C1 und C2. »Arbeitgeber achten bei Einstellungen darauf, dass das Sprachniveau belegt ist. Da hat sich inzwischen herumgesprochen, dass mindestens B1 vorliegen sollte, besser noch B2.« Auch wenn es darum geht, von der Arbeitsagentur in eine Maßnahme vermittelt zu werden, hätten diese Nachweise vermehrt an Bedeutung gewonnen, so der VHS-Geschäftsführer.

Führungsverhalten und Konfliktmanagement ­trainieren

Es kommen aber auch Menschen zur Volkshochschule, die sich ganz gezielt auf berufliche Veränderungen vorbereiten wollen. Wenn zum Beispiel jemand eine Führungsposition erklommen hat, sein Führungsverhalten trainieren möchte oder sein Konfliktmanagement. Für den kann die Seminarreihe Manager of Communication (natürlich mit Zertifikat) goldrichtig sein. »Und wer eine Ausbildung zum Ausbilder machen will, für den gibt es den ADA-Schein – mit IHK-Abschluss.« Ohne Frage besitzt die Erwachsenenbildung einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft hinsichtlich der Chancen am Arbeitsmarkt. Aber auch die eigene Weiterentwicklung und der Spaß in der Gruppe sind vielen Kursteilnehmern wichtig. Deshalb ist die Volkshochschule Braunschweig im Bereich Gesundheit ausgesprochen aktiv. »Krankheitsprävention, Altersprävention, das ganze Feld Entspannung hat bei uns einen hohen Stellenwert. Burn-out ist weiterhin ein großes Thema. Und auch Yoga ist, wie die Gymnastik, weiterhin stark nachgefragt. Wir haben da eine riesige Konkurrenz durch die Fitnessstudios. Unser Vorteil ist der geschützte Raum. Nicht jeder möchte sich in einer offenen Gerätelandschaft präsentieren. Viele bevorzugen mehr Privatheit«, so Lorenzen.

Neu im Angebot: Webinare

Für diejenigen, die für ihren Urlaub im Ausland ihre Fremdsprachenkenntnisse auffrischen möchten, hat die Volkshochschule zwanzig Fremdsprachen im Angebot, norwegisch ist dabei, finnisch, arabisch und natürlich alle Sprachen, die auf der Welt am meisten gesprochen werden. »Was uns aktuell ganz neu ereilt hat, sind die erweiterten Lernwelten. Man muss nicht mehr mit fünfzehn Leuten an einem Ort sein, um einen Kurs zu belegen. Man kann uns auch online erreichen. Wir hatten einen Schwedisch-Kurs, da saß die Kursleiterin in München und ein Teilnehmer saß in Frankreich. Die Teilnehmer waren in einem virtuellen Raum via Bildschirm miteinander verbunden. Beim Creative Writing wird demnächst die Dozentin aus Australien zugeschaltet. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Webinare wird es zukünftig immer mehr geben. Aber die klassische Unterrichtssituation mit ihrem viel persönlicheren Bezug wird man dadurch nicht komplett ersetzen können.«

Bild ganz oben: Hans-Peter Lorenzen leitet die ­Braunschweiger Volkshochschule seit 2005.
 

geschrieben von  maru