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Metropolregion bewirbt sich als Schaufenster­region Elektromobilität Donnerstag, 02 Februar 2012 12:22 Foto: Grafik: MPR Elisat

Metropolregion bewirbt sich als Schaufenster­region Elektromobilität

Innovative Entwicklungen erlebbar machen und ihre Einführung in den Alltag beschleunigen: Das ist das Ziel des »Schaufensters Elektromobilität«. Im März wird die Bundesregierung entscheiden, welche drei bis fünf Regionen in Deutschland bis zum Jahr 2015 Technologien und Anwendungen präsentieren. 180 Millionen Euro Fördergeld werden dafür vom Bund bereitgestellt. Mitte Januar hat sich die Metropolregion Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg beworben.



»Wer das Potenzial der Elektromobilität voll ausschöpfen will, muss das Gesamtsystem Fahrzeug, Verkehr und Energie im Blick haben und entlang der gesamten Wertschöpfungskette handeln. Erst das intelligente Zusammenspiel erlaubt, die Chancen der eMobilität für Klimaschutz und Wertschöpfung vollständig zu nutzen«, so Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Jörg Bode. In allen drei Bereichen sei die Metropolregion sehr gut aufgestellt. Mit 35 Projekten und rund 200 Partnern wolle man die Fachjury überzeugen.

»Ein Projektvolumen von 120 Millionen Euro«

Kalkuliert wird mit einem Projektvolumen von 120 Millionen Euro einschließlich der Bundessubventionen. Das Land will 10 Millionen Euro beisteuern, das Investment von Volkswagen soll deutlich darüber hinausgehen. Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Metropolregion, erläuterte die idealen Voraussetzungen der Metropolregion: Volkswagen, Continental und Johnson Controls als entscheidende Akteure bei der Entwicklung von Elektroantrieben und -fahrzeugen, Europas forschungsintensivste Region, zahlreiche innovative wettbewerbs­fähige kleine und mittlere Unternehmen sowie Hannover als führender Messestandort. »Und die Aufgeschlossenheit der Bevölkerung macht die von der Mobilitätswirtschaft geprägte Metropol­region zum optimalen Testmarkt für neue Technologien der eMobilität.«

»Klares Ziel bis 2015: 5000 Elektrofahrzeuge«

Bis 2015 wurden für ein hiesiges »Schaufenster Elektromobilität« klare Ziele gesetzt: Mehr als 5000 Elektrofahrzeuge sollen privat und gewerblich eingesetzt werden. Zehntausende Einwohner werden ein Elektrofahrzeug gefahren haben oder darin mitgefahren sein, und unter den 2015 neu beschafften Pkw von Land und Kommunen werden mindestens 20 Prozent Plug-In-Hybrid- und Elektrofahrzeuge sein. Rund 4,5 Millionen nationale und internationale Fachbesucher sollen Elektromobilität »Made in Germany« kennenlernen. Vorgesehen sind zudem die Einrichtung bedarfs­gerechter Ladeinfrastruktur sowie Konzepte zu ihrem weiteren Ausbau.

Die Volkswagen AG plant, sich in vier Themengebieten zu engagieren, berichtete Dr. Rudolf Krebs, Leiter Volkswagen Konzern Elektro-Traktion. Zum einen wolle man einheitliche Standards, insbesondere bei der Ladeinfrastruktur, etablieren. Zum anderen solle das Werk Wolfsburg eingebunden werden: durch den Ausbau betriebsinterner Fuhrparks mit Elektrofahrzeugen, betrieben durch regenerative Energien. Das Thema Elektromobilität soll stärker in der beruflichen und akademischen Aus- und Weiterbildung verankert werden, und im Mobilitätssektor wolle VW neue Konzepte aufzeigen und umsetzen.

»Die Bewerbung umfasst die gesamte Wert­schöpfungspalette der ­Elektromobilität«

Johnson Controls hingegen plant im Rahmen des »Schaufensters Elektromobilität«, am Standort der Europazentrale in Hannover eine Pilotanlage zur automatisierten Herstellung von Batteriemodulen aufzubauen. Schwerpunkt: prismatische Zellen. »Mit diesen Modulen können wir Energiespeicher für Antriebsanwendungen in Elektrofahrzeugen und in Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen zusammenstellen«, erläuterte Managing Director Stefan Suckow. Genutzt werden können die Batteriesysteme auch für die Speicherung regenerativer Energie. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Autobatterien und weltweit das erste, das Lithium-Ionen-Energiespeicher für Autos in Serie herstellt.

Auch Continental fahre bei der Elektromobilität an der Spitze, betonte Vorstandsmitglied Heinz Gerhard Wente: »Wir verfügen über ein um­fassendes Produktportfolio für sichere, effiziente und komfortable Elektromobilität.« So wird etwa seit 2011 in Gifhorn eine hocheffiziente Synchron-Maschine für ein reines Elektrofahrzeug gebaut, die ohne seltene Erden-Materialien auskommt. »Darüber hinaus verfügen wir über ein weltweites Netzwerk aus rund 1600 Spezialisten, zum Beispiel für Batteriesystemtechnik, regeneratives Bremsen und rollwiderstandsoptimierte Reifen.«

Die Bewerbung der Metropolregion werde Continental mit mehreren Projekten unterstützen. Mit der Leibniz Universität Hannover sei man zum Beispiel in ­Gesprächen über einen maßgeschneiderten Studiengang für Ingenieure der Elektro­mobilität.

»Niedersachsens ­Pferdestärken werden ­elektrisch«

Die Bewerbung umfasst die gesamte Wertschöpfungskette der Elektromobilität: von der Komponente bis zum Fahrzeug, von der vollständigen regenerativen Energieerzeugung über die Ladeinfrastruktur und Servicedienstleistungen bis hin zu Carsharing-Diensten und Mobilitätsangeboten für Flotten oder Pendler. Dazu gehört auch die Errichtung zusätzlicher Windkraftanlagen durch die Windwärts Energie. Deren Leistung wird ausreichen, um den erwarteten Strombedarf aller 100 000 Elektrofahrzeuge zu decken, die Prognosen zufolge bis 2016 in ganz Deutschland im Einsatz sein werden.

Neben Anwendung, Forschung und Entwicklung hat auch die Aus- und Weiterbildung eine entscheidende Rolle im Konzept. Das Land Niedersachsen wird das Thema Elektromobilität in allen Bildungsbereichen verankern und so die Kompetenz der Fachkräfte sicherstellen. Gemeinsames Motto aller Schaufensterprojekte: »Unsere Pferdestärken werden elektrisch.«
geschrieben von  völ