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Private und staatliche Exportkreditversicherung: Konkurrenz oder Aufgabenteilung?

Risikoversicherung im Außenhandel (Teil 1)

Beim Thema Außenhandel fällt in Deutschland im Kontext von Exportförderung und Risikoabsicherung fast reflexartig der Begriff »Hermes-Deckung«. Er ist für viele das Synonym für die Ausfuhrkreditversicherung schlechthin. Zwar ist es insgesamt zu begrüßen, wenn das Thema Risikomanagement beachtet und behandelt wird. Es aber auf die staatlich abgesicherten Ausfuhrrisiken zu verengen, wird weder der Komplexität des Themas noch der Leistung privater Anbieter gerecht. Dabei geht es nicht um Rivalitäten, Konkurrenzen oder Eitelkeiten. Vielmehr sollte durch eine bessere Information über die Möglichkeiten – und Grenzen – der verschiedenen Lösungen sich der Blick weiten auf die durchaus breite Palette der Möglichkeiten, die sich Unternehmen in der Exportfinanzierung und Absicherung bieten.

Um den Zahlungseingang im internationalen Geschäft zu sichern – und damit die Liquidität und letztlich die Existenz des Unternehmens –, gibt es verschiedene Instrumente. Dazu zählen neben den bekannten Akkreditiven auch modernere Formen wie das Exportfactoring. Eine wichtige Funktion hat im internationalen Business die Exportkreditversicherung. Und hier spielt das System der Hermes-Deckungen des Bundes unbestritten eine wichtige Rolle. Über die reine Ausfuhrabsicherung hinaus dient sie der Exportförderung für die deutsche Wirtschaft und ist ein Instrument der Wirtschafts- und Außenpolitik. Wer aber den Blick nur auf dieses staatlich unterlegte Kreditversicherungsgeschäft richtet, erfasst auch nur einen Ausschnitt.

»Mein Monopol für die Hermes-Deckung«

Dass die Hermes-Deckungen vielfach als »die« Exportkreditversicherung schlechthin wahrgenommen werden, liegt nicht an der Darstellung durch den zuständigen Interministeriellen Ausschuss. Dessen Jahresberichte etwa geben korrekt und verständlich die Aufgaben wieder. Dennoch ist bei Unternehmen, aber auch auf der Beraterebene die Aufgabentrennung zwischen staatlicher und privater Exportkreditversicherung offensichtlich nicht immer ganz klar. Coface versucht hier, Aufklärungsarbeit zu leisten – zugegebenermaßen auch im eigenen Interesse. Mehrfach wurde das Thema beim viel beachteten »Kongress Länderrisiken« des internationalen Kreditversicherers in Mainz behandelt. In Vorträgen und vielen Gesprächen mit Kunden und Kreditgebern weisen die Coface-Experten immer wieder darauf hin: Die Absicherung des Außenhandels ist kein Monopol für Hermes-Deckungen. Im Gegenteil: Staatliche und private Kreditversicherungen sind komplementäre Angebote. Und im Geschäft mit kurzfristigen Zahlungszielen ist die staatliche Versicherung für Ziele in den Haupthandelsländern nur möglich, wenn es nicht ausreichend Schutz durch die privaten Kreditversicherer gibt. Aus »marktfähigen« Ländern, die von den Privaten abgedeckt werden, dagegen muss sich der Staat – auch gemäß EU-Regelungen – zurückziehen. So wurden in Europa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach und nach die Länder in Mittel- und Osteuropa marktfähig.

aus Eberhard Ehret, von Erich Hieronimus (beide coface).
 

geschrieben von  wo