Unsere Partner

Weiterbildungsumfrage: Unter­nehmen setzen auf die Weiter­entwicklung ihrer Mitarbeiter

Lernen ist wie Rudern gegen den Strom – sobald man aufhört, treibt man zurück. Was der chinesische Philosoph Laotse bereits im sechsten Jahrhundert formulierte, ist auch heute für viele Arbeitnehmer und Unternehmen aktuell. Die berufliche Weiterbildung ist nicht nur ein Mittel für Mitarbeiter, um ihre Persönlichkeit zu entwickeln oder bessere Karriereperspektiven zu erlangen – Unternehmen setzen seit Jahren auf die Vorteile, die Weiterbildungen mit sich bringen. Wissensvorsprung, Mitarbeiterbindung und Fachkräfteentwicklung sind dabei nur einige Argumente.

Im Rahmen der Ausbildungsumfrage 2016 stellte der DIHK den rund 11 000 Unternehmen auch Fragen zur Weiterbildung: Im Zentrum standen dabei neueste Entwicklungen bei Weiterbildungsformaten, gewünschten Mitarbeiterkompetenzen und dem Umgang mit rechtlichen Orientierungshilfen.

»Weiterbildung – intern oder extern?«

Wie soll die Weiterbildung aussehen? Wo soll sie durchgeführt werden? Und welche Inhalte sollen vermittelt werden? Bei all den Fragen setzen die meisten Betriebe auf interne Firmenseminare. So gaben 73 Prozent der Unternehmen an, ihre Mitarbeiter auf diese Weise zu fördern. Externe Aufstiegsfortbildungen wie Techniker- oder Meisterkurse, wie sie auch von den Industrie- und Handelskammern angeboten werden, kommen mit 52 Prozent auf den dritten Platz.

»Der ideale Kompetenzmix: fachlich, sozial, digital«

Dass gute Weiterbildung auch etwas kosten darf, zeigt die letzte Erhebung des Adult Education Service: Denn das Institut der deutschen Wirtschaft errechnete, dass deutsche Unternehmen rund 34 Milliarden Euro jährlich ausgeben, um ihre Mitarbeiter weiterzubilden.

Unternehmen erwarten von ihren Arbeitnehmern inzwischen einen Mix an Kompetenzen: Zwar rangiert die fachliche Expertise auf dem ersten Rang (72 Prozent), jedoch folgen darauf personenbezogene (55 Prozent) und digitale Kompetenzen (43 Prozent). Wichtig sind also breit aufgestellte Fähigkeiten auf einer soliden fachlichen Basis.

Die fast 230 freien Antworten unterstreichen den Bedarf an vielfältig geschulten Mitarbeitern – ein Thema sticht hier jedoch heraus: Digitalisierung und Wirtschaft 4.0. Auf die Frage nach anderen wichtigen Punkten zur Aus- und Weiterbildung antworten die Betriebe mit über 550 Anmerkungen. Hier dominiert die Qualifizierung und Integration von Flüchtlingen.

»Der DQR stärkt die ­Vergleichbarkeit von Abschlüssen«

In Anlehnung an internationale Entwicklungen und Initiativen der EU hat Deutschland Instrumente geschaffen, die es Betrieben ermöglichen, die Qualifikationen von Personen aus dem Ausland besser einschätzen zu können. So gibt es seit 2013 den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Dieser hat das Ziel, Transparenz darüber zu schaffen, wie Qualifikationen gewichtet werden, sowie einen internationalen Transparenzrahmen für die Arbeitsmigration zu erstellen. Auch hochschulische und berufliche Bildung vergleicht der DQR – mit dem Ergebnis einer besseren Vergleichbarkeit der Abschlüsse.

Unternehmen nutzen den DQR auf verschiedene Weise: Rund 12 Prozent orientieren sich an ihm, wenn es um die passgenaue Stellen­besetzung geht. Für 10 Prozent ist er bei Fragen zur Vergütung relevant. Die meisten Betriebe (51 Prozent) arbeiten mit dem DQR, um Abschlüsse besser miteinander vergleichen zu können.

»Was bedeuten auslän­dische Qualifikationen?«

Um im Ausland erworbene Kompetenzen auf dem deutschen Arbeitsmarkt besser verständlich zu machen, trat 2012 das Berufsqualifika­tionsgesetz (BQFG) in Kraft. Innerhalb des letzten Jahres hat sich der Bekanntheitsgrad des Gesetzes auf 52 Prozent verdoppelt – dies kann vor allem mit der breiteren Werbung in der Öffentlichkeit sowie mit den Herausforderungen der Flüchtlingswelle begründet werden.

Das Gesetz sieht vor, dass eine zuständige Stelle die Bescheinigungen der jeweiligen ­Person individuell prüft. Dazu dienen deutsche Berufsdefinitionen als Vergleich. In rund einem Viertel der Fälle bestehen Lücken – häufig sind das Defizite, wenn eine Tätigkeit praktisch ausgeübt wird. Um diese auszugleichen, sind fast 75 Prozent der befragten Unternehmen bereit, Praktikumsmaßnahmen anzubieten.

 

Übernahme von ­Auszubildenden aus Insolvenz­unternehmen

Auszubildende aus Insolvenzunternehmen stehen häufig vor einer ungewissen Zukunft. Betriebe, die dem Fachkräftenachwuchs eine neue Perspektive bieten möchten, bekommen eine zusätzliche Unterstützung durch das Land Niedersachsen: Wer Auszubildende aus Insolvenzfirmen übernimmt, kann dafür einen Zuschuss bei der NBank beantragen.

Von diesem Förderprojekt profitieren Betriebe mit Arbeits- und Ausbildungsstätten in ganz Niedersachsen. So unterstützt die NBank Ausbildungsverhältnisse mit bis zu 50 Prozent der Ausgaben für die Ausbildungsvergütung inklusive der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Auf diese Weise stärkt das Land Niedersachsen die ansässigen Unternehmen dabei, ihren Fachkräftebedarf zu sichern und bietet den »Insolvenzazubis« eine neue Möglichkeit, ihre Ausbildung weiterzuführen.

Für alle Auszubildenden in anerkannten Ausbildungsberufen, die im neuen Betrieb für mindestens sechs Monate arbeiten werden, können Unternehmen die Projektförderung beantragen.

Unternehmen, die die Zuschüsse beanspruchen möchten, sollten auf das online Kundenportal der NBank zurückgreifen.

geschrieben von  tj