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Peines ­Bürgermeister sucht die Nähe zur ­Wirtschaft Montag, 08 Mai 2017 08:56 Foto: Jörg Scheibe

Peines ­Bürgermeister sucht die Nähe zur ­Wirtschaft

Klaus Saemann, seit 160 Tagen Bürgermeister der Stadt Peine, ließ beim Regionalen Wirtschafts­ausschuss Peine der IHK, der am 11. April in der BrauManufaktur Härke tagte, keinen Zweifel daran, dass die örtlich handelnden Akteure der Wirtschaft für ihn einen erheblichen Stellenwert haben.

Zu Beginn freute sich die Ausschuss-Vorsitzende Ulrike Brandes-Peitmann über die starke Resonanz der Veranstaltung bei den Mitgliedern und verwies darauf, dass der Ausschuss 2002 das letzte Mal bei Härke zu Gast gewesen sei. Die 2013 gegründete Härke BrauManufaktur in Peine ist nach den Worten von Verkaufsleiter Carsten Schild heute ein reiner Produktions­betrieb, während die Abfüllung und Logistik bei der Mutter­gesellschaft, dem Einbecker Brauhaus, erfolge.

Von den knapp 600 000 Hektolitern der Mutter entfielen 2016 45 000 auf Härke, dabei machte die klassische Marke Härke-Pils etwa 90 Prozent des Absatzes aus. Als erfreulich bezeichnete Schild den Fassbier-Anteil (»Damit verdienen wir unser Geld«) von 32 Prozent. Dies sei eine überdurchschnittlich hohe Quote. Veltins etwa habe nur einen Anteil von 25 Prozent.

Die Hälfte der 900 Kunden kommt aus der ­Gastronomie, wobei Härke nicht nur in Peine gut vertreten ist, sondern auch im Umland. Wachstumsmöglichkeiten sieht Carsten Schild noch in Celle, Meinersen, Leiferde und Hildesheim. Im Übrigen erlaube die neu installierte Technik die Produktion sämtlicher Biere. So würden in Peine neben den Härke-Marken Pils, Hell, Radler und Alkoholfrei alle Weizenbiere der Ein­becker Gruppe produziert – bis hin zu obergärigen Nischenprodukten wie »Amber Ale«. Auch das Nörten-Hardenberger wird heute in Peine gebraut, wo derzeit 10 Mitarbeiter tätig sind, während bei der Muttergesellschaft insgesamt 130 beschäftigt werden.

Im Folgenden ging Klaus Saemann auf die Entwicklungsperspektive der Peiner Innenstadt und Wirtschaft ein. Die Kaufkraft im Landkreis Peine habe nach einer Untersuchung des weltweit größten Marktforschungsunternehmens GfK im Jahr 2015 mit rund 47 700 Euro pro Haushalt über dem Durchschnitt in Niedersachsen (44 100 Euro) und der Bundesrepublik (44 500 Euro) gelegen. Die Stadt Peine verfüge dagegen über eine leicht unterdurchschnittliche Kaufkraft (43 000 Euro). »Aber daran arbeiten wir jetzt, um diese Kennzahl zu erhöhen«, betonte Saemann, der 20 Jahre als Rechtsanwalt, davon 15 Jahre in selbstständiger Tätigkeit, an verschiedenen Standorten tätig gewesen ist. Insofern sei er lange Jahre als Unternehmer unterwegs gewesen, wenn auch nicht als Kaufmann im eigentlichen Sinne.

Saemann sprach auch das Innenstadtprojekt »Lindenquartier« an, das die Stadtverwaltung schon seit 2009 begleitet. Saemann: »Ein Investor ist gefunden, die Stadt ist Eigentümerin des zu überplanenden Areals und die Fragen der Teileigentümerschaft sind gelöst.« Inzwischen sei man in der Phase der Feinabsprachen mit dem Investor, so dass er von einem baldigen Abschluss der Verhandlungen ausgehe.

Das Projekt Linden­quartier müsse unbedingt mit neuen Ankermietern einhergehen, die als Magnetbetriebe für eine Belebung der Innenstadt sorgen müssten. »Für manche ein Zauberwort und andere ein Allheilmittel, für mich ein notwendiger Anfang und ein unverzichtbarer Bestandteil der gewünschten Veränderungen«, lautete Saemanns Kommentar, der darüber hinaus eine zeitnahe Verbesserung des ÖPNV einforderte.

Für die Weiterentwicklung sowohl der Innenstadt als auch der Wirtschaft überhaupt, seien gut ausgebildete Jugendliche eine Grund­voraussetzung. Saemann: »Seit Jahrzehnten bemühen wir uns um eine Hochschul- oder Fachhochschuleinrichtung. Wir wären überglücklich, wenn wir wenigstens eine Außenstelle für Peine bekämen. Forschung und Entwicklung sind leider deutlich unter­repräsentiert.« Mit Hochdruck arbeite die Stadt an einer Bewerbung für die Ansiedlung eines Forschungsinstituts.

Bild ganz oben: Härke-Verkaufsleiter Carsten Schild (rechts) begrüßte die ­Mitglieder und Gäste des Regio­nalen Wirtschaftsausschusses Peine der IHK gemeinsam mit der Ausschuss-Vorsitzenden Ulrike Brandes-Peitmann (Mitte) vor dem Tor der BrauManufaktur.

geschrieben von  jh