Unsere Partner
Regionaler Wirtschaftsausschuss in Goslar: Die Digitalisierung als Leit­thema auf unterschiedlichen Ebenen Mittwoch, 09 August 2017 11:00 Foto: André Pause

Regionaler Wirtschaftsausschuss in Goslar: Die Digitalisierung als Leit­thema auf unterschiedlichen Ebenen

Im Fokus des Regionalen Wirtschaftsausschusses Goslar in den Räumen der Berufsbildenden Schulen Goslar Baßgeige/Seesen standen dieses Mal Vorträge zur Digitalisierung in der Berufsausbildung sowie eine Diskussion mit dem Goslarer Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk zur ­Einführung einer Tourismusabgabe.

»Die Digitalisierung beschäftigt die Wirtschaft als ein Leitthema auf unterschiedlichen ­Ebenen«, hob Dr. Jochen Stöbich, Vizepräsident der IHK Braunschweig und Geschäftsführer der Stöbich Brandschutz GmbH in Goslar, bei der Begrüßung hervor. Die Berufsbildende Schule Baßgeige/Seesen bildet rund 2200 Schülerinnen und Schüler in technisch-­gewerblichen Berufen, in sozialpädagogischen Bildungs­gängen und in verschiedenen Vollzeitschul­formen aus. Demgegenüber ist die Berufs­bildende Schule »Am Stadtgarten« mit aktuell etwa 1400 Schülern das Kompetenzzentrum für Berufsbildung in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung, Gesundheit und Informatik im Landkreis Goslar. Beide Schulen nehmen gemeinsam am Modellprojekt »BBS fit für 4.0« des Landes Niedersachsen teil, welches das Kultus- und das Wirtschaftsministerium des Landes gemeinsam gestartet haben, um die berufsbildenden Schulen in ihrer Rolle als Innovations- und Zukunftszentren im Bereich der Digitalisierung zu stärken.

»Smart Factories ­eingerichtet«

Hierzu werden an berufsbildenden Schulen so genannte »Smart Factories« eingerichtet –dezentrale Lernwerkstätten, die den beteiligten Schulen sowie kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort die Möglichkeit bieten, sich in einer modernen 4.0-Umgebung fortzubilden und miteinander zu vernetzen.

»Design Thinking«

Antworten auf Fragen der Digitalisierung aus der unternehmerischen Praxis geben das Hasso-­Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam und das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin. In seinem Vortrag »Silicon-Valley-Impulse für den Mittelstand« gab Martin Talmeier, Trainer für das HPI, den Teilnehmern des Wirtschaftsausschusses Beispiele für »Design Thinking« und vermittelte Methoden eines neuen, nutzerzentrierten Denkens. Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden. Anhand einer praktischen Übung, dem Bau eines Turms aus Spagetti in kleinen Gruppen, konnten die Teilnehmer selbst Eindrücke gewinnen.

»Modulares Lehr- und ­Lernkonzept«

Ein praktisches Digitalisierungsthema, den 3-D-Druck, stellten Dean Ciric und Daniel ­Kerlin von der fabmaker GmbH aus Braunschweig den Besuchern der Veranstaltung vor. Fabmaker bietet ein innovatives, modulares Lehr- und Lernkonzept mit didaktischen Materialien rund um den Einsatz des 3-D-Drucks in Bildungseinrichtungen an. Ein 3-D-Drucker mit dem Namen »Der Bildungsdrucker®« wurde speziell zu Ausbildungs- und Schulungszwecken entwickelt und hergestellt. Das gesamte Bildungskonzept von fabmaker basiert auf curricularen Vorgaben, das durch den renommierten Westermann Verlag didaktisch begleitet wird.

Einem ganz anderen Thema widmete sich der Goslarer Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk. Er erwägt eine Tourismusabgabe für seine (Kern-)Stadt. »Diese dient nicht dazu, eventuelle Haushaltslöcher zu schließen, sondern ist direkt an die Finanzierung touristischer Leistungen gekoppelt«, betonte Junk. Das Tourismusmarketing, der Erhalt einer touristischen Infrastruktur, die Durchführung von Veranstaltungen, die Weihnachtsbeleuchtung sowie viele weitere Maßnahmen kosteten eben Geld. Im Ortsteil Hahnenklee, der als Kurort prädikatisiert ist, gibt es eine vergleichbare Abgabe bereits. Dort zahlen Unternehmen, die unmittelbar oder mittelbar vom Tourismus profitieren, einen Fremden­verkehrsbeitrag und die Gäste einen Kurbeitrag.

Die durch eine Änderung des niedersächsischen Kommunalabgabengesetzes geschaffenen Möglichkeiten einer Finanzierung erläuterte Dr. Junk den Teilnehmern ebenso wie die Vorgehensweise bei der Festlegung der geplanten Abgaben. Dabei würde berücksichtigt, dass nicht alle Unternehmen in gleichem Maße vom Tourismus profitieren. Durch den Tourismus unmittelbar bevorteilt seien die Branchen, die in direkter Verbindung mit den Fremden stehen. Der zukünftige Beitrag werde sich daher nach der Formel »Umsatz mal Mindestgewinnsatz mal Vorteilssatz mal Beitragssatz« ermitteln. Bei der anschließenden Diskussion gab es seitens der Teilnehmer auch kritische Stimmen. So führte ein Teilnehmer aus, dass er ja bereits Gewerbesteuer zahle und für sich keine Vorteile aus dem Tourismus erkennen könne, da sich der Standort seines Unternehmens in einem Gewerbegebiet außerhalb der typischen Touristenströme befinde.

Ansprechpartner:
Uwe Heinze, Geschäftsstelle Goslar,
Tel. 05321 23231,
E-Mail: uwe.heinze@braunschweig.ihk.de


Bild ganz oben: Der Regionale Wirtschaftsausschuss in den Räumen der Berufsbildenden Schulen Goslar Baßgeige/Seesen war gut besucht.
 

geschrieben von  hei