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Fokus Chefbüro: Dr. Rainer Beyer Mittwoch, 13 Juli 2016 14:47 Foto: Peter Pohl

Fokus Chefbüro: Dr. Rainer Beyer

Fährt Dr. Rainer Beyer eine längere Strecke im Auto, dann ahnen die Führungskräfte schon: Gleich ruft er hier an. »Auto fahren bringt mich auf frische Ideen«, erzählt der Geschäftsführer der Eckold GmbH & Co. KG. »Das war schon als Student so. War ein Thema etwas schwieriger, bin ich ins Auto gestiegen. Da bekomme ich den Kopf frei.« An der Hamburger Universität hatte der heute 60-Jährige bereits eine enge Verbindung zum Unternehmen. »Nach dem Studium war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni und habe promoviert. Die Promotion wurde von Eckold finanziert.« Seit er 30 ist, arbeitet er nun im Unternehmen.



Gegründet wurde Eckold 1936 in Wernigerode. Walter Eckold wollte seine Ideen und Erfahrungen im Vorrichtungs- und Präzisionswerkzeugbau wirtschaftlich nutzen. Nach Enteignung und Flucht in die britische Besatzungszone folgte 1948 die Neugründung im Sperrluttertal in St. Andreasberg. »Zunächst wurden hier fünf Jahre lang Traktoren gebaut. Leider ließ sich bislang keines der Fahrzeuge auftreiben. Sonst hätte ich das im Betrieb ausgestellt«, erzählt Dr. Rainer Beyer.

»Die Blechverbindungstechnik hat den größten Umsatzanteil«

In seinem Büro erinnert ein Foto an die Gründerzeit. Gegenübergestellt ist ein weiteres Bild, das einen der größten Aufträge in der Unternehmensgeschichte zeigt: Bei der S-Klasse von Mercedes wurde erstmals flächendeckend in der Automobilindustrie das Clinchen eingesetzt, die Verbindungstechnik für Bleche und Profile. »Das Clinchen hat gegenüber dem Punktschweißen den großen Vorteil, dass auch Werkstoffkombinationen problemlos verbunden werden können. Da die Fahrzeuge heute immer öfter eine Mischbauweise haben, drei bis sechs verschiedene Metalle, wird die Technik zunehmend eingesetzt – bei Mercedes und Audi inzwischen bei allen Baureihen.« Die Werkstoffe werden immer fester, leichter und dünner, erläutert Rainer Beyer. Deshalb ließen sie sich mitunter nur schwer zusammenschweißen.

»Das Geschäft brummt im Sperrluttertal«

Die Blechverbindungstechnik bieten in Deutschland nur drei Unternehmen an. Deshalb kann sich Eckold über die aktuelle Auftragslage nicht beschweren: »Wir sind voll ausgelastet. Das erste Halbjahr war schon mal super. In den nächsten eineinhalb Jahren werden wir sicher acht bis zehn neue Mitarbeiter einstellen.« Das Clinchen trägt inzwischen rund 40 Prozent zum Umsatz bei; die Stanztechnik etwa 30 Prozent. Angeboten werden zudem Kraftformer zur Umformung von Blechen, Rohren und Profilen sowie andere Umformopera­tionen. Jahresumsatz 2015: rund 15,5 Millionen Euro. Der Exportanteil liegt bei 45 Prozent.

»China mit Abstand ­wichtigster Markt«

»China ist mit Abstand der wichtigste Markt, dann Europa und alle Länder, in denen die deutsche Automobilindustrie tätig ist. Wir hängen zu 70 Prozent an der Automobilindustrie. Bei Audi und Daimler sind wir zum Beispiel Produktpartner für die nächsten Baureihen, und das weltweit – in Südafrika, Amerika und China«, berichtet Rainer Beyer. Selbst ist er inzwischen nicht mehr allzu oft im Ausland. »Unser neuer Vertriebsleiter nimmt mir viel ab. Irgendwann hat man nicht mehr die ganz große Freude daran.«

»Kraftformer stehen in allen Flugzeugwerften ­weltweit«

Die Objekte und Bilder im Chefbüro sind gute Stichwortgeber, um über das Unternehmen zu erzählen. Ein Bild etwa zeigt Flugzeuge. Die Kraftformertechnik wird vielfach in der Luftfahrt eingesetzt. »Unsere Maschinen stehen vermutlich in allen Flugzeugwerften weltweit. Die werden gebraucht, um Teile nachzurichten oder auszubessern, etwa wenn ein Kofferwagen gegen ein Flugzeug gefahren ist. Wir haben bereits in über 100 Länder geliefert«, berichtet Rainer Beyer. Sein liebstes Stück im Büro erinnert an seine letzten Jahre an der Universität, als er die Clinchtechnik wissenschaftlich begleitete: »Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal hier im Büro sitze.«

»Wenn es schwierig wird, zeigt sich, wer ein guter Partner ist«

Und dann fällt noch ein Bild von einer Stanz­anlage ins Auge. »Sie hat unser Haus sehr geprägt«, erzählt der Geschäftsführer. »Wir haben sie 2008 ausgeliefert – in einer Zeit, in der wir rappelvoll mit Aufträgen waren – und sie war einfach noch nicht ausgereift. Es gab jede Menge Probleme. Bei der Produktion von Hinterachsen für den Audi A4 fiel sie häufig aus.« So baute das Team die Anlage während der Produktion komplett neu. »Das ging über drei Monate. Ständig war jemand von uns neben der Anlage vor Ort. Ich durfte zweimal pro Woche beim Werkleiter antreten, morgens um sieben Uhr und wurde auch nachts und samstags angerufen. Das endete damit, dass ich eines Morgens um viertel vor Sieben zu Hause einen Anruf von ihm bekam. Ich kam gerade aus der Dusche. Er sagte: ›Können Sie sich vorstellen, was ich für ein Anliegen habe? Ich möchte Sie zum Essen einladen wegen der guten Zusammenarbeit. Es gibt keine Probleme mehr.‹ Seitdem haben wir eine ganze Reihe dieser Anlagen geliefert.«

Die Stanzanlage symbolisiert für ihn deshalb auch: »Wenn es schwierig wird, zeigt sich, wer ein guter Partner ist.« Man habe die Probleme ernstgenommen und mit offenen Karten gespielt. Das wurde honoriert. »Ich habe generell mit Offenheit nur gute Erfahrungen gemacht«, sagt Rainer Beyer. »Bei den Kunden, bei unseren Mitarbeitern und auch bei den Banken. Immer offen aussprechen, was wirklich los ist.«

»Mit Offenheit gute ­Erfahrungen gemacht«

Persönliche Gegenstände oder Fotos gibt es in seinem Büro nicht. Der Raum ist recht nüchtern gestaltet. Nur ein Familienfoto gibt es, schon etwas älter. Zunächst hat die Familie in Bad Sachsa gewohnt, erzählt er. »Das war etwas schwierig mit unseren kleinen Kindern. Wir haben den Altersdurchschnitt von 74 auf 73 Jahre gedrückt.«

Am heutigen Wohnort Osterode wurde es dann schnell gemütlich. »Wir kamen aus Hamburg. Ich hatte mit meiner Frau darüber diskutiert, ob wir in den Harz umsiedeln wollen. Wir haben gesagt: für zwei, drei Jahre – warum nicht? Aber mir hat die Technik unheimlich Spaß gebracht, ich kam mit dem damaligen Inhaber Gerd-Jürgen Eckold unheimlich gut zurecht, dazu die klare, gute Luft des Sperrluttertales. Irgendwann sagt man: Warum soll man wechseln, wenn man sich wohlfühlt?« Am Wochenende gehen seine Frau und er oft spazieren. »Wir haben zwei Hunde, die müssen raus.«

»Ich brauche Action«

Richtige Hobbys hat Rainer Beyer ansonsten nicht: »Mein Hobby ist, mir ein Hobby zu suchen – für die Zeit, wenn ich mal nicht mehr so aktiv bin«, sagt er lächelnd. »Die Arbeit hat schon einen sehr hohen Stellenwert für mich. Es kann sein, dass ich auch samstags oder sonntagvormittags noch mal am Schreibtisch sitze. Ich brauche einfach so’n bisschen die Action. Ich habe schon Probleme, wenn ich zu Hause eine Woche Urlaub mache. Da sagt meine Frau: Du machst mich verrückt.«

Er fühle sich in der Region »pudelwohl« sagt er zum Schluss. Ihn störe nur das häufig negative Gerede: »Es werden immer erst die negativen Dinge aufgezählt. Macht hier ein neues Geschäft auf, dann heißt es nicht: Ist ja toll. Stattdessen sagen viele: Mal sehen, wie lange der überlebt.«

Bild oben: Dr. Rainer Beyer ist auch ehrenamtlich stark engagiert: Er ist Vize­präsident der Europäischen Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung und Vorstandsvorsitzender der MEKOM Regional­management Osterode am Harz e. V. mit insgesamt 90 Mitglieds­unternehmen. Bei der IHK arbeitet er im Industrieausschuss mit.
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