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Fokus Chefbüro: Hartmut Striepe und Edwin Neue Freitag, 16 Dezember 2016 06:49 Foto: Frank Bierstedt

Fokus Chefbüro: Hartmut Striepe und Edwin Neue

Es ist kein klassisches Chefbüro. Die beiden Chefs Hartmut Striepe und Edwin Neue sitzen in einem normal ausgestatteten Büroraum zusammen mit der Assistentin der Geschäftsführung und dem Einkäufer des Unternehmens. Vier Schreibtische, Aktenregale an den Wänden, kaum Persönliches, in der einen Wand zum Hausflur ein Schiebefenster zum Besucher-­Empfang. Denn dieses Chefbüro der besonderen Art liegt im Erdgeschoss direkt neben dem Eingang zum zweistöckigen Gebäude­komplex. Hartmut Striepe und Edwin Neue sind geschäftsführende Gesellschafter des mittelständischen Sondermaschinenbauers FMB in Braunschweig, der sich als Spezialist für Industrieautomatisierung mit Schwerpunkt ­Sortier- und Zuführungstechnik eine gute Markt­position erarbeitet hat.

»Das Chefbüro der ­kurzen Wege«

»Wir haben dieses Bürokonzept bewusst gewählt«, erzählt Edwin Neue: »In diesem Raum laufen alle betrieblichen Prozesse zusammen, so haben wir eine gute Kontrolle.« Außerdem gebe es nur kurze Kommunikationswege im Betrieb, ergänzt Striepe, der Zugang etwa zur Fertigung sei schnell, gewissermaßen nur zehn Meter über den Flur. »So können wir Probleme sofort und direkt ansprechen und lösen«, meint Neue. Er ist seit dem vergangenen Jahr dabei und hat früher bei anderen Unternehmen, etwa beim Maschinenbau-Konzern Klöckner, stets ein eigenes Büro gehabt. »Ich habe dieses Konzept jetzt aber schätzen gelernt, es hat einige praktische Vorteile«, meint Neue.

»In der Unternehmensbörse der IHK fündig geworden«

Der gelernte Maschinenbau-Techniker Striepe hat FMB 1994 als Ausgründung aus einem Unternehmen gegründet und den Firmen-­Namen mitgenommen. FMB steht heute für Fertigungstechnik, Mechanisierung und Betriebstechnik. Sein Gründungspartner Enrico di Guida ist im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen. Dafür stieg der Wirtschafts­ingenieur Neue ins Unternehmen ein. »Ich wollte mich schon immer selbstständig machen«, sagt er rückblickend. Mit 55 Jahren wagte er den Sprung. Er informierte sich über die Unternehmensbörse der IHK über Beteiligungsangebote und schaltete einen Vermittler ein. So fand er zu FMB.

»Unsere Wurzeln liegen schon 60 Jahre zurück«, erzählt Striepe. Das technische Know-how in der Sortier- und Zuführungstechnik, vor allem bei der Vibrationsfördertechnik, beruhe auf Entwicklungen des früheren Braunschweiger Unternehmens Karl Bergmann, die man übernommen und kontinuierlich weiter ent­wickelt habe. Heute beschäftigt das Unternehmen 25 Mitarbeiter, durchweg Fachkräfte, und setzt jährlich drei bis vier Millionen Euro um.

»Große Fertigungstiefe«

FMB baut Automatisierungsanlagen für Kunden aus den verschiedensten Industriebranchen, die Schüttgüter verarbeiten, die vor der Verarbeitung sortiert werden müssen. »Es sind Anlagen, die ganz auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten sind«, fasst Striepe zusammen: »Wir liefern Anlagen aus einer Hand, haben eine große Fertigungstiefe und bieten – auch weil wir immer intensive Tests durchführen – eine hohe Qualität.«

Es werden Anlagen gebaut, die ganz unterschiedliche Teile – von der Medizinpille über Müsli-­Crunchflocken bis zur Schraube – in hohen Stückzahlen schnell verarbeiten können. Dabei werden die Teile zunächst mit Vibrationsförderern sortiert, in die für die spätere Verarbeitung richtige Lage (beispielsweise Schraubenkopf nach unten) gebracht, dann nach optischer Prüfung lagerichtig dem Montage-Automaten zugeführt. FMB liefert solche kompletten Systeme, aber auch nur einzelne Komponenten. »Wir bauen eigentlich immer Unikate für unsere Kunden, die aber aus standardisierten Komponenten zusammengesetzt werden«, erläutert Neue. Weltweit einziger Anbieter sei man mit einer speziellen Gleitfördertechnik, die für schonungsbedürftige Produkte (etwa Kfz-Ventile) entwickelt worden ist.

Fast 40 Prozent des Umsatzes macht FMB mit der Autobranche – entweder als direkter Lieferant etwa für VW oder als Zulieferer für andere Anlagenbauer, die die Braunschweiger Technik in größere Systeme integrieren. Andere wichtige Abnehmer-­Branchen sind die Kunststoff-, Möbel-, Nahrungsmittel-, Schrauben- und Elektro­industrie. Die Maschinenbau-Qualität made in Braunschweig hat sich weltweit ­herumgesprochen, FMB liefert in verschiedene EU-­Länder, aber auch in südamerikanische Länder, in die USA oder nach Israel.

Und was machen die beiden Geschäftsführer in ihrer Freizeit? Hartmut Striepe reitet regel­mäßig, besitzt zwei Pferde und eine eigene Weide in der Nähe von Braunschweig. Edwin Neue ist von Jugend an begeisterter Segler und besitzt ein schon etwas größeres Boot der Flying-­Dutchman-Klasse. Sein nächstes lohnendes Segelrevier ist das Steinhuder Meer. Er nimmt noch oft an Regatten teil und ist deshalb an Sommer-Wochenenden viel unterwegs.

Bild oben: Hartmut Striepe (l.) und Edwin Neue haben sich bewusst für ein Großraum-Chefbüro entschieden. Es hat neben kurzen Kommunika­tionswegen viele andere praktische Vorteile.
geschrieben von  sie