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Fokus Chefbüro: Klaus Rödel Donnerstag, 05 Januar 2017 08:38 Foto: Frank Bierstedt

Fokus Chefbüro: Klaus Rödel

Dunkle Wände, Holzvertäfelung: Klaus Rödels Büro hat Stil. »Es ist nicht auf die ­Person hin konzipiert, sondern auf die Marke. Dieser Kontor-Stil ist nicht unbedingt meins, aber er passt gut zum Produkt. Ich selbst hätte es gern heller«, erzählt der Geschäfts­führer der Heimbs Kaffee GmbH & Co. KG. 20 Jahre ist es nun her, dass der Volkswirt und Diplom-Ökonom von der Vetter-Spirituosengruppe (Sechsämtertropfen) zu Heimbs gewechselt ist. Er startete mit einem Absatz von 1200 Tonnen Röstkaffee. Heute sind es rund 3000 Tonnen. Die Dallmayr-Tochter erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro. 2016 war das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte. »Wir haben lange gesät und es wachsen lassen. Jetzt fahren wir ein bisschen die Ernte ein«, so Klaus Rödel.

»Die Kunst der ­Markenführung«

Heimbs, 1880 gegründet, ist eine der ältesten Braunschweiger Traditionsmarken. Was ist dem Geschäftsführer bei der Markenführung wichtig? »Die Kunst ist, die Tradition beizubehalten und trotzdem der Marke ein aktuelles, modernes Kleidchen anzuziehen. Dazu gehören das Design, eine klare Qualitätsphilosophie und Besonderheiten wie das aerotherm®-Röstverfahren. Das hat kein anderer Anbieter«, berichtet der 60-Jährige. Bei diesem 1954 gemeinsam mit der TU Braunschweig entwickelten Verfahren werden die Kaffeebohnen in einem indirekt erhitzten Luftstrom verwirbelt und schonend geröstet. Ohne Berührung mit heißen Metallteilen, die das Röstergebnis beeinträchtigen, schweben die Bohnen. So werden sie von außen nach innen gleichmäßig geröstet.

»Wir bedienen fast ­ausschließlich die ­Gastronomie«

Abgesehen vom Braunschweiger Lebens-mittel­handel bedient Heimbs ausschließlich die Gastronomie – neben Hotels, Cafés und Bistros auch Bäckereien, Tankstellen, Spielhallen und die Bahnhofsgastronomie. »Unser konzeptioneller Ansatz ist, dass wir in ­unserem Markt eine andere Qualität bieten, als sie der Endverbraucher aus dem Supermarktregal kennt. Der Preis­unterschied muss schmeckbar sein«, so Klaus Rödel. Er hat vor Kurzem selbst eine Schulung zum Barista – das große Latinium der Kaffeezubereitung – absolviert. »Gerade habe ich die Urkunde ins Büro gehängt, weil ich ganz stolz bin«, erzählt er. »Man bedient verschiedene Mühlen und Halb­automaten. Es geht um die Wasserqualität und die Qualitätssicherung, um Mahlgrade und Brühtemperaturen. Das Produkt muss so schmecken, wie es soll.« Rund 8000 Kunden betreut Heimbs bundesweit. 50 der 137 Mitarbeiter sind im Außendienst tätig.

»Tee-Kompetenzstandort von Dallmayr«

Was ist in den letzten Jahren besonders gut gelaufen? »Innerhalb der Unternehmens-­Gruppe gibt es einen permanenten Wettbewerb zwischen den Standorten. Für Braunschweig war es ein Riesenerfolg, dass wir die Teeproduktion hierhergeholt haben. Wir sind inzwischen der Tee-Kompetenzstandort für Dallmayr. Wir übernehmen die Teeabfüllung und -verpackung für alle Marken und Standorte«, berichtet Klaus Rödel. Der Verkauf von Tee trägt inzwischen fast 10 Prozent zum Umsatz bei. »Das Segment wächst am stärksten, aber es ist sehr dynamisch. Der Markt verlangt immer wieder andere Geschmacksrichtungen. Unter der Marke Heimbs vertreiben wir aktuell 29 Sorten. Insgesamt werden 70 produziert.«

»Wichtige Vertriebs­erfolge«

Als wichtigsten Vertriebserfolg der letzten Jahre nennt der Geschäftsführer die Akquise von Großkunden: »Die Autobahnraststätten zu gewinnen, war zum Beispiel besonders.« Ein weiteres einprägsames Erlebnis: die Präsen­tation des neuen Markenauftritts. Es war ein erhebender Augenblick. Ein Riesenerfolg. Der neue Auftritt hat uns auch als Marke unheimlich vorangebracht, auch dadurch, dass wir den Löwen ins Logo integriert haben – ein Schulterschluss mit der Stadt.«

»Der Charme von ­Braunschweig«

Braunschweig schätzt Klaus Rödel auch persönlich. Der Vater von vier Kindern wohnt mit seiner Frau im Kanzlerfeld. »Gebürtig bin ich Oberfranke. Ober, das ist wichtig. Einmal gibt es die Unterscheidung zwischen Bayern und Franken und dann noch innerhalb Frankens«, sagt er lachend. »Ich habe auch lange in anderen Großstädten gelebt, zum Beispiel in München. Braunschweig hat den Charme, dass es klein und überschaubar ist. In 20 Minuten sind Sie an jedem Platz, und es fehlt nichts. Alles ist da: gute Einkaufsmöglichkeiten, kulturelles Angebot, gute Infrastruktur, eine zentrale Lage in Deutschland und eine gute Verkehrsanbindung.« Das kulturelle Angebot nutzt er regelmäßig: »10- bis 20-mal im Jahr bin ich unterwegs, auch durch unsere Marke. Ein Unternehmen trägt auch Verantwortung im Rahmen seiner Möglichkeiten. Wir unterstützen zum Beispiel das Staatstheater, Konzerte, Kultur im Zelt und ähnliche Veranstaltungen. Da bin ich dann manchmal dabei.« Die Region erkundet er zudem regelmäßig mit dem Rad. »Radfahren ist für mich heute ganz wichtig. Darauf möchte ich nicht verzichten. Sport treibt man ja sonst nicht mehr in der Intensität wie früher. Früher habe ich Eishockey und Basketball gespielt. Irgendwann war ich auch mal süddeutscher Tisch­tennisjugendmeister«, erzählt er.

»Meine Kinder haben mich ganz genau beobachtet«

Seine Kinder sind inzwischen alle berufstätig und in der gesamten Republik verteilt. »Sie haben genau beobachtet, was ich mache – auch in den kritischen Zeiten«, berichtet Klaus Rödel. »Die Abwägung war: Ist das gut, so intensiv in den Beruf einzusteigen? Mit einer 60-Stunden-­Woche, Wochenendabwesenheit und drei Nächten pro Woche in anderen Städten? Andererseits die positiven Aspekte der finanziellen Seite.«

»Die wichtigste Aufgabe eines Geschäftsführers«

Er erzählt über die täglichen Herausforderungen: »Ich bin kein Excel-Mensch, der glaubt, ein Unternehmen nur über Zahlen führen zu können. Ich habe mich mein Leben lang auf meinen Bauch verlassen. Damit bin ich eigentlich immer gut gefahren.« Eine der wichtigsten Aufgabe für einen Geschäftsführer sei, ein Team zusammenzustellen, das zusammenpasst. »Das Fachliche kann jeder lernen. Das Menschliche hat man oder nicht. Ein Unternehmen ist wie eine Maschine. Ein Rädchen muss ins andere greifen. Ist irgendwo eines kaputt, läuft die Maschine nicht rund.«

»Lebensweisheiten überm Stehpult«

Sein Führungsstil ist darauf ausgerichtet, viel zu delegieren: »Gewisse Dinge müssen Sie selbst machen, gewisse Kunden müssen Sie selbst betreuen. Aber ansonsten: weg damit. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich möglichst wenig auf meinem Schreibtisch habe. Meine Mitarbeiter haben einen breiten Korridor, in dem sie sich frei bewegen können. Aber sie wissen auch, wo rechts und links die Wände sind.« Die demografische Lücke bereitet dem Unternehmen keine Sorgen. Der Grund: »Heimbs hat das Problem nicht. Das liegt vielleicht an der Faszination der Marke.«

Zum Schluss noch ein Blick ins Büro. Die Frage nach dem wertvollsten Gegenstand kann Klaus Rödel nicht beantworten: »Ich bin kein Mensch, der auf Äußerlichkeiten großen Wert legt.« Wertvoll ist für ihn eine Sammlung mit Lebensweisheiten, die am Stehtisch hängt – die so genannte Desiderata von Baltimore. »Die habe ich vor vielen Jahren entdeckt und seitdem in allen meinen Büros aufgehängt.« Eine Weisheit heißt: »Stehe – soweit ohne Selbstaufgabe möglich – in freundlicher Beziehung zu allen Mitmenschen. Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden. Auch sie haben ihre Geschichte. Meide laute und aggressive Menschen. Sie sind eine Qual für den Geist.«

Einige Jahre möchte Klaus Rödel nun noch »Vollgas geben«, aber in dieser Zeit auch die Übergabe an einen Nachfolger vorbereiten. »Es soll keiner sagen: Will der hier hocken, bis er vom Stuhl fällt?«

geschrieben von  wo