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Fokus Chefbüro: Marcus Eckhoff Montag, 12 Juni 2017 09:12 Foto: André Pause

Fokus Chefbüro: Marcus Eckhoff

Das inklusive Dorf der Evangelischen Stiftung Neuerkerode in der Samtgemeinde Sickte liegt etwa 20 Autominuten entfernt vom innerstädtischen Trubel Braunschweigs. Gerade an sonnigen Tagen ist das Gelände ein Idyll. Wer wie Marcus Eckhoff in dieser Umgebung seinen Arbeitsplatz hat, der weiß das zu schätzen. Seit vier Jahren ist der gelernte Kaufmann und studierte Sozialpädagoge Geschäftsführer der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH. Im Januar 2015 wurde er auch in die Geschäftsführung der Neuerkeröder Werkstätten GmbH (heute Mehrwerk gGmbH) berufen. Beide Gesellschaften gehören zur Unternehmensgruppe Evangelische Stiftung Neuerkerode.

»Kein anonymer Ort«

Etwa die Hälfte seiner Wochenarbeitszeit – meist seien es zwischen 45 und 50 Stunden – verbringt Eckhoff in seinem Büro im ersten Stock des Hauptgebäudes und kann dabei einen traumhaften Blick in den Grünbereich inmitten des Dorfes Neuerkerode werfen. Bei weitem nicht das einzige, was ihm das Herz erwärmt. »Wenn man hier morgens ankommt, wird man sehr willkommen geheißen. Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich beim Abstellen meines Autos, nicht schon von Bürgern angesprochen werde. Jeder, der hierher kommt merkt gleich, dass das hier kein anonymer Ort ist, sondern ein Dorf, wo viele Menschen leben. Und ich bin mit meinem Büro mittendrin in diesem Dorf«, schwärmt der zweifache Geschäftsführer.

»Alte Materialien für moderne Räumen«

Bis 2014 wurden die jetzigen Büroräume der Einrichtung anderweitig genutzt, dann komplett renoviert. Eine Architektin hat den Geschäftsführer bei der Umgestaltung eingehend beraten. »Wichtig war uns, dass wir hier mit den alten Materialien arbeiten. Der Echtholzboden beispielsweise wurde komplett aufgearbeitet. Im Blick hatten wir auch, dass die Räume funktionell und modern gestaltet sind, ohne dabei überrepräsentativ zu wirken«, skizziert Eckhoff den damaligen Veränderungsprozess. Beschreiben lässt sich der Einrichtungsstil des Arbeitsplatzes als funktionell und schlicht. Nichtsdestotrotz wirkt das Büro einladend. Es ist ausreichend hell, und die farbenfrohe Kunst an den Wänden sorgt für eine positive Atmosphäre. »Es sollte ein guter Ort sein, an dem Menschen zusammen und ins Gespräch kommen können. Was ja auch ein Teil meiner Rolle ist, dass ich in meinem Büro Menschen empfange: vielfach Bürger und deren Angehörige oder auch Politiker, die sich für unsere Arbeit interessieren.«

»Kunst an allen Wänden«

Wer in der Gesprächsecke Platz nimmt, bleibt mit seinem Blick beinahe zwangsläufig an der Kunst im Raum hängen. An zwei Arbeiten um genau zu sein. »Das sind Öl-Drucke der Galerie Jaeschke. Wir haben diese Bilder abgestimmt mit den Bildern, die in meinem Sichtbereich hängen«, erzählt Marcus Eckhoff, dem die Abstimmung mit den zwei anderen großformatigen Werken einer Künstlerin, die in der Villa Luise (ein Kreativangebot im inklusiven Dorf) tätig war, am Herzen lag. Allein dieser Umstand mache sie für ihn wesentlicher erzählt der 52-Jährige. Aber auch die zugrundeliegende Botschaft der archaisch-bunten Wachsstiftskizzen überzeuge ihn. »Diese Bilder wirken auf den ersten Blick vielleicht wie vollgekritzelt. Wenn man sie genau betrachtet, zeigen sie jedoch eine sehr hohe Dichte, das Motiv wirkt ja fast wie ein Geflecht aus dem man nicht entrinnen kann. Wer sich auf die Mitte fokussiert, kann sehr deutlich erkennen, das da Licht am Horizont ist. Die Interpretationsmöglichkeit in diese Richtung finde ich ungeheuer stark«, betont Eckhoff.

»Licht am Ende des ­Tunnels«

Die Bilder im Chefbüro sind, wenn man so will, der Kontaktpunkt zur gelebten Realität im Haus, schließlich ist die Evangelische Stiftung Neuerkerode mit ihren Angeboten für viele Menschen ein Licht am Ende des Tunnels, Ausblick und Ausweg. Das motiviere ihn selbst immer wieder, meint der Geschäftsführer, hinter dessen Schreibtisch auch noch eine Serie mit fünf Motiven platziert ist, die schlaglichtartig an die demnächst 150-jährige Geschichte und damit an die geleistete Arbeit der Einrichtung erinnert. Vier Bilder der Reihe sind in schwarzweiß gehalten. Sie zeigen hart arbeitende Menschen, den Besuch des Prinzregenten Johann Albrecht um 1900 in Neuerkerode oder gemütliches Zusammensein beim Kaffee. Ein nachträglich koloriertes Dia sticht heraus: fröhliche Dorfbewohner.

»Ein Zuhause für lange Zeit«

Heute betreut die Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH über 1000 Menschen, davon wohnen rund 740 im inklusiven Dorf Neuer­kerode, andere in ambulant betreuten Wohnungen und weiteren Wohnangeboten in Wolfenbüttel, Sickte oder Braunschweig. Die Bereitstellung unterschiedlicher Wohnangebote ist eine Kernkompetenz der Gesellschaft, die von 700 Mitarbeitern bewältigt wird. Heilerziehungspfleger, Kranken- und Gesundheitspfleger, Erzieher – das sind die klassischen Berufsbilder im Unternehmen. Betreut werden Menschen ab dem siebten Lebensjahr, das Gros bildet freilich die Gruppe der erwachsenen Menschen. »Die älteste Bewohnerin in Neuerkerode ist 91 Jahre alt und wohnt seit 80 Jahren hier. Wer sich für das Angebot entscheidet, bleibt in der Regel recht lange im Dorf. Wir haben individuelle Wohnangebote in Appartements für sehr selbstständige Menschen im Programm, aber auch Angebote für Menschen, die sehr intensiv betreut werden müssen. Das macht letztlich die Vielfalt aus«, grenzt Marcus Eckhoff das Portfolio des inklusiven Dorfes von klassischen stationären Einrichtungen ab.

»Viele Termine lassen sich nicht steuern«

Der Geschäftsführer, der vor seinem Wechsel in die jetzige Tätigkeit 19 Jahre für die Oskar-Kämmer-Schule gearbeitet hat (zuletzt als Prokurist), ist selbst viel unterwegs – im inklusiven Dorf, aber auch in Gremien und Verbänden setzt er sich für die Verbesserung von Teilhabe und Inklusion für Menschen mit Handicap ein. Dass sehr viele Termine sich in seinem Fall nicht über den Kalender steuern ließen, empfindet er als aufregend: »Ich arbeite in einem Bereich, wo spontane Ereignisse oder Notfälle das Tagesprogramm komplett über den Haufen werfen können. Von daher weiß ich oft nicht genau, wann ich nach Hause komme.« Seine Assistentin wache über seinen Kalender, so der Geschäftsführer. Am Morgen werfe er, ganz effizienter Zeitmanager, immer einen Blick auf das iPhone, um zu sehen, welche Updates es für den Tag gibt.

»Sportlich aktiv und ­musikbegeistert«

In seiner Freizeit verfolgt der gebürtige Peiner Marcus Eckhoff aufmerksam das Geschehen bei seinem Lieblingsklub Schalke 04. Dort ist er auch Mitglied. »Meine Eltern kommen aus dieser Region, und den Verein bekommt man ja irgendwann zugeteilt. Ich bin dabei geblieben, was ein sehr leidvoller Weg ist«, lacht der verheiratete Vater einer 12-jährigen Tochter. Das regionale Fußballgeschehen verfolge er selbstverständlich auch. Über den Stand der Dinge ist er durch die Mitglieder des im Dorf gegründeten Fanklubs »Die Eintracht Löwen« immer bestens informiert. Aktiv ist Eckhoff als Spieler des HSG Nord Edemissen dann eher auf dem Handballfeld zuhause, für die inklusive Betriebssportmannschaft in Neuerkerode stellt er sich aber gerne mal ins Fußballtor. Überhaupt ist der Geschäftsführer, der früher auch als Moderator, DJ und Veranstalter gearbeitet hat, ein Mann zum Anfassen. Im Juli legt er, der privat begeistert elektronische Musik und House hört, im Rahmen der Dorf-Disko für die Bürger Musik auf.

geschrieben von  pau