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Fokus Chefbüro: Ralf Sander Montag, 26 Juni 2017 10:04 Foto: André Pause

Fokus Chefbüro: Ralf Sander

Manchmal reicht ein Wort, und eine Sache ist perfekt be- oder umschrieben. »Pragmatisch« ist dieses Wort, welches Ralf Sander, Geschäftsführer des traditionsreichen Braunschweiger Möbelhauses Sander in der Gördelingerstraße, selbst in den Mund nimmt, wenn er auf sein Büro, das er sich mit seiner Frau Kerstin teilt, zu sprechen kommt.

»Funktional und ­zweckerfüllend«

Der 48-Jährige muss ein wenig schmunzeln, als er merkt, dass der Besucher beim Betreten des Raumes durchaus erstaunt ist. Dabei erwarten wohl die wenigsten kühle Zweckmäßigkeit, wenn es um ein seit 160 Jahren bestehendes Einrichtungsunternehmen geht, das als Spezia­list für Qualitätsmöbel und geschmackvolles Design bekannt ist. »Schöne Möbel haben wir zuhause und in der Ausstellung, hier halten wir das sehr funktional«, sagt Sander. »Wir haben das alles übernommen und nicht neu eingerichtet, weil es den Zweck erfüllt. Ich finde, dass man im Büro auf die Kosten achten sollte, und dann wird es automatisch eher pragmatisch als schön. Schön kostet mehr, aber das muss nicht unbedingt sein.«

»Ein Genießer mit Gefühl für die Zahlen«

Privat sei er schon eher der Genießertyp, versichert der Geschäftsführer. Da in der Firma jedoch in erster Linie die Zahlen passen müssten, verzichte er auf einen hochglanzpolierten Schreibtisch. Vater Hubert, der heute als Prokurist für das Möbelhaus Sander arbeitet, hat weiterhin ein Chefbüro im klassischen Sinn. Dort dominieren edle Hölzer. Er selbst schaue unterdessen darauf, dass die Mittel dorthin fließen, wo sie wirklich benötigt werden, zum Beispiel in die EDV oder die Kommunikationssysteme. Ein weiterer Vorteil ergibt sich durch die gemeinsame Büronutzung mit seiner Frau außerdem: auf diese Weise liegen die Auftragsbearbeitung und die Buchhaltung ganz dicht beieinander. Und so stapeln sich die Papiere mit den Zahlen gleich­berechtigt auf beiden Schreibtischen.

»Fliegende Büros«

Maximal die Hälfte seiner täglichen Arbeitszeit ist Ralf Sander im schlichten Büro in der zweiten Etage anzutreffen, hauptsächlich vor und nach den Öffnungszeiten. »Ich denke, dass es wichtig ist, als Chef auch oft in der Ausstellung präsent zu sein. Ich bin eigentlich immer im ganzen Haus am hin- und herlaufen. Im Verkaufsraum habe ich mir diverse Arbeitsplätze eingerichtet, wo ich auch häufiger Bürosachen erledige«, erklärt der Geschäftsführer, der damit auch aus der Not eine Tugend macht. Von den insgesamt 15 Mitarbeitern stehen vier, maximal fünf Personen im Verkauf. »Gerade könnten wir noch einen Einrichtungsberater gebrauchen, aber wir finden keinen passenden«, bedauert Sander, der sich daher sehr über die Entwicklung seines Auszubildenden freut. »Der macht gerade seine Abschlussprüfung, und danach übernehmen wir ihn auch.« Stolz ist er darauf, vier eigene Auslieferungstischler zu beschäftigen, während in anderen Unternehmen der Branche immer häufiger Subunternehmen die Auslieferung übernehmen.

»Geschäftsführer seit Ende der 90er-Jahre«

Er selbst ist nach dem Abitur am Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum und dem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr über ein Betriebswirtschaftsstudium zum Beruf und in den elterlichen Betrieb gekommen. »Der Klassiker ist eigentlich die Möbelfachschule in Köln. Da wollte ich aber nicht hin, weil ich unbedingt ein richtiges betriebswirtschaftliches Grund­studium machen wollte«, erinnert sich Ralf ­Sander, den es im Anschluss an sein BWL-­Studium in Kiel zunächst für jeweils ein Jahr nach Stuttgart (in ein größeres Möbelhaus) und Solingen (in ein kleineres Möbelhaus) zog. 1994 kam er zurück nach Braunschweig in die Gördelingerstraße, übernahm Ende der 90er-Jahre die Geschäftsführung. Zuerst gemeinsam mit dem Vater und der Schwester, seit 2012 schließlich alleine, wobei Sander mit seiner Frau Kerstin im Grunde ein Geschäftsführerpaar bildet. Nach Großvater August und Vater Hubert leitet Ralf Sander das Möbelhaus Sander in dritter Familiengeneration. »Mein Opa hat das Geschäft 1933 von einem Externen übernommen, dem Sattler, Tapezierer und Tischler Karl Müller. Wir Sanders sind allerdings allesamt Kaufleute. Handwerklich können wir eigentlich nichts«, schmunzelt der Geschäftsführer, dem viel an der tiefen Verwurzelung seines Unternehmens liegt. Es sei schon toll, für das – wenn man die Rechtsformwechsel einmal ausblendet – zweit­älteste Einzelhandelsunternehmen der Stadt verantwortlich zu sein.

»Stabile Situation«

Um der Verantwortung gerecht zu werden, ist Ralf Sander spätestens um 9 Uhr im Haus. Feierabend ist meist weit nach 20 Uhr. Darüber hinaus stünden auch sechs bis acht Messen pro Jahr auf dem Programm. Dabei konzentriere er sich immer mehr auf das Segment der hochwertigen Möbel. Die Nachhaltigkeit habe er dabei auch im Blick. Allein um kurzfristiges Maximierungsstreben könne es schließlich nicht gehen. Immerhin rund vier Millionen Euro erwirtschaftet sein Unternehmen auf diese Weise. Auch wenn es am Ende immer mehr sein könnte, sei er ganz zufrieden mit der trotz Online-­Konkurrenz und allgegenwärtigem Beratungsklau doch recht stabilen Situation.

»Der Ausdauersportler«

Abseits des Arbeitsalltages steht für den zweifachen Familienvater, die Töchter sind elf und 14 Jahre alt, vor allem Sport auf dem Plan – aktiv und passiv. Ein Eintracht-­Braunschweig-Trikot mit Unterschriften aus der Aufstiegssaison und ein Schal hängen im Chefbüro. Eine Dauerkarte für die ambitionierte Zweitligamannschaft hat er zwar nicht, aber ein paar Spiele pro Saison schaut er sich allemal an. Aktiv widmet er sich so oft wie möglich dem Tennisspiel. Daneben geht es auf die Lauf­strecke: dreimal die Woche. »Der Vorteil daran ist, dass ich da zeitlich variabel bin. Einmal im Jahr, meistens im Herbst, versuche ich noch einen Marathon zu absolvieren. Da muss ich mich dann aber schon zehn Wochen intensiver vorbereiten«, erzählt Sander, der unter anderem schon in Berlin und Dresden (je zweimal), in München, Köln und Hamburg gelaufen ist. Angefangen hat er im Alter von 15 Jahren, heute liegt seine Bestzeit bei beachtlichen drei Stunden und 40 Minuten. Im Normalfall biete das Laufen enormes Entspannungspotenzial. Bisweilen lasse er es aber auch mal ruhiger angehen: »Gerade bei schönem Sommerwetter finde ich es herrlich, zuhause in Stöckheim bei einem Glas Wein im Garten zu sitzen«, sagt der Geschäftsführer. In diesen Stunden ist das Alltagsgeschäft im pragmatisch eingerichteten Büro ein gutes Stück entfernt.

geschrieben von  pau