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Fokus Chefbüro: Eike van Deest Mittwoch, 13 September 2017 09:18 Foto: André Pause

Fokus Chefbüro: Eike van Deest

Wer das Büro von Eike van Deest betritt wird verführerisch begrüßt – von zwei üppig gefüllten Schalen Weingummi. »Der eine oder andere im Haus steuert seine Wege mit Bedacht so, dass er regelmäßig hier aufkreuzt. Der einzige, der das überhaupt nicht anrührt, bin ich«, lacht der Geschäftsführer des traditionsreichen Braunschweiger Unternehmens Frachtrasch. Wenn die Vorräte aufgebraucht sind, wird zügig nachgelegt. »Da wir viel unterwegs sind, findet garantiert immer jemand den Weg zum Süßigkeiten-Outlet.«

Transportkosten­optimierung ist das ­Kerngeschäft

Lösungen zu finden, die günstigsten im besten Falle, das ist ganz grob skizziert das Kern­geschäft von Frachtrasch. Das 1919 von Otto Rasch gegründete Unternehmen hat sich die Transportkostenoptimierung auf die Fahnen geschrieben, erledigt heute für viele hunderte Firmen jedoch weit mehr als das, unter anderem digitale Frachtrechnungsprüfung, intelligente Dokumentenerkennung, Inhouse- und Lagerlogistik, Werkverkehrsmanagement sowie Transportversicherung. Die Umsatzerlöse (der gesamten Frachtrasch-Gruppe inklusive Continentale Frachtenrevision): zehn Millionen Euro. Trotz der internationalen Ausrichtung gehe es im Haus bei extrem ausgeprägter Mitarbeiterbindung bis heute jedoch ausgesprochen familiär zu.

Kundenwünsche werden Handlungsfelder

»Wir befinden uns gerade in einer drastisch ­wandelnden Zeit, was die gesamte Wirtschaft beziehungsweise die gesamte Gesellschaft betrifft. Stichwort Digitalisierung: Da fühlen sich viele Mittelständler inzwischen ein bisschen verloren. Wenn wir in die Unternehmen reingehen, heißt es überall 4.0. Unsere Aufgabe ist es, unseren Kunden, das sind in der Regel die Verlader, im Logistikbereich auf die Stufe zu bringen, von wo sie selbst die entscheidenden Prozesse im Blick haben und diese gut ausrichten«, skizziert van Deest. Viele Dienstleistungen und Produkte des Hauses – die zu einem Gutteil auf einem im Chefbüro platzierten Werbebanner ablesbar sind – seien übrigens dadurch entstanden, dass Kunden, die Frachtrasch seit langer Zeit verbunden sind, hier und da Wünsche äußerten, die Zusammenarbeit auf andere Themenfelder auszudehnen, freut sich der 43-Jährige.

Hier bleibe ich

Anfang 2016 hat Eike van Deest den zweiten Chefsessel neben Axel Klose übernommen. Die Karriere des im Braunschweiger Stadt­bezirk Hondelage aufgewachsenen Spezialisten für Verkehrsbetriebswirtschaftslehre – den gleichnamigen Studiengang hat er in Salzgitter-Calbrecht absolviert – ist bis hierhin ausgesprochen geradlinig verlaufen. Den Erstkontakt mit dem Unternehmen Frachtrasch gab es bereits während eines Schulpraktikums in der achten Klasse. Nach dem Abitur 1994 und dem Zivildienst folgte die Ausbildung zum Speditionskaufmann (»damals hieß das noch so«). Im Anschluss daran habe sich schnell manifestiert: hier bleibe ich. »Das ist ja heute nicht selbstverständlich. Viele machen eine Ausbildung und wechseln danach komplett den Beruf. Ich bin im Fach geblieben, habe den Kontakt ins Unternehmen nicht verloren, während des Studiums regelmäßig Projekte bearbeitet und auch meine Diplom­arbeit zu einem praktischen Projekt geschrieben. Ich bin zwar für ein Praxis­semester mal in den Automotive-Bereich zu Karmann nach Osnabrück gegangen, habe aber immer die Verbindung gehalten.« Bereut hat van Deest das nie: die Materie sei spannend und die Logistik doch irgendwie auch das Tor zur großen weiten Welt.

Ein Stück der Welt im Büro

Diese ist mit zunehmendem Alter und durch technischen Fortschritt andererseits auch kleiner geworden, stellt der heute in Groß Schwülper, zwölf Autominuten vom Arbeitsplatz entfernt, lebende Familienvater fest. Die schönsten Seiten seiner ganz persönlichen Welt hat Eike van Deest – der Geschäftsführer verwendet das Wort »Emotionalien« – zusammengetragen und in seinem neuen Büro ausgestellt. »Wenn ich über meinen Rechner hinweggucke, schaue ich immer auf meinen geliebten Sylter Strand. Das war vorher genauso. Seit meiner Geburt bin ich immer wieder dort. Sobald ich auf dem Autozug bin, geht der Puls drei Schläge runter. Das hilft mir auch im Alltag. Man sollte, wenn man viel am Rechner sitzt, einfach hin und wieder die geistige Bremse einschalten«, empfiehlt der Logistikfachmann. Das schwarzweiße Panorama­foto ist nicht die einzige Aufforderung zum Eskapismus. Über den ruhenden Bildschirm flimmern weitere spektakuläre Sylt-Motive, gleich neben der Eingangstür ist ein dreiteiliges Szenenbild des Kultfilms »Fear and Loathing in Las Vegas« platziert und zur Schreibtisch-Rechten fällt der Blick auf eine Collage mit Werken seiner achtjährigen Tochter Rhoda. »Das ist etwas, das einen sofort ins normale Leben rückt«, sagt van Deest. Durch das Nordfenster lässt sich das Geschehen auf der Jasperallee verfolgen. Auf einer Ablage davor drapiert ist eine Art Eintracht-Braunschweig-Bekenner-Set (Die Firma Frachtrasch ist Gründungsmitglied im Sponsoren-Pool »Eintracht 100«): Wimpel, Glücksschwein und eine blau-gelbe Ente. Insgesamt sei das jetzige Büro, das sich im ersten Obergeschoss des schmucken Altbaus in unmittelbarer Nähe zum Konferenzraum befindet, schon ein Spiegel der Person, meint der Geschäftsführer.

Aufgeräumt und ­papierlos

Was das Mobiliar anbelangt, ist der Stil sachlich. Braun- und Grautöne überwiegen. Auffällig außerdem: alles ist ausgesprochen übersichtlich geordnet und angeordnet. Auf dem Schreibtisch befindet sich, außer einem gebundenen Schreibbuch, kein einziges Stück Papier. »Wer sich im Arbeitsalltag als Fachmann für Digitales verkauft, muss diesbezüglich selbstverständlich auch selber an sich arbeiten und mit gutem Beispiel vorangehen«, betont Eike van Deest, der bis auf ganz wenige Ausnahmen seine gesamten Ablagen digitalisiert hat.

Damit stellt sich abschließend dann aber doch die Frage, was in drei Teufels Namen sich, hinter den Schiebetüren der doch recht ausladenden Schrankwand verbirgt. Über das Gesicht des Managers huscht ein Lächeln, dann springt er auf und öffnet den Schrank. Ein paar Ordner ließen sich nicht vermeiden, meint er. Ansonsten bewahre er hier das Equipment zur Kaffeezubereitung auf – und, van Deest hebt einen der großen Kartons heraus: Weingummi für die Schalen auf dem Besprechungstisch.

geschrieben von  pau