Unsere Partner
­Fragwürdiger Versandhandel mit Arznei­mitteln Mittwoch, 19 Oktober 2016 08:20 Foto: Stefan Sobotta

­Fragwürdiger Versandhandel mit Arznei­mitteln

­Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Anders kann die Zulassung des Versandhandels mit Arzneimitteln in Deutschland aus dem Jahre 2004 nicht bewertet werden. Auf der Suche nach Wählerstimmen war der Partei »SPD«, damals in der Person von Ulla Schmidt, jedes Mittel recht – also weg mit den viel zu hohen Arzneimittelpreisen durch die Schaffung eines staatenübergreifenden Wettbewerbs – die Apothekerschaft verdient ohnehin viel zu viel – und auf die Straße mit Millionen von kleinen Päckchen. Den Endverbraucher wird es freuen.

Nun belasten täglich tausende von Bestellungen die Umwelt; nicht nur der Transport als solcher verschmutzt die Umwelt, nein, es müssen auch alle Sendungen zusätzlich verpackt werden (die niedergelassenen Apotheken beziehen den Großteil ihrer Waren in Mehrwegkisten vom regionalen Großhandel), vom Papierverbrauch für Lieferscheine und Rechnungen ganz zu schweigen. Man kann das Ausmaß der Ressourcen-­Verschwendung nur erahnen. Widersprüchlicher geht es kaum. Dadurch, dass in anderen Staaten ein niedriger Mehrwertsteuersatz gilt, kommt es auch für unsere Staatskasse eher dünn als dick – so gehen unserem Finanzminister bei jedem Einkauf im Ausland für unseren Staatshaushalt wichtige Einnahmen verloren. Der Verlust an wohnortnahen, qualifizierten Teilzeitarbeitsplätzen in Apotheken (gerade für Mütter kleiner Kinder) und die Ausfälle bei der Gewerbesteuer seien nur am Rande erwähnt.

Ein weiteres Thema ist der oft unkontrollierte Zugang zu (oft verschreibungspflichtigen) Medikamenten aus dem Ausland. Hier treiben nicht selten dubiose Anbieter mit zum Teil in Deutsch gehaltenen Webseiten ihr Unwesen. Wenn der Verbraucher Glück hat, ist das Medikament einfach nur unwirksam – es hat auch schon Fälle gegeben, bei denen Konsumenten schwere Schäden durch Arzneimittelfälschungen davongetragen haben. Am Rande notiert: mit gefälschten Arzneimitteln wird inzwischen mehr Geld verdient als mit illegalen Drogen.

Ein einwandfrei gelagertes und transportiertes Arzneimittel – darauf hat der Kunde aus meiner Sicht das uneingeschränkte Recht – und zwar bis zur Zustellung an den Endverbraucher. Und da liegt zurzeit das große Problem. Den meisten Versand-Kunden dürfte nicht bewusst sein, dass die Temperaturkontrolle mit Verlassen der Versand-Apotheke in den meisten Fällen nicht weiter fortgeführt wird. Sollte also der Fahrer der Spedition sein Gefährt in der prallen Mittagssonne abstellen und sich der Laderaum auf deutlich über 25°C (es sind bis zu 70°C möglich) aufheizen, ist die zulässige Temperatur überschritten, ohne dass dieses protokolliert werden müsste oder zu Konsequenzen für den weiteren Umgang mit der betroffenen Ware führen würde. Für einige Arzneimittel dürfte der Hersteller dann keine Garantie mehr zu Wirksamkeit und Stabilität übernehmen. Für Vor-Ort-Apotheker, die über ihr Lager umfangreiche Temperaturprotokolle führen müssen, ist dieser Zustand weder zu tolerieren noch nachzuvollziehen.

Mein Fazit: entweder genügt der Versand von Arzneimitteln sämtlichen Qualitätsansprüchen oder er gehört verboten.

Sie können Jens Wiemann auch eine E-Mail schreiben: info@ordens-apotheke.de

Bild oben: Jens Wiemann, Inhaber der Ordens-Apotheke Bad Harzburg, stellt den Versandhandel mit Arzneimitteln in Frage, weil aus ­seiner Sicht gravierende Umwelt- und Verbraucherschutz-­Aspekte missachtet werden.
geschrieben von  wo