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Deutschland, das Schlaraffen­urlaubsland Dienstag, 25 Oktober 2016 10:40 Foto: Jörg Scheibe

Deutschland, das Schlaraffen­urlaubsland

Können Sie sich vorstellen, dass man in Deutschland für Nichtarbeiten Urlaub bekommt?

Das geht, wenn man es nur richtig anstellt.

Also – im Jahr 2015 nahm sich eine schlaue Sekretärin für ein Jahr unbezahlten Urlaub und machte eine Weltreise ­(sabbatical). Vor ihrer Rückkehr schrieb sie ihrem Chef noch eine »liebe« Postkarte und kündigte »zwei Mitbringsel« an. Der freute sich und begrüßte sie am 1. Oktober 2016 herzlich in seinem Büro. Diese erwiderte die herzliche Begrüßung und legte das »erste Mitbringsel« auf den Tisch. Das war ihr Urlaubsantrag für den Jahresurlaub 2016. Ja, der bezahlte Jahresurlaub 2016 steht ihr laut Bundesurlaubsgesetz zu. Den kann sie sogar einklagen. Der Chef war sauer. Er dachte über eine Kündigung nach. Dies sah man ihm an.

Da erfuhr er von dem »zweiten Mitbringsel«. Eine Weltreisenschwangerschaft – wo auch immer und wie es geschah – mit einer Niederkunft laut Ärztin im März 2017. Die Zeit wird überbrückt mit bezahltem Jahresurlaub 2017 mit Beschäftigungsverbot für werdende und gewordene Mütter vor und nach der Entbindung; dann kommt die Elternzeit – Aufpassen auf das »Weltenbummlerkind«!!

Bis zur Entbindung treten auch noch »unerwartet« Probleme in der Schwangerschaft auf, die mit einem Arbeitsverbot unter Fortzahlung der Vergütung ihren Höhepunkt finden und nach der Elternzeit kommt dann die Pflegezeit, weil die Sekretärin sich nun um ihre Eltern kümmern muss. Das Arbeitsverhältnis besteht fort und bezahlten Jahresurlaub gibt es auch immer wieder. Das ist Deutschland: Alles ist geregelt, sogar der Kündigungsschutz bis dahin (§ 9 MuSchG, § 18 BEEG Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz § 5 PflegeZG Pflegezeitgesetz). So geht Nichtarbeiten und Urlaub!

Bild oben: Friedrich Hermann Lehmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Braunschweig, über eine Sekretärin, die nach einer Weltreise »zwei Mitbringsel« im Gepäck hat.

geschrieben von  wo