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­Lebensmittel: ­Zittern vor ­Amazon Fresh? Dienstag, 13 Juni 2017 08:19 Foto: Peter Pohl

­Lebensmittel: ­Zittern vor ­Amazon Fresh?

Wird Amazon seine Kunden künftig auch mit Obst und Gemüse beliefern? »Wahrscheinlich wird nicht nur Staub aufgewirbelt, sondern ein Sturm entfacht«, prophezeit der Rewe-Chef Alain Caparros in der Süddeutschen Zeitung. Steht uns also ein Ladensterben bevor? Wenn wir als stationärer Einzelhandel nur auf den Verkauf der Produkte setzen würden, ganz sicher. Aber inzwischen kümmern sich viele Händler intensiv um Kundenbindung. Buchhandlungen veranstalten Lesungen, Lebensmittelgeschäfte bieten Kochkurse an und immer mehr Betriebe schaffen die Möglichkeit, im Internet zu bestellen und im Laden abzuholen beziehungsweise unterhalten sogar einen Bringdienst.

Diese Entwicklung weckt Hoffnung. Ich finde es schon aus ökologischen Gesichtspunkten sehr gut, wenn die Uhr zurückgedreht werden könnte und wir in den Stadtvierteln wieder eine wohnortnahe Versorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs hinbekommen würden. Ähnliche Bemühungen gibt es derzeit im Landkreis Wolfenbüttel, um die Grundversorgung in den Dörfern wieder zu verbessern.

Aus meiner Sicht gibt es zwei Hürden, die den Online-Einkauf von Lebensmitteln in Frage stellen. Kann die Frische der Produkte gewährleistet werden? Hier wird aufgrund der digitalen Vernetzungen sicher eine Lösung zu finden sein. Schwieriger ist dagegen die Frage zu beantworten, ob sich der Online-Handel mit Obst und Gemüse überhaupt rechnet. Hier habe ich erhebliche Zweifel.

Ist die Macht der Internet-Konzerne bedrohlich? Grundsätzlich ja, dadurch, dass sie Venture-Kapital einsetzen und zunächst nicht auf Gewinne angewiesen sind, können sie mit dieser Kapital­ausstattung leichter expandieren als kreditfinanzierte Unternehmen. Außerdem finde ich es beschämend, dass häufig kaum oder keine Steuern gezahlt werden. Mich stören im Grunde alle Steuersparmodelle, weil sie Ungerechtigkeit erzeugen. Jeder in Deutschland erzielte Gewinn müsste auch hier versteuert werden. Da unterscheiden sich auch Offline-Händler oft nicht.

Sie können Michael Beck auch eine E-Mail schreiben: mbeck_bs@hotmail.com

Bild oben: Michael Beck, der in Wolfenbüttel das Naturkost­geschäft Kornblume betreibt, hat erhebliche Zweifel, ob sich der Online-Handel mit Obst und Gemüse rechnet.

geschrieben von  wo