Unsere Partner
Die Energiewende stärkt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Montag, 11 September 2017 11:03 Foto: Jörg Scheibe/oh

Die Energiewende stärkt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit

Der Fakten-Check in der Juliausgabe des IHK-Magazins »wirtschaft« erweckt den Eindruck, die Energiewende sei ein Bürger und Wirtschaft übermäßig belastendes Projekt, welches mehr Nachteile als positive Perspektiven bietet. Das ist falsch!

Es wird angeführt, die Energiewende würde bis zum Jahr 2025 etwa 520 Milliarden Euro kosten. Der Erwartungswert ist richtig – es wird aber nicht erwähnt, dass auch ohne Wende gewaltige Ersatz- und Netzinvestitionen erforderlich würden und dass Deutschland fossile Energieträger mit jährlich circa 46 Milliarden subventioniert (wovon 9,5 ­Milliarden Euro im Subventionsbericht der Regierung erwähnt werden). Die Atom­energie wurde seit dem Jahr 1950 vom Staat mit insgesamt 203 Milliarden Euro gefördert – Geld, das an anderer Stelle bei Steuerzahlern und Unternehmen abgeschöpft wurde. Die Ewigkeits­kosten des Kohleabbaus (Wasserhaltung, Stützarbeiten) sowie die Gesamtkosten der atomtechnischen Nachsorge sind noch überhaupt nicht absehbar. Summiert sind Atom­energie und fossile Energie teurer als die Energiewende.

Weiter wird dargestellt, dass außer Dänemark kein anderes europäisches Land seine Stromkunden so zur Kasse bittet wie Deutschland. Dies würde im internationalen Wettbewerb schaden, weil die Industrie in Deutschland Spitzenpreise für Strom bezahlt. Der direkte Preisvergleich ist zwar korrekt, vernachlässigt aber, dass die vergleichbaren Staaten mit den vermeintlich geringeren Strompreisen eine deutlich höhere Abgaben- und Steuerquote haben als Deutschland. In Frankreich (und anderen im Vergleich genannten Ländern) werden Energiefolgekosten über Steuern und Abgaben finanziert. Unter dem Strich, also mit Stromkosten plus Abgaben steht die deutsche Industrie (zum Glück) wettbewerbsfähiger da als die Konkurrenz. Ebenfalls belegbar falsch ist die Behauptung, die Energiewende sei klimapolitisch sinnlos, weil in Deutschland eingesparte Emissionen in anderen Ländern entstünden – durch die Marktstabilitätsreserve im Emissionshandel wurden 2015 die überschüssigen Emissionsberechtigungen aus dem Markt genommen.

Ehrlicherweise muss man erwähnen, dass einige besonders stromintensive Branchen in Deutschland tatsächlich einen Standortnachteil haben, dies gilt aber absolut nicht in der Breite der Wirtschaft. Hier sind branchenspezifische Hilfen erforderlich und finden auch statt.

Nicht erwähnt werden die positiven Implikationen der Energiewende: Ein großer Teil der 520 Milliarden Euro ist in echte Inlandsinvestitionen geflossen. So macht sich Deutschland unabhängig von Energieimporten und stärkt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit, weil das bisher aus dem Land fließende Geld für Binnenmaßnahmen zur Verfügung steht. Die Energiewende schafft perspektivenreiche Arbeitsplätze in Handwerk und Industrie und ist eine Chance zur Teilhabe (Bürgerenergie). Last but not least ist die Milderung der Folgen des Klimawandels, der nach der jüngsten Umfrage ja angeblich die größte Sorge der Deutschen ist, ohne Energiewende nicht zu schaffen. Man muss sich schon fragen, was die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit der Darstellung erreichen möchte – Ängste schüren vor der Bundestagswahl? Schutz wenig zukunftsträchtiger fossilbasierter Wirtschaftszweige?

Wem die Zukunft des Landes am Herzen liegt, der wird sich pro Energiewende einsetzen, auch wenn die eigene Stromrechnung dadurch höher ist – eine Verzögerung führt an ­anderer Stelle zu noch mehr Kosten für jeden Steuerzahler.

Sie können Dr. Ralf Utermöhlen, Ralf.Utermoehlen@agimus.de und Matthias Friese, info@photovoltaik-bs.de auch eine E-Mail schreiben.
 

Bild oben: Dr. Ralf Utermöhlen, Geschäftsführer der AGIMUS GmbH, und Matthias Friese, Geschäfts­führer der Friese & Röver GmbH & Co. KG, sagen: »Die Milderung der ­Folgen des Klimawandels ist ohne ­Energiewende nicht zu schaffen.«

Lesen Sie dazu auch hier

geschrieben von  wo