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Männergesundheit: Krebs bei ­Männern – was man wissen muss! Freitag, 09 Dezember 2016 00:00 Foto: Jörg Scheibe

Männergesundheit: Krebs bei ­Männern – was man wissen muss!

Männer ticken anders – auch in Sachen Gesundheit. »Das hat mehr kulturelle und soziale Ursachen als etwa genetische«, stellte Dr. Marion Renneberg fest, als sie die Grüße der niedersächsischen Ärztekammer zum ­Patiententag im Haus der Wissenschaft überbrachte: »Deutlich mehr Männer als Frauen sterben vorzeitig an einer Krebserkrankung.« Warum? Männer gehen weniger zum Arzt. »Arzt­besuche werden zu 60 Prozent von Frauen und nur zu 40 Prozent von Männern bestritten.« Professor Peter Hammerer, Chefarzt der Urologie und Uroonkologie des Städtischen Klinikums Braunschweig, merkt dazu an: »Männer wollen immer stark sein, ­deshalb reden sie zuhause ungern über Gesundheit, ­Probleme und Beschwerden.«

Im Fokus der Veranstaltung »Männergesundheit – Krebs bei Männern« am 22. November standen Hodenkrebs und Prostatakrebs. Wer ist gefährdet? Wie kann ich mich schützen? Wie erfolgt die Behandlung? Wer muss operiert werden? Das waren die Fragen, zu denen Urologen des Städtischen Klinikums Braunschweig und niedergelassene Ärzte Stellung nahmen. Dr. Alkuin Vandromme, Oberarzt der urologischen Klinik am Klinikum Braunschweig, und Dr. Harald Junius: »Hodenkrebs ist der Krebs des jungen Mannes.«

Beispiel Marco Russ. Beim Verteidiger von Eintracht Frankfurt wurden bei einem Dopingtest auffällig erhöhte hormonelle Blutwerte festgestellt. Diagnose: Hodenkrebs. Hatte Russ nichts bemerkt? Doch, eine schmerzlose Hodenschwellung, auf die er nicht reagierte. Dadurch hatte der Krebs fast ein Jahr lang Zeit, sich zu entwickeln. Professor Peter Hammerer: »Veränderungen am Hoden sind noch immer ein Tabuthema. Gerade jungen Leuten ist das peinlich. Sie fühlen sich durch ihre Jugend geschützt, aber es ist ein falsches Gefühl der Sicherheit.« Marc Arnold, der sportliche Leiter von Eintracht Braunschweig, berichtete, dass innerhalb einer Fußball-Saison zehnmal Dopingtests erfolgen. Dafür werden jeweils zwei ­Spieler ausgewählt.

»Hodenkrebs ist die Erkrankung des jungen Mannes«

Dr. Vandromme und Dr. Junius: »Die wichtigste Untersuchung ist die Selbstuntersuchung. Wenn ein Mann etwa eine Verhärtung am Hoden feststellt, gibt es drei Möglichkeiten: Er ignoriert es. Tut ja nicht weh, ist also harmlos. Er sagt es seiner Frau, die ihn zum Urologen schickt. Er kommt von selbst darauf, zum Urologen zu gehen. Sagen Sie bei der Anmeldung gleich, dass da eine Verhärtung ist. Kein Urologe wird dann antworten: Gehen Sie erst mal zum Hausarzt. Die Verhärtung muss kein Krebs sein, ist aber als Hinweis ernstzunehmen.«

Die Diagnose ist relativ einfach: Blutabnahme, Ultraschall. Ultraschall ist heute so genau, dass man sofort feststellen kann, was hinter der Verhärtung steckt. Eine harmlose Zyste oder eben Krebs. Ist es Krebs, folgt die Anmeldung in der Klinik in den nächsten drei bis fünf Tagen. Das endet in 99 Prozent der Fälle in einer Operation. »Wir versuchen auf jeden Fall, den Hoden zu erhalten.« Während der Patient in Narkose liegt, wird der verdächtige Bezirk ausgeschnitten und pathologisch untersucht. Nur wenn sich bestätigt, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt, wird der Hoden entfernt. »Wie bei den Brustprothesen von Frauen, gibt es auch die Möglichkeit, einen Ersatzhoden einzusetzen, so dass außer der Operationsnarbe von außen nichts sichtbar ist.«

Es dauert etwa zwei bis drei Tage, bis der Patient sich von der Operation erholt hat und nach Hause gehen kann. »Es ist dann ganz wichtig, sich zeitnah beim behandelnden Urologen zu melden, der die klinischen Befunde sammelt und auswertet. Hat der Tumor gestreut? »Wir haben jede Woche Donnerstag Nachmittag unsere Klinikkonferenz, in der die betreuenden Urologen, Strahlentherapeuten, Radiologen, Onkologen und Pathologen die individuellen Fälle besprechen und ihre Therapieempfehlung abgeben, so dass der Patient weiß, dass das Vorgehen Hand und Fuß hat. Die Krebsdiagnose ist ja für den jungen Mann Knall auf Fall gekommen. Das ist eine große Belastung. Oftmals sind die Patienten auch verunsichert, weil Dr. Google mit berät.«

Circa 60 Prozent der Patienten sind durch eine Operation ausreichend versorgt, brauchen nur eine engmaschige Nachfolgekontrolle. Die restlichen 40 Prozent laufen Gefahr, eine Strahlentherapie über sich ergehen lassen zu müssen. Manchmal ist auch eine zweite Operation erforderlich. Doch Hodenkrebs ist kein Todesurteil. Es gibt eine Überlebensrate von 95 Prozent in den folgenden 10 Jahren.

»Prostatakrebs ist die Erkrankung des älteren Mannes«

Prostatakrebs dagegen ist die Erkrankung des älteren Mannes und mit 26 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Die Vorsteherdrüse hat die Größe einer Kastanie, und besteht aus Drüsen, Bindegewebe und Muskelfaser. Sie ist von außen von einer Kapsel abgeschlossen und wesentlich für die Sexualfunktion. Sie bildet 90 Prozent der Samenflüssigkeit. Dr. Jakob Blonski: »Jeder zweite Mann über 50 hat eine vergrößerte Prostata. Dabei gibt es die gutartige Prostatavergrößerung und den Prostatakrebs. Männer sprechen nicht darüber, aber einer von fünf Männern wird Prostatakrebs bekommen.«

Im Anfangsstadium macht der Krebs keine Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium allerdings erhebliche: Blutungen, Nierenstau, Knochenschmerzen, Blutarmut, Schwierig­keiten beim Wasserlassen. Auch der Darm wird in Mitleidenschaft gezogen. »Man sollte daher einmal pro Jahr, mindestens aber einmal alle zwei Jahre zum Urologen gehen.« Wie sieht eine Vorsorgeuntersuchung aus? Bluttest, Abtastung und Ultraschall. Schreckgespenst Abtastung: »Davor haben die Männer so viel Angst, aber es dauert nur wenige Sekunden und ist völlig schmerzlos.« Die Ultraschallaufnahme dauert ebenfalls nur wenige Minuten und ist sehr aussagekräftig. »Auch wird der Arzt den Patienten nach seiner Familie befragen, denn Prostata­krebs kann auf die Söhne vererbt werden.«

Ist der Test suspekt, wird eine Gewebeprobe entnommen (10 bis 15 Minuten, lokale Betäubung) und eingeschickt. Professor Hammerer: »Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs. Da gibt es große Unterschiede. Manche Patienten werden nur überwacht. Aber es gibt auch den ganz aggressiven Krebs. Da geht die Behandlung einher mit Operation, Medikamenten plus Bestrahlung. Es gibt heute Medikamente, die ausgezeichnete Ergebnisse erzielen. Man kann die Lebensqualität erhalten und viele Jahre die Krankheit zum Stillstand bringen. Bei manchen Patienten war der Krebs nach einem Jahr komplett weg. Das Tückische daran ist: In der Regel kommt er wieder.«

Im Prostatazentrum des Klinikums werden alle Erkrankungen der Prostata behandelt. Das ­Zentrum ist durch die Deutsche Krebsgesellschaft und die Europäische Fachgesellschaft zertifiziert und in zahlreichen Bewertungen ausgezeichnet worden. Professor Hammerer: »Viele Patienten von außerhalb, sogar aus dem Ausland, kommen hierher, um sich operieren zu lassen. Und auch die Rankings sagen: Unsere Ärzte sind Top-Spezialisten.«

www.krebsgesellschaft.de

Bild oben: Marc Arnold, sportlicher Leiter von Eintracht Braunschweig, mit Professor Peter Hammerer, der die Veranstaltung moderierte (von links).

geschrieben von  wo