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Die Erfüllung eines Lebenstraums Montag, 24 April 2017 10:28 Foto: André Pause

Die Erfüllung eines Lebenstraums

»Ich habe mir gesagt: Wenn Du Dein eigenes Unternehmen noch verwirk­lichen willst, dann musst du es jetzt machen. Weil man irgendwann doch zu alt dafür wird«, erzählt Dr. Sibylle Ebinal lächelnd. Es war ein längerer Prozess, der dieser wohlüberlegten Entscheidung vorausging: Im Januar 2016 gründete die heute 52-jährige Chemikerin gemeinsam mit einer approbierten Apothekerin die ­drebimed GmbH in der zur Berg- und Uni­versitätsstadt Clausthal-­Zellerfeld gehörenden ­Ortschaft ­Wildemann.

In diesem Alter denken andere vielleicht schon einmal zaghaft an die Rente. Dr. Sibylle Ebinal hat sich lieber einen langersehnten Traum erfüllt. Seit dem Studium hatte sie den im Kopf. »Vor allem Mitte der 90er-Jahre, als es für Chemiker extrem schlecht aussah. Mir fehlte nur die zündende Idee, man stampft das ja nicht einfach so aus dem Boden. Nach 20 Jahren war es jetzt soweit«, sagt die Frau mit dem roten Kurzhaarschnitt. An Selbst­bewusstsein und Zuversicht mangelt es ihr nicht. Warum auch? Besser vorbereitet lässt sich eine Selbstständigkeit doch kaum starten.

»Ein Herz für Rohstoffe und den Vertrieb«

Direkt nach dem Chemie-Studium ging ­Ebinal als Post-Doc für ein Jahr nach Nancy in Frankreich, um neben Englisch eine weitere Fremdsprache zu erlernen. Anschließend absolvierte sie eine Weiterbildung in den Bereichen Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Beides sollte ihr zugutekommen, hat sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland und der Weiterbildung doch etwa zehn Jahre in leitender Funktion im Bereich Qualitätsmanagement gearbeitet, bevor sie 2005 komplett in den Vertrieb eines Unternehmens im Lebensmittel- und Pharma­bereich wechselte.
Für die studierte Naturwissenschaftlerin war dies auch ein Stück weit eine Leidenschaft. »Nach zehn Jahren im Qualitäts­management habe ich mehrfach überlegt: mache ich das weiter. Mein Herz schlug eigentlich immer für den Vertrieb, für Kundenkontakte und für ­Reisen«, betont Ebinal. Die Gelegenheit sei damals günstig gewesen, und so ging es zunächst zurück in die alte Heimat, ins Weserbergland nach Hameln. Später nach Salzgitter, wo sie für einen ähnlichen Job weltweit reiste. Ihr Metier war schon zu dieser Zeit der Bereich Rohstoffe für Lebensmittel und Pharma. Dann aber habe sie eben doch das besagte Gefühl beschlichen: das war noch nicht das Ende.

»Das Lieblingskind ­Gesundheit«

»Die Gesundheitsbranche – gesunde Ernährung und alles was damit zusammenhängt – war für mich immer schon so eine Art Lieblingskind. Ich habe mich lange damit beschäftigt, ob und wann Nahrungsergänzungsmittel einen Sinn haben und wann nicht. Und ich habe ja auch viele Kunden gehabt, die ich mit Rohstoffen beliefert habe. Dadurch konnte ich sehen, wie das funktioniert, wie die Hersteller arbeiten, was sie für Rohstoffe einkaufen. Und irgendwann bin ich fast folgerichtig auf die Idee gekommen, die ich nun realisiert habe«, sagt Sibylle Ebinal, die auf Reisen in alle fünf Kontinente nicht nur viel von der Welt gesehen hat, sondern auch viel von der Welt der Gesundheitsprodukte. »Ich habe einen guten Eindruck bekommen, was es alles gibt – und ich habe gesehen, was es noch nicht gibt. Ich kannte ja die Hersteller und ihre Rohstoffseite, durch die Präsenz auf ganz vielen Fachmessen, und wenn Sie die kennen, denken Sie mit Blick auf die Markt-Realität: Da gibt es so viele interessante Sachen, die man auch noch herausbringen könnte«, erinnert sich die späte Gründerin, »und so habe ich mir überlegt, ob das nicht Basis für eine Wirtschaftlichkeit ist.«

»Risiko und Zukunft«

Ist solch eine Gründung – dazu noch eine in einem wenig überschaubaren Segment – am Ende nicht doch ein Risiko? Ebinal schmunzelt verschmitzt: »Viele würden wohl meinen, dass ich in einem Alter bin, wo es ein Risiko ist, einen gutdotierten Job zu kündigen. Für mich allerdings war es das risikoloseste, was ich machen konnte. Natürlich bin ich vom Markt, von meinen Kunden, abhängig, aber nicht von Entscheidungen anderer Leute. Ich treffe sie, und der Erfolg meines Unternehmens ist davon abhängig, wie ich sie treffe.«

Für die Zukunft stehen sicherlich einige ­Weichenstellungen an. Mit drebi, der Kurzform für Dr. Ebinal, wurde eine europäische Marke angemeldet. Med steht dabei für ­Medical care. »Wir haben Nahrungsergänzungsmittel, interessante Lebensmittel mit Gesundheitsnutzen, werden uns in der Zukunft mit frei verkäuflichen pflanzlichen Arzneimitteln beschäftigen, streben auch die Zulassung als Pharmazeutischer Unternehmer an. Das ist ein Zukunftsprojekt und soll in drei bis vier Jahren kommen. Wir wollen einen Beitrag für die Gesunderhaltung leisten. Rechtzeitige Vorbeugung ist sehr wichtig, um die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten«, skizziert Ebinal, die im Alter von 19 Jahren zum Studieren in den Harz kam, und ihren familiären Mittelpunkt gemeinsam mit ihrem Mann seitdem immer dort behalten hat. Letzteres aber koste Zeit und Geld, Geld, das erst einmal verdient werden müsse.

»Verschiedene Unter­nehmensbereiche«

Bereits jetzt denkt die spätberufene Gründerin ihre Marke in verschiedenste Richtungen. Jeder Unternehmensbereich wird entsprechend gelabelt. Unter dem Namen drebivital betreibt Sibylle Ebinal mit ihrer Unternehmenspartnerin seit Oktober 2016 das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln, die, soweit das technisch möglich ist, komplett frei von Zusatzstoffen hergestellt werden und exklusiv in Apotheken sowie im Onlinehandel (zum gleichen Preis) erhältlich sind. Noch in diesem Jahr ist unter dem Namen drebivet eine Tiernahrungssparte geplant. Drebipharm soll auf Sicht frei verkäufliche Arzneimittel umfassen, und drebiderm ist der Name für hochwertige Kosmetik, zum Beispiel natürliche Cremes für Allergiker.

»Work-Life-Balance«

Was nach viel Arbeit klingt, sei in diesem Fall auch viel Arbeit, deutet Sibylle Ebinal an. Für einfache Arbeiten möchte sie noch in diesem Jahr Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis einstellen. Für den Bereich Online-Marketing erhofft sie sich Synergien mit der TU Clausthal. Auf den reißerischen Ton, der auf Verkaufsplattformen oft vorherrscht, möchte die 52-Jährige auf jeden Fall verzichten. »Wir stehen für Seriosität verbunden mit einer hohen Fachkompetenz und einer hohen Kundenorientierung«, betont Ebinal, die durchaus mal zu ungewöhnlichen Zeiten arbeitet.

Und wenn ihr mal alles zu viel wird? Die Gründerin zuckt mit den Schultern, lächelt zufrieden und sagt: »Wenn es etwas gibt, wo ich nicht weiterkomme, lasse ich alles stehen und liegen, gehe in den Garten oder zu meinen Pferden. Mit freiem Kopf bekommt man die Lösung für Probleme, bei denen man sonst stundenlang am Schreibtisch brütet. Früher bin ich auch sehr viel gelaufen, jetzt fange ich wieder mit dem Joggen an.«


Foto ganz oben: Dr. Sibylle Ebinal strebt die Zulassung zum Pharmazeutischen Unternehmer an.

geschrieben von  pau