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»Gerichtlichen Mahnbescheid ­vermeiden« Mittwoch, 20 Mai 2015 00:00 Foto: Jörg Scheibe

»Gerichtlichen Mahnbescheid ­vermeiden«

Uwe Windhausen erledigt in der Regel Aufträge, ohne dem Kunden eine Rechnung zu stellen. »Inkassounternehmen werden letztlich vom Schuldner bezahlt. Wir leben vom Verzugsschaden. Der Schuldner bezahlt die Hauptforderung, die Nebenkosten und die Inkassogebühr. Diese Gebühr ist im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt«, erläutert der Inhaber von Straetus Braunschweig. Der 54-Jährige arbeitet seit 18 Jahren in der Branche. Zuletzt war er im Vertrieb der Creditreform Hameln tätig. Im November ging er nun den Schritt in die Selbstständigkeit. »In den großen Unternehmen war ich einer von vielen. Nun kann ich meine eigenen Ideen und meine eigene Arbeitsweise einbringen.«

Wie wird man Inkassounternehmer? Welche Voraussetzungen gibt es neben der persönlichen Eignung und geordneten Vermögensverhältnissen? »Man muss mindestens zwei Jahre praktisch tätig gewesen sein und seine Sachkunde nachweisen. Die erwirbt man bei einem mindestens 120-stündigen Lehrgang – über bürgerliches Recht, Handels-, Wertpapier-, Gesellschafts- und Zivilprozessrecht sowie Insolvenzrecht und Zwangsvollstreckung. Geprüft wird das Wissen durch eine fünfstündige Klausur und eine mündliche Prüfung bei einem Land­gerichtsrichter«, berichtet Uwe Windhausen.

»Inkasso ist die weichere Variante«

Die Branche hat mitunter einen dubiosen Ruf, bestätigt er. Verantwortlich dafür seien indes nur wenige schwarze Schafe. »Der Kern des Inkassos ist die Vermittlung zwischen Schuldner und Gläubiger. Erhalte ich einen Inkassoauftrag, schreibe ich den Schuldner zweimal an. Parallel rufe ich ihn an und versuche, eine Lösung zu finden.« Manch ein Schuldner ärgere sich: Das habe ich ja noch nie erlebt, dass jemand so gegen mich vorgeht. »Dann sage ich: Seien Sie froh, dass nicht der gerichtliche Weg gewählt wurde. Inkasso ist die weichere Variante. Das Verfahren spart Kosten, Zeit und Nerven. Es soll den gerichtlichen Weg vermeiden.«

»Geschäftssitz ist der Gewerbepark Ilseder Hütte«

In der zweiten Mahnung kündige man an, dass bei Nichtzahlung ein Schufa-Eintrag erfolge. Dazu Uwe Windhausen: »In der Presse wird dies schon mal als Druckmittel bezeichnet. Aber wir sind Schufa-Partner und ebenso wie Banken verpflichtet, unsere Zahlungserfahrungen miteinzupflegen.«

Straetus Braunschweig zieht offene Forderungen vorrangig für kleine und mittlere Unternehmen aus Handwerk, Dienstleistung und Industrie ein. »Eine Grenze nach unten gibt es nicht. Auch Kleinforderungen wie 50 Euro sind für uns ein Thema. Die Gebührentabelle geht nach Gegenstandwert. Das RVG sieht für Forderungen zwischen einem und 300 Euro dieselbe Gebühr vor.« Wichtig sei, dass die Forderung nicht bestritten wurde. »Ideal ist, wenn im Vorfeld zwei Mahnungen geschrieben wurden und einmal telefoniert wurde. Für die letzte Mahnung gebe ich meinen Kunden einen orangenen Aufkleber. Darauf wird angekündigt, dass die Forderung nach Ablauf der Frist an uns übergeben wird. Das bewirkt mitunter schon, dass die Rechnung beglichen wird.« Uwe Windhausen bietet auch Jahresverträge an. Sein Franchise-Unternehmen hat Gebietsschutz für die Region Braunschweig, Salzgitter, Peine und Gifhorn. Geschäftssitz ist der Gewerbepark Ilseder Hütte.

Unternehmen empfiehlt er, vor einem Auftrag die Bonität des Kunden zu prüfen und bei negativem Bescheid nur gegen Vorkasse zu liefern. »In manchen Firmen heißt es, man habe nur Freunde und Bekannte als Kunden. Doch die meisten Inkassofälle kommen aus genau diesem Kreis – von Personen im Umfeld, die nirgendwo anders mehr kaufen können.« Für Bonitätsprüfungen nutzt Straetus verschiedene nationale und internationale Quellen. »Manchmal zeigt sich, dass bereits vor einer Auftragserteilung eine eidesstattliche Versicherung abgegeben wurde. Dann lässt sich die Forderung nicht durchsetzen.«

Bild oben: Uwe Windhausen ist seit einem halben Jahr selbst­ständig.

geschrieben von  wo