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16-Millionen-Projekt in Bad Harzburg: Villa Ettershaus mit vielen High-lights Mittwoch, 04 Januar 2017 09:04 Foto: Frank Bierstedt

16-Millionen-Projekt in Bad Harzburg: Villa Ettershaus mit vielen High-lights

Bei der Terminvereinbarung fällt gleich ein Kernsatz. »Der Harz ist cool«, sagt Karina Dörschel. »Es entwickelt sich viel junges Gutes.« Die geschäftsführende Gesellschafterin der Sonnenhotels Deutschland GmbH & Co. KG, aufgewachsen im Oberharz, bezeichnet sich als »bekennendes Harzkind«. Mit einem Großprojekt in Bad Harzburg möchten die Sonnenhotels nun die Attrak­tivität der Region weiter steigern. Im Interview erzählt die 37-Jährige auch über eine neue zweite Marke und über den geplanten Neubau des Verwaltungsgebäudes in Goslar sowie Lehren aus der Vergangenheit.

wirtschaft: Wie entwickelt sich der Harz aus Ihrer Sicht?

Karina Dörschel: Bei mir gibt es eine große Verbundenheit zur Region. Ich bin in Northeim geboren, in Bad Harzburg zur Schule gegangen und habe auch die Wende hautnah erlebt. Das war ein sehr beeindruckendes Ereignis. In späteren Jahren dachte ich dann manchmal: Es geht hier nicht so richtig voran. Aber inzwischen sieht man viele positive Entwicklungen, die den Harz auch mal in einem frischeren Wind darstellen. Im Ostharz gibt es zum Beispiel eine sehr engagierte junge Truppe, die eine Doppelseilrutsche über dem Abgrund der Rappbodetalsperre anbietet – und Wallrunning 43 Meter an einer Staumauer herunter. In Sankt Andreasberg ist ein kleines Ferienhausdorf entstanden. Der Baumwipfelpfad in Bad Harzburg ist eine Riesen­erfolgsgeschichte. Dazu die neue Infrastruktur am Wurmberg, mit Beschneiungs­anlage und Co., und die Investitionen am Torfhaus.

»Frischer Wind für den Harz«

Es freut mich, dass sich das große Ungleichgewicht zwischen dem Ost- und Westharz etwas verringert, auch hinsichtlich der Investitionen in die Infrastruktur. Torfhaus ist ein super Projekt für die Region. Erfreulicherweise gibt es jetzt ja auch mal einen größeren Zuwachs an Übernachtungen im Westharz als im Ostharz. Klar, der Oberharz ist immer noch eine schwierige Region. Wir haben extreme Abwanderungen Richtung Salzgitter, Braunschweig und Wolfsburg. Aber wir profitieren natürlich auch sehr stark von den großen Wirtschaftsstandorten.

wirtschaft: Profitiert der Harz auch von einem allgemeinen Trend zu Ausflügen innerhalb Deutschlands?

Dörschel: Ja, in den letzten Jahren haben die politischen Unruhen in den klassischen Urlaubsgebieten Türkei, Tunesien und Ägypten viel verändert. Dazu kommt ein stärkerer Fokus auf Natur und Regionalität. Regional ist das neue Bio. Das ist eine allgemeine Entwicklung in ganz Deutschland. Davon profitiert dann auch ein Mittelgebirgsstandort wie der Harz. Jetzt braucht es Leute, die etwas in Bewegung bringen. Wichtig ist auch, dass sich die Unternehmer gut vernetzen, um die Destination nach vorn zu bringen. Das ist eine Aufgabe, die wir nicht federführend vorantreiben können. Der Harz ist unsere Heimat, das ist unser Standort. Aber wir sind natürlich bundesweit als auch in Österreich unterwegs, mit derzeit 450 Mitarbeitern zu Spitzenzeiten. Die Villa Ettershaus wird Haus Nummer elf unter der Marke Sonnen­hotels.

»Ettershaus wird bereits im Sommer eröffnet«

wirtschaft: Was genau planen Sie in Bad Harzburg?

Dörschel: Das wird von allen unseren Hotels der Leuchtturm. Die Villa Ettershaus wurde 1910 als Erholungsheim für Mitarbeiter der Siemens-Schuckertwerke gebaut. Das Haus wurde bis in die 80er-Jahre betrieben. Danach ist es in Dornröschenschlaf verfallen. Knapp 30 Jahre war die Villa nicht bewohnt. Sie war zugewachsen. Nicht mehr sichtbar. Ich fuhr täglich vorbei und habe sie nicht gesehen. In der Villa entstehen nun 24 Wohneinheiten, dazu ein Restaurant, eine schöne Terrasse und Veranstaltungsräume. Und es wird zwei edle Spa-Suiten geben: mit 90 Quadratmetern auf zwei Ebenen sowie Whirlwanne und kleiner Sauna. Im hinteren Bereich der Villa docken wir einen Spa-Bereich an. Dort ist neben verschiedenen Saunen, Wellness, Kosmetik und Massage auch ein Pool geplant, in dem man ins Freie schwimmen kann. Ein totales High-light. Neu entsteht außerdem ein Apartmentgebäude in recht moderner Architektur: Wohneinheiten für Familien mit Kindern, mit zumeist zwei Schlafzimmern.

»Das ›Hexenwerk‹ als ›Angriff‹ auf die ­Bavaria Alm«

Und dann gibt es bald noch das Hexenwerk mit Tagesgastronomie. Sehr erhaben mit Blick über Bad Harzburg. Viel Glas, viel Holz, tolle Außenterrasse. Das wird unser »Angriff« auf die ­Bavaria Alm, unsere Flagge für den Harz. Hier wird künftig hochwertige SB-Gastronomie im Stil von Gosch und Vapiano angeboten. Das Ziel ist, die Tagestouristen über fünf Tageszeiten zu bedienen. Abends könnten wir auf Service umstellen. Im Sommer 2017 soll alles fertig sein.

»16 Baumhäuser einer schwedischen Architektin«

wirtschaft: Wie hoch ist die Investition?

Dörschel: Investiert werden rund zwölf Millionen Euro. Die Volksbank BraWo ist mit im Boot. Entwickler und Investor ist der Braunschweiger Architekt Thomas Funke. Wir sind die künftigen Betreiber. Es geht dann noch weiter. Das High-light für uns werden 16 Baumhäuser am Rande des Nationalparks Harz. Der Typ Oktagon wird rund um den Baum gebaut. Das ist eine Eigenkreation einer jungen schwedischen Architektin bei Funke. Die abgerundeten Planken kommen wohl aus dem Schiffsbau.

Im nachgelagerten Bauabschnitt wird auch der »Etterskrug« entstehen, ein hochwertiges Steakhauskonzept. Das Projekt sorgt für mindestens 40 Arbeitsplätze. Für die Markenentwicklung der beiden Gastronomieeinheiten haben wir eine Berliner Agentur an unserer Seite. Die haben uns klar die Augen geöffnet. Sie sagten: »Jetzt seid mal nicht so zurückhaltend. In dieser Vielfalt ist das einzigartig: mit der alten, geschichtsträchtigen Villa, dem modernen Anbau, dem Spa und der Menge an Baum­häusern plus Infrastruktur«. Die Nutzer können zum Frühstück ins Ettershaus gehen, aber auch einen Picknickkorb geliefert bekommen. Das wird ein 4-Sterne-Projekt – und für Sonnen­hotels der erste Neubau überhaupt.

wirtschaft: Erwerben Sie sonst Häuser, die auf dem Markt sind oder in Insolvenz geraten sind?

»Neustart mit neuer ­Struktur«

Dörschel: Früher haben wir Immobilien auch gekauft. Heute sind wir eine reine Betreibergesellschaft. Die Häuser, die gegenwärtig im Portfolio sind, führen wir im Management oder auf Basis von Pachtverträgen. Im Zuge der Insolvenz im Oktober 2009 haben wir sämtliches Immobilieneigentum verloren. Die neue Struktur ist dem Neustart geschuldet, den wir drei Jahre als Konzernbeteiligung verbracht haben. Unsere neue Zeitrechnung beginnt im Februar 2010. Da waren die Falkensteiner-Gruppe aus Südtirol und die TUI Österreich unsere neuen Gesellschafter. Deren Businessplan sah vor, keinerlei Risiken einzugehen. Kein Immobilien­erwerb. Anfang 2013 ist es meinem Mann und mir dann gelungen, die Anteile zurück zu übernehmen. Seitdem sind wir wieder zu hundert Prozent ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Die vorherige Strategie haben wir aber fortgesetzt.

Die Häuser im Portfolio sind oft Bestandsübernahmen – jüngst etwa in Bad Bevensen. Dort haben wir ein Hotel übernommen, dessen Eigentümer auf Ende 70 zugegangen ist. Er hatte nicht die Möglichkeit, das Haus innerhalb der Familie weiterzugeben. Der Anlass für eine Übernahme kann ein nicht geglückter Generationswechsel sein oder eine wirtschaftliche Schieflage. Solche Szenarien schauen wir uns inzwischen aber sehr genau an. Bei den letzten Bestandsübernahmen haben wir uns eher mit einer höheren Pacht angefreundet und dafür einen wirtschaftlich gut laufenden Betrieb übernommen.

»Am Wörthersee danebengegriffen«

wirtschaft: Am Wörthersee hatten Sie 2006 danebengegriffen?

Dörschel: Ja, bei den Parkvillen in Velden. Das war der Hauptgrund für die spätere Insolvenz. Da haben wir uns operativ überschätzt. Wir mussten einsehen, dass der Winter in Kärnten nicht funktioniert. In Velden ist von September bis Mai alles zugesperrt. Die Immobilien sind auch nicht auf den Winterbetrieb ausgerichtet. Die Kosten für 15 000 Liter Heiz­öl pro Woche müssen Sie erst mal verdienen. Dazu kamen hohe Kosten für Renovierungen. Alles, was in Deutschland verdient wurde, wurde nach Kärnten geschickt. Mein Mann hat dann nach zwei Jahren den Vertrag gelöst. Wir hatten allerdings ein ziemlich großes Loch in der Kriegskasse. Wir gehen ganz offen damit um. Solange man einiger­maßen gestärkt da herauskommt, ist das okay. Heute führen wir in Kärnten drei Anlagen mit Sommer­betrieb.

»Zweite Marke: carehotels«

wirtschaft: Ist es richtig, dass Sie nun noch eine zweite Marke etablieren möchten?

Dörschel: Ja, die carehotels. Das ist ein megaspannendes Projekt. Wir möchten die Ferienhotellerie in Richtung hundertprozentiger Barrierefreiheit weiterent­wickeln – inklusive Pflegedienstleistungen im Hotel. Der erste Standort soll im Frühjahr 2018 in Schotten eröffnen, 80 Kilometer nördlich von Frankfurt. Der zweite ist in Bad Rappenau geplant, in der Nähe von Heilbronn.

wirtschaft: Ein weiteres größeres Projekt ist der Neubau Ihres Verwaltungsgebäudes.

»Neues Verwaltungs­gebäude in Goslar«

Dörschel: Ja, das realisieren wir zusammen mit der Firma Grote aus Braunschweig. Wir haben uns ganz bewusst für einen regionalen Partner entschieden. Sachsen-Anhalt hat sich sehr bemüht, dass wir uns dort ansiedeln. Die Grundstückspreise und Steuersätze waren beachtlich. Aber das war keine große Diskussion. Wir haben gesagt: Wir sind Westharzer und bleiben hier. Der Umzug ist notwendig. Derzeit haben wir nur noch zwei nicht genutzte Arbeitsplätze im Gebäude. Wir investieren rund 1,6 Millionen Euro und ziehen in die ­Gerhard-Weule-Straße im Gewerbegebiet Baßgeige. Das Gebäude wird zweistöckig, mit 30 Arbeitsplätzen plus Ausbaureserve. Das Grundstück ist richtig zugewachsen, mit altem Baumbestand. In einigen Bereichen sind Glasschiebeelemente geplant, die man komplett aufschieben kann, so dass man das Gefühl hat, im Freien zu sitzen. Es wird auch einen tollen Garten geben. Da können die Hunde raus. Der Umzug ist im Dezember 2017 geplant.

»Faust als Rockoper im ­Brockenhaus«

wirtschaft: Zum Schluss – welches ist Ihr größtes Talent?

Dörschel: Führung ist ein ganz wichtiges Thema. Da würde ich mir Empathie zuschreiben und die Gabe, Leute zu motivieren und mitzunehmen. Vor Kurzem hatten wir die Weihnachtsfeier für die Kollegen in der Zentrale. Wir sind in die Brockenbahn gestiegen, haben oben im Brockenhaus Faust als Rockoper gesehen und Gulasch gegessen. Auf der Hinfahrt gab es ein technisches Problem. Wir standen. Da wurde uns im Waggon das Weihnachtsgeschenk präsentiert. Plötzlich kam ein Abspielgerät auf den Tisch. Unser Team fing an zu schnippen und brachte uns a cappella ein selbst geschriebenes Lied. Das hatten sie im Tonstudio produzieren lassen. Wir bekamen eine CD und ein Making-of auf DVD. Im Text wurden die Dynamik und die viele Arbeit auf die Schippe genommen, aber es gab auch wertschätzende Passagen über uns. So etwas sagt viel über die Kultur aus.

»Den Lockrufen aus ­Sachsen-Anhalt ­widerstanden«

Ein Großteil unserer Mitarbeiter hat die Phase der Insolvenz durchlebt und ist bei uns geblieben. Einige sind wieder zurückgekommen. So eine gemeinsame Erfahrung bindet ganz anders. Gerade haben wir nun noch einen etwas durchgeknallten Auftrag angenommen. Wir übernehmen im Nassfeld – ein großes Skigebiet in Kärnten – ein Hotel mit knapp 500 Betten. Das hat sehr kurzfristig den Eigentümer gewechselt und darf in der Skisaison nicht geschlossen sein. Dafür wird eine neue Marke entwickelt, inklusive Webseite und Logo. Als wir das kommuniziert haben, hieß es bei den Mitarbeitern: ›Hm, ja gut, wo steht das Klavier?‹ Das geht, weil alle Spaß haben. Wir haben einen sehr hohen Bindungsgrad und einen hohen Grad an Loyalität – wofür wir wahnsinnig dankbar sind.

 

Persönliche Fragen an ­Karina ­Dörschel

1. Wie sieht Ihre private Welt aus?

Karina Dörschel: Ich lebe mit meinem Mann in Immenrode, zusammen mit unserem Hund Carl, einem Deutsch-Kurzhaar. Am Sonntag sind wir meist im Oberharz unterwegs – gern zum Beispiel in der Oderteich­region. Den Oderteich oder die Eckertalsperre kann man schön umrunden. Reizvoll ist auch der Rehberger Grabenweg.

2. Welche Hobbys haben Sie?

Dörschel: Mein Berufsleben ist das größte Hobby. Was wir tun, macht uns einfach Riesenspaß. Ich habe es nie als Belastung empfunden. Dann bin ich noch ein absoluter Autofan. Beruflich fahre ich im Jahr um die 80 000 Kilometer. An freien Wochenenden fahre ich dann noch freiwillig – mit dem Sonntagsauto in die Berge oder auch mal auf eine Rennstrecke. Ich fahre einen Audi RS5. Die Serie hat 450 PS. Ich habe nun ein Fahrzeug, das Richtung DTM weiterentwickelt wurde. Der hat noch ein paar PS mehr. Inzwischen habe ich eine Rennsportlizenz. Mal an einem Langstreckenrennen teilzunehmen, das wäre was für mich. Aber das ist finanziell nicht darstellbar. Es sei denn, es fällt einer vom Himmel, der sagt: Hier hast du 35 000 Euro, fahr bei einem 24-­Stunden-Rennen mit. Daraus hat sich inzwischen auch ein Freundeskreis ergeben. Dreimal im Jahr sind wir gemeinsam unterwegs – im Herbst immer drei, vier Tage in den Dolomiten.

3. Suchen Sie im Urlaub auch gezielt nach Anregungen?

Dörschel: Wir sind überhaupt keine Hotel­urlauber. Unser Haupturlaub ist im Sommer eine Woche in der Schweiz, im Berner Oberland. Wir fahren seit 25 Jahren ins selbe Dorf. Das ist einfach wie nach Hause kommen. Da sind wir Selbstversorger. Morgens beim Frühstück überlegen wir: Welcher Berg ist heute dran? Im Juni waren wir gerade auf dem Schilthorn. Dann gehen wir einkaufen, kochen zusammen und erzählen.

Bitte beachten Sie auch unseren Artikel unter der Rubrik »Standpunkt«.

Bild ganz oben: Karina Dörschel mit Deutsch-Kurzhaar »Carl«.

geschrieben von  wo