Unsere Partner
Spezialwissen sorgt für Perspektiven Freitag, 03 März 2017 09:35 Foto: Jörg Scheibe

Spezialwissen sorgt für Perspektiven

Die PLG mbH in Baddeckenstedt und Bad Harzburg

2010 wurde die PLG mbH in Baddeckenstedt gegründet. Knapp 10 000 Quadratmeter Lagerfläche für Produkte aus der Pflanzenschutzmittel- und chemischen Industrie stehen dort zur Verfügung. Das Geschäft läuft so gut, dass nun in Bad Harzburg weitere 5500 Quadratmeter Hallenfläche genutzt werden können, um das Bestandskundengeschäft zu sichern. »Die Realisierung eines zweiten, bereits genehmigten Bauabschnittes in derselben Größe steht kurz bevor«, berichten Frank Berkhoff, Jörg C. Hein und Udo Kolle. So war bei der Inbetriebnahme des neuen Lagerstandortes Aufbruchstimmung zu spüren. Im Interview berichten die drei Gesellschafter über die Anforderungen an einen Störfallbetrieb, über neue Entwicklungen im Pflanzenschutz und die Herausforderung, sich in einer Branche mit austauschbaren Produkten zu profilieren.

wirtschaft: Wie gut ist das neue Lager bereits ausgelastet?

Jörg C. Hein: Nach zwei Monaten ist fast der gesamte Platz belegt – durch Bestandskunden und zwei kleinere Neukunden mit 500 bzw. 300 Paletten. Aktuell hoffen wir, noch einen neuen größeren Kunden zu gewinnen. Damit wäre auch der neue, noch zu errichtende Bauabschnitt voll belegt.

»Starkes Wachstum«

Frank Berkhoff: Wir planen deshalb, noch in diesem Jahr mit dem zweiten Bauabschnitt in Bad Harzburg zu beginnen. Das gesamte Grundstück ist 5,5 Hektar groß. Der Anbau ist bereits genehmigt. Wir könnten sofort beginnen. Hauptsitz der PLG bleibt aber ­Baddeckenstedt. Wie sich das in späteren ­Jahren entwickelt, wird man sehen.

wirtschaft: Warum haben Sie sich für Bad Harzburg als Standort entschieden?

Udo Kolle: In Baddeckenstedt waren die Möglichkeiten erschöpft. Hier können wir weiter wachsen. Die Stadt Bad Harzburg wollte uns vom ersten Moment an. Dort hat man sich sehr bemüht, um unsere Ansiedelung zu begleiten. Manchmal mussten wir nur ein-zwei Tage auf den nächsten Schritt warten. Auch von der WiReGo, namentlich von Jörg Aßmann, Tim Nieländer und Reinhard Schwarzer, wurden wir tatkräftig unterstützt. Ein zusätzliches Argument für den Standort waren Fördermittel der EU, eine gute sechsstellige Summe. Investiert haben wir rund 5,5 Millionen Euro.

»Es gibt nur wenige ­Wettbewerber«

wirtschaft: PLG steht heute für Projekte, Logistikdienstleistungen und Gefahrstoff­lagerung. Was genau bieten Sie an?

Jörg C. Hein: Wir machen alles um das Produkt Pflanzenschutz herum. Wir lagern, kommissionieren, etikettieren und verpacken. Wir führen mehrere Produkte zu einer Sendung zusammen und bringen sie deutschlandweit innerhalb von 24 Stunden zum Kunden. Bei Bedarf auch mal in kürzerer Zeit.

Udo Kolle: Deswegen sind die logistischen Partnerschaften so wichtig, die wir uns in über 20 Jahren aufgebaut haben. Wir haben keinen eigenen Fuhrpark. Wir arbeiten mit regionalen, nationalen und ­internationalen Unternehmen zusammen – meist mit Familien­unternehmen, in denen man den Chef bei Problemen direkt ansprechen kann. Unter den Partnern sind auch Unternehmen mit nur zwei-drei Lkw. Es gibt tausende Speditionen in Deutschland, aber nur wenige, die sich auf Gefahrgut spezialisiert haben und noch weniger, die das Spezialsegment Pflanzenschutz abdecken. Spezialwissen zu haben, sich abzuheben, das sorgt für Perspektiven. In unserem Markt gibt es nicht viele Mitbewerber. Es ist ein Oligopol.

»Wir wollen quasi eine Art von Amazon in der  Pflanzenschutzmittel-Logistik sein«

Oft kann man sich nur unterscheiden, wenn man guten Service und eine schnelle Zustellung bietet. Der Händler braucht die Produkte für den Landwirt. Der steht morgens beim Handel und wartet auf seine Bestellung. Wir versuchen deshalb, zumindest in Bezug auf die Schnelligkeit der Auftragsabwicklung und der Lieferung, quasi eine Art Amazon in der Pflanzenschutzmittel-Logistik zu sein. Diese Produkte schnell zu liefern, das können nur wenige. In unserer Branche gibt es langjährige Beziehungen. Man wechselt die Partnerschaften nicht schnell. Aber einiges konnten wir dann doch realisieren. Es ist immer ein Zeigen und Beweisen. Mittlerweile kennt man uns im Markt, obwohl wir nicht werben. Die beste Werbung, die wir machen, ist unsere Qualität und Liefertreue.

»Die Kunden kommen nicht aus der Region«

wirtschaft: Welchen Anteil hat die Logistik für Pflanzenschutzmittel am Gesamtumsatz?

Udo Kolle: 70 Prozent. Unsere Kunden im Bereich Pflanzenschutz kommen nicht aus der Region. Sie produzieren weltweit und lagern bei uns recht zentral in Deutschland. Das Material – Herbizide, Insektizide und Fungizide – erreicht uns zum Beispiel aus England, Österreich, Israel und China. Wir haben mittlerweile zehn namhafte Kunden. Die restlichen 30 Prozent sind sonstige Chemikalien. Einer unserer großen Chemiekunden ist die Firmengruppe Grillo.

»Auf Veränderungen ­vorbereitet sein«

Frank Berkhoff: Pflanzenschutz ist der wichtigste Wachstumstreiber. In der Branche wird sich in den nächsten Jahren sicher einiges entwickeln. Es gibt zum Beispiel Anzeichen, dass man aus der Chemie stärker in die Biologie geht, um Wirkstoffe zu generieren, etwa zum Schutz vor Insekten. Darauf muss man vorbereitet sein – zum Beispiel darauf, dass der Kunde plötzlich sagt: Wir benötigen nun für alle Produkte ein Kühllager. Sporen, Pilze und Bakterien benötigen eine gewisse Kühlung. Ist es zu warm, fangen sie an, sich zu entwickeln. Das ist ein Zukunftsthema, ein Zeithorizont von zehn bis fünfzehn Jahren, aber wer weiß ...

Udo Kolle: Der E-Motor war ja vor zehn Jahren auch noch weit in der Zukunft.

»Hohe Investitionen in die Sicherheitstechnik«

Jörg C. Hein: Der neue Lagerstandort bietet nun auch gute Voraussetzungen, um die Zusammenarbeit mit der chemischen Industrie auszubauen. Wir haben hier die Möglichkeit, auch leicht- und hochentzündliche Flüssigkeiten zu lagern. Das Geschäftsfeld Pflanzenschutz ist sehr saisongetrieben. Es gibt eine starke Frühjahrssaison und einen starken Spätsommer und Herbst. Deshalb würden wir uns gern weiter Richtung Spezialchemikalien entwickeln.

wirtschaft: Wird im Lager viel Gefahrgut gelagert?

Udo Kolle: Ja, wir sind ein Störfallbetrieb. Einer der ersten, der nach der neuen, europäischen Seveso-III-Richtlinie genehmigt wurde. Wir lagern fast ausschließlich Gefahrgut. Daher wurde rund ein Drittel der Investitionssumme in Sicherheitstechnik verbaut. Dazu gehört zum Beispiel auch eine Einbruch- und Brandmeldeanlage, die auf eine ständig besetzte Alarmzentrale aufgeschaltet ist. Der Weg, einen Lagerstandort wie unseren zu eröffnen, ist weit. Die Genehmigung hat sich über eineinhalb Jahre hingezogen.

wirtschaft: Was verbirgt sich hinter dem P im Firmennamen, den Projekten?

Jörg C. Hein: Wir beraten Firmen, die nicht das Know-how oder die Zeit für die Planung und Umsetzung eines Projektes haben. Wir optimieren zum Beispiel ein Gefahrstofflager oder projektieren den Bau einer Tankwagen­innenreinigungsanlage. Oder wir helfen bei der Optimierung des Materialflusses in einem Werk. Aktuell beschäftigen wir uns damit, wie das Lager eines Auftraggebers konzipiert und konfiguriert werden muss, damit es optimal ausgelastet ist. Zum Gesamtumsatz ­tragen die Projekte aber höchstens fünf Prozent bei. Da geht es auch um den Spaß, den man sich neben dem Alltagsgeschäft gönnt. Man denkt sich in die Probleme des Kunden hinein und geht mit ihm gemeinsam die Lösung an. Das sorgt oft auch bei einem selbst für Inspiration.

»Kontrollierte Offensive«

wirtschaft: Herr Kolle, die Eröffnungsfeier war für PLG ein bedeutsamer Schritt nach vorn. Aber in Ihrer Rede haben Sie auch von Otto Rehhagel gesprochen, von der kontrollierten Offensive.

Udo Kolle: Ja, das bleibt hängen (lacht). Kontrollierte Offensive heißt für uns, mit Augenmaß das Machbare zu realisieren – nicht das Unmögliche. Zu schauen, was mit wem geht. Wenn wir jetzt ein weiteres Projekt machen würden, würde das sicher nur mit einer vertraglichen Absicherung funktionieren. Wir haben den Bestand hier in Bad Harzburg abgesichert, zum Teil auch schon mit Neukunden. Weiteres müssten wir mit Bedacht angehen. Wir haben ja auch eine Verantwortung unseren Familien und unseren Mitarbeitern gegenüber.

wirtschaft: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt PLG? Wie hoch ist der Umsatz?

Udo Kolle: Unser Umsatz liegt bei rund fünf Millionen Euro. Beschäftigt sind knapp 20 Mitarbeiter. Mit dem nächsten Bauabschnitt werden drei oder vier dazukommen. Wir werden auch ausbilden. Bei uns arbeitet ein tolles Team. Jeder hat andere Talente. Es gibt natürlich auch unter uns Gesellschaftern manchmal unterschiedliche Meinungen: Machen wir etwas oder nicht? Wir haben uns selbst in der Gesellschaft so diszipliniert, dass alle in eine Richtung marschieren müssen. Es kann nie einer gegen den anderen bestimmen. Wir versuchen immer, gemeinsam eine vernünftige Lösung zu finden – zum Wohle aller. Unsere Stimmung ist positiv. Wir haben eine gute Nische gefunden, in der wir langfristig Potenzial sehen. Aber sicher ist: Du musst dich immer wieder beweisen. Gerade bei dem Kunden, den du am längsten hast, musst du deutlich zeigen: Ich bin gewillt, an der Performance festzuhalten.



Persönliche Fragen

Wie sieht Ihre private Welt aus?

Frank Berkhoff: Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und wohne in Langelsheim. Meine Hobbys sind vor allem meine Kinder – und dazu Fahrradfahren und lesen, vor allem unterhaltsame Belletristik. Die Radtouren können in jede Richtung führen, am liebsten Richtung Innerstetalsperre. Gelernt habe ich Speditionskaufmann. An der Abendschule habe ich mich dann zum staatlichen Betriebswirt weiterbilden lassen. Udo Kolle kenne ich nun schon seit 1994. In diesem Jahr hat er mich in einem anderen Unternehmen als Auszubildenden eingestellt.

Jörg C. Hein: Ich bin im Ruhrgebiet geboren. 1999 bin ich für ein Projekt in die Region gekommen. Heute wohne ich mit meiner Freundin in Halberstadt. Ich bin ebenfalls gelernter Speditionskaufmann. Anschließend habe ich an der Hochschule Bremerhaven meinen Wirtschaftsingenieur Transportwesen gemacht. In der Freizeit beschäftige ich mich ein bisschen mit Bonsai. Ich habe einige Bäume, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Die kultiviere ich selbst. Ansonsten laufe ich gern und trainiere mit Freeletics. Das sind Workouts mit dem eigenen Körpergewicht.

Udo Kolle: Ich bin verheiratet, habe zwei Jungs, die gerade ausgezogen sind, und wohne in Salzgitter-Üfingen. Ich bin ein alter Schumi-Fan. Formel 1, das ist mein Dream. Seit 1992, mit dem ersten Rennen in Spa, fahre ich regelmäßig hin. Inzwischen habe ich über 35 Rennen live in ganz Europa gesehen. Heute fahre ich mit meinen Jungs dahin. Mein zweites Hobby ist die Musik. Abends, wenn ich zu Hause bin, höre ich öfter die alten Songs aus den 80er und 90er Jahren. Bis zum letzten Mai bin ich auch Mountainbike gefahren und am Stichkanal gelaufen. Das habe ich jetzt durch den Hallenneubau vernachlässigt. Ich wandere auch gerne mit Freunden. Das geht sicher im Frühling wieder los. Auch die Braunschweiger Eintracht ist mir seit den Aufstiegsspielen 1971/72 ans Herz gewachsen. Von der Ausbildung her bin ich Industriekaufmann. Ich habe in der Zuckerfabrik Wierthe gelernt und dann Betriebswirtschaft in Lüneburg studiert. Meine erste Arbeitsstelle war bei der Wintrans GmbH, einer Tochtergesellschaft der Salzgitter AG als Assistent der Geschäftsführung. Anschließend war ich über 20 Jahre in leitender Funktion bei einem global tätigen Logistikkonzern beschäftigt.

Bild oben: Bei der Einweihung Mitte Dezember in Bad Harzburg (v. l.): Jörg C. Hein, Udo Kolle und Frank Berkhoff.
geschrieben von  wo