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IHK-Sozialtransferpreis 2017 Mittwoch, 24 Mai 2017 15:49 Foto: André Pause

IHK-Sozialtransferpreis 2017

Diese Projekte leuchten über die Stadtgrenzen hinaus

»Ein Gramm gutes Beispiel gilt mehr als ein Zentner Worte« – das Zitat des französischen Fürstbischofs, Mystikers und Kirchenlehrers Franz von Sales beschrieb eindrücklich und sehr treffend den Geist des in diesem Jahr zum achten Mal verliehenen IHK-Sozialtransferpreises. Wobei alle fünf im Gewandhaus feierlich ausgezeichneten Braunschweiger Unternehmen weit mehr als nur ein Gramm investiert haben. Freuen durften sich über die Unterstützung aus der Wirtschaft drei soziale Einrichtungen für das Allgemeinwohl, die darüber hinaus ein Preisgeld von insgesamt 20 000 Euro erhielten.

»Weihnachten für alle«

Den Hauptpreis gewannen mit der Marilyn ­Rangel Werbeagentur Arauara, der Mobil Macher GmbH sowie der Medienagentur echtrund von Michael Skolik für ihr Engagement im gemeinsam mit der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten mbH initiierten Projekt »Weihnachten für alle« gleich drei Unternehmen, die auch sonst zusammenarbeiten, um professionelle Digital-Dienstleistungen anzubieten. Gestartet ist das Projekt während der Weihnachtszeit 2016 als gemeinsame Spendenaktion zur Unterstützung des Obdachlosentreffs Iglu in Braunschweig. Hierfür wurde eine Plattform in den sozialen Medien geschaffen, auf der Privatleute und Unternehmen direkt an Menschen in Armut und Obdachlosigkeit spenden konnten. Als Gegenleistung erhielt jedes spendende Unternehmen ein Türchen des kreativen Adventskalenders und wurde auf Facebook, Instagram sowie auf einer eingerichteten Internetseite vorgestellt. So wurde vom 1. bis 24. Dezember jeden Tag ein neuer Spender präsentiert. Am Ende kamen durch diese Aktion so viele Geld- und Sachspenden zusammen, dass zusätzlich eine Weihnachtsfeier im KULT-Theater ausgerichtet werden konnte, bei der es neben warmen Getränken und Speisen auch ein Bühnenprogramm gab. Außerdem konnten die Weihnachtswünsche der bedürftigen Menschen erfüllt werden. Diese reichten von der warmen Jacke oder Schuhen über ein Prinzessinnenkleid für die Tochter, ein Skateboard für den Sohn bis hin zu einem Fahrrad mit Anhängerkupplung. Während sich die Diakonische Gesellschaft über 10 000 Euro Preisgeld freuen konnte, kündigten die Initiatoren bei ihrer Präsentation im Rahmen der Festveranstaltung an, die Aktion in diesem Jahr fortzusetzten, um wieder gemeinsam mit den obdachlosen und bedürftigen Menschen Weihnachten zu feiern.

»Seit mehr als einem ­Jahrzehnt sozial engagiert«

Ohnehin langfristig sozial engagiert ist die BMA. Seit mehr als einem Jahrzehnt unterstützt der Anlagenspezialist aus dem westlichen Ringgebiet den Verein AntiRost Braunschweig sowohl personell als auch finanziell, informell und logistisch. Für das Projekt »Gemeinsam für Afrika – Aufbereitung humanitärer Hilfsmittel« werden Produkte wie Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen, Brillen und Prothesen detailliert aufgearbeitet und als Geschenk an internationale Hilfsorganisationen überreicht. Dabei findet die den Wert des gesellschaftlichen Zusammenhaltes fördernde Projektarbeit regelmäßig in der gut ausgestatteten Werkstatt des Vereins auf dem BMA-Firmengelände statt. Ein festes Team von AntiRost – bestehend aus Menschen in der nachberuflichen Phase – arbeitet hier, bisweilen verstärkt durch Schüler, Lehrlinge und Mitarbeiter der BMA-Gruppe. Im Rahmen dieser intergenerativen Begegnung wird Erfahrungswissen an die jungen Menschen weitergegeben und die Senioreninitiative schafft im gleichen Moment eine sinnstiftende Tätigkeit für Menschen mit handwerklich-technischen Fähigkeiten.

»Eine Investition in die Zukunft«

Ebenso wie der von BMA geförderte AntiRost Braunschweig e. V. kann sich der in diesem Jahr 40 Jahre alt werdende Verein Jugendberatung mondo X über ein Preisgeld von 5000 Euro freuen. Unterstützt wird dessen wertvolle Arbeit für junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren seit 2012 finanziell und personell durch den IT-Dienstleister GOD und das gemeinsame Projekt »IT goes social«. Das Konzept der Jugendberatung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass Studierende der Fachrichtungen Psychologie, Erziehungswissenschaften und Soziale Arbeit Jugendlichen und jungen Erwachsenen ehrenamtlich zur Seite stehen. Durch sein Engagement gelingt es dem mondo X e. V. junge Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu unterstützen und sie bei ihrer sozialen und gesellschaftlichen Orientierung zu begleiten. »Für unser Unternehmen hat soziales und kulturelles Engagement in der Region Tradition. Die Bildung und Förderung von Kindern und Jugendlichen ist eine Investition in die Zukunft. Durch das Engagement der Ehrenamtlichen bei mondo X werden pro Jahr mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln mehr als 1200 Jugendliche erreicht«, erklärt GOD-Geschäftsführer Dietmar Führmann die Beweggründe seines Unternehmens für die Kooperation.
»Spontane Unterstützung«

Alle unterstützenden Unternehmen erhielten als Anerkennung eine Urkunde und einen gläsernen Award. Die Preisträger hätten im Sinne eines Ehrbaren Kaufmannes gehandelt, lobte der Jury-Vorsitzende und Sozialtransferpreis-­Ideengeber Harald Tenzer, dem der Nachhaltigkeitsaspekt der Projekte sehr am Herzen liegt, das vorbildliche Engagement. IHK-Präsident Helmut Streiff zollte den Preisträgern ebenfalls höchsten Respekt und wies darauf hin, dass die Preisgelder ausschließlich den sozialen Organisationen zufließen. Die emotionale filmische Präsentation des Projekts »Weihnachten für alle« durch Jan Grahns (Mobil Macher GmbH) und Thomas Spork (Medienagentur Marilyn Rangel) überzeugte Streiff schließlich so sehr, dass er spontan sein Mitwirken anbot: »Wenn wir in diesen Bereich reingehen, ist das etwas, was mich persönlich sehr stolz macht. Wir haben kurze Wege, sprechen Sie mich an. Ich glaube, ich werde Sie unterstützen«.

Durch die Auszeichnung mit dem Sozialtransferpreis qualifizieren sich die drei ausgezeichneten Projekte obendrein für den seit 2009 vergebenen Deutschen Engagementpreis, den Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland.

»Bewusstsein für ­inklusives Denken und Handeln ­entwickeln«

Im Mittelpunkt der Festansprache von Klaus Becker, dem Geschäftsstellenleiter der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen in Hamburg, stand das Thema Inklusion. Dabei ging er unter anderem auf den oft falsch verstandenen Inklusions-­Begriff ein, grenzte ihn von der oft mühsamen, immer nachgelagerten Integration ab und erklärte anhand von Beispielen, was aus staatlicher oder zivilgesellschaftlicher Perspektive in diesem Bereich noch getan werden müsse: »Ausgehend von der These, dass Inklusion kein fertiges Produkt, sondern vielmehr ein Weg und eine Haltung ist, die in uns entstehen muss, stehen wir vor einer Reihe teils größerer teils leidiger aber überwindbarer Hindernisse.

Zum einen müssen wir verstehen, wie sich inklusives Handeln überhaupt herstellen lässt. Wir müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir alle Angebote möglichst so gestalten, dass alle Mitglieder der Gesellschaft daran teilnehmen können – seien es Kulturveranstaltungen, Sportevents, Bildungseinrichtungen oder auch Arbeitsplätze. Nur durch die Voraussetzung eines solchen Bewusstseins und eines solchen Willens kann der inklusive Weg überhaupt bestritten werden.« Inklusion bedeute eben nicht einschließen im Sinne von Wegsperren, sondern im Sinne von keiner darf ausgeschlossen werden, so Becker. Entscheidend sei der vorgeschaltete Planungsprozess mit einer aktiven Beteiligung der Menschen, um die es geht. »Es ist kein inklusiver Unterricht, wenn das Kind mit Down Syndrom die gleichen Matheaufgaben bekommt, wie das hochbegabte Kind. Das ist nicht Inklusion, sondern einfach nur sinnlos. Inklusion heißt nicht, dass Menschen, die Unterstützung benötigen, diese nicht mehr bekommen sollen.«

Der IHK-Sozialtransferpreis vereine die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewusstseinsbildung im Sinne der Inklusion auf eine Art und Weise, wie es nicht besser geht, lobte Klaus Becker abschließend die Veranstaltung als Ganzes – aber auch die einzelnen Kooperationen: »Diese Projekte leuchten weit über die Stadtgrenzen hinaus«.

Nach einem Auftritt der inklusiven Band The Boppin‘ Blue Cats aus Peine suchten Besucher der Festveranstaltung das Gespräch und knüpften dabei womöglich Kontakte für weitere beispielhafte Aktionen. Das übrig gebliebene Essen des Buffets wurde im Anschluss an den Obdachlosentreff Iglu gespendet. pau

Bild oben: Henrike Richter (Jugendberatung mondo X e. V.), Michael Skolik (Medienagentur echtrund), Dietmar Führmann (GOD), Artemis Toebs (Deutscher Engagementpreis), Helmut Streiff (Präsident IHK Braunschweig), Michael Bahn (Diakonische Gesellschaft Wohnen und Beraten mbH), Festredner Klaus Becker, Jan Grahns (Mobil Macher GmbH), Jury-Vorsitzender Harald Tenzer, Günther Hinterberg (AntiRost Braunschweig e.V.), Dr. Rolf Mayer (BMA) und Thomas Spork (Medienagentur Marilyn Rangel, v. l.).
geschrieben von  wo