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Regionale Neuordnung: Zukunftsfähige Verwaltungsstrukturen sind unverzichtbar Freitag, 28 November 2014 11:23 Foto: Jörg Scheibe

Regionale Neuordnung: Zukunftsfähige Verwaltungsstrukturen sind unverzichtbar

Der Regionale Wirtschaftsausschuss Helmstedt der IHK tagte am 17. November gemeinsam mit Vertretern der IHK Lüneburg-Wolfsburg im paläon in Schöningen. Damit wurde der im Februar im Rittergut Steimke begonnene Dialog zum Thema kommunale Neuordnung fortgesetzt. Neben der regionalen Neuordnung ging es um Fragen der Berufs­orientierung im Landkreis Helmstedt (Boheme) und um die Vorstellung des »paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum ­Schöninger Speere«.

IHK-Präsident Dr. Wolf-Michael Schmid begrüßte die Teilnehmer auch im Namen von Dr. Hans-Rudolf Thieme, Vorsitzender des Regionalen Wirtschaftsausschusses Helmstedt, und ging auf den aktuellen Sachstand ein, der sich aus Sicht der IHK Braunschweig so darstelle, dass die Gespräche zwischen Wolfsburg und dem Landkreis Helmstedt zum Stillstand gekommen seien. Schmid: »Dafür gibt es neue denkbare Fusionsgespräche zwischen den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel. Ich sage bewusst denkbare Fusionsgespräche, da der Konkretisierungsgrad doch eher noch abstrakt ist.« Der Präsident bekräftigte die Forderung der IHK Braunschweig, dass das Handeln des Gesetzgebers zur Schaffung zukunftsfähiger Strukturen unverzichtbar ist.

Bevor Hans Werner Schlichting, Erster Kreisrat des Landkreises Helmstedt, das Thema aus seiner Sicht darstellte, dankte Olaf Kahle, Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg, für die Einladung und sprach sich für eine Fortsetzung der gemeinsamen Gespräche aus.

Schlichting machte deutlich, dass für den Helmstedter Kreistag mit Wolfsburg weiterhin alle Arten der Zusammenarbeit vorstellbar sind. Wolfsburg sei damit nicht aus dem Focus. Demgegenüber habe der Innenminister zu erkennen gegeben, dass er eher die Möglichkeit der Zusammenlegung zweier Landkreise befürworte. Der Nachbarkreis Wolfenbüttel sei derjenige, der vorgeschlagen wurde. Der Helmstedter Kreistag habe daraufhin beschlossen, Sondierungsgespräche aufzunehmen. Auch der Kreistag Wolfenbüttel habe einem »Informationsaustausch« zugestimmt. Die Sondierungsgespräche könnten dann möglicherweise in einen Beschluss münden, Verhandlungen aufzunehmen.

Das Innenministerium habe deutlich gemacht, dass die Liquiditätshilfe in Höhe von 66 Millionen Euro lediglich bis August zur Verfügung steht. Durch den engen Zeitplan, so Schlichting weiter, sei es erforderlich, im Januar oder ­Februar einen Kreistagsbeschluss zur Aufnahme von Verhandlungen mit Wolfenbüttel herbeizuführen. Sollten die dann folgenden Verhandlungen erfolgreich verlaufen, könnten Anfang November bei der Kommunalwahl die Gremien gewählt werden und der neue Kreis sei handlungsfähig.

Es müsse allerdings klare Grundlagen für ein gemeinsames Miteinander der beiden Landkreise geben. Die Pressereaktion der letzten Wochen habe ihm aber gezeigt, dass man sich dem Thema einer möglichen Fusion noch nicht allzuweit genähert habe.

Sabrina Pohl von der IHK berichtet anschließend über das Programm »Boheme«, ein Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Helmstedt, der Agentur für Arbeit Helmstedt, der allgemeinbildenden Schulen im Landkreis, Unternehmen der Region sowie der Allianz für die Region GmbH. Boheme soll durch eine bessere Berufsorientierung zu einem Rückgang bei den Ausbildungs-Abbrechern führen, indem die Schüler ihre individuellen Stärken und Schwächen frühzeitig erkennen und ihre Berufswahl danach ausrichten können.

paläon-Geschäftsführer Dr. Florian Westphal berichtete von einer archäologischen Sensation, der Entdeckung der Schöninger Speere. Die 300 000 Jahre alten Funde seien die ältesten Jagdwaffen der Welt und hätten das Bild vom Urmenschen auf den Kopf gestellt. Die Speere seien 1994 in unmittelbarer Nähe des paläons im Schöninger Tagebau in einer Tiefe von 10 Metern durch unglaubliche Zufälle von Dr. Hartmut Thieme entdeckt worden. Sozusagen in letzter Minute habe er einen riesigen Schaufelradbagger stoppen können.

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung konnten die Teilnehmer nicht nur einen Blick auf die Speere werfen, sondern sich 300 000 Jahre zurück in die Altsteinzeit versetzen lassen und zum Beispiel die Funde von einer Säbelzahnkatze begutachten.

Bild oben: Der Regionale Wirtschaftsausschuss Helmstedt der IHK tagte zusammen mit Vertretern der IHK Lüneburg-Wolfsburg im paläon.
geschrieben von  jh