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Der philosophische Schatz: Reinhard K. Sprenger Freitag, 23 Dezember 2016 09:31 Foto: Peter Pohl

Der philosophische Schatz: Reinhard K. Sprenger

Nehmt Euch ein Beispiel an Trump!

Das meint Reinhard K. Sprenger, promovierter Pädagoge und zugleich einer der erfolgreichsten Management-Berater. »Es geht bei Wahlen nicht um Wahrheiten, sondern ums Gefühl. Während Hillary Clinton auf die Köpfe der Wähler zielte, zielte Trump auf die Herzen. Und genau danach sehnen sich die Menschen – das Gros der politischen und wirtschaftlichen Führungselite hat das nur leider nicht verstanden«, sagte Sprenger in einem Interview in der Zeitung »Die Welt« am 16. November. Würden Sie dem zustimmen, Frau Karafyllis?

Dass das Herz ebenso wichtig ist wie der Kopf, dem stimme ich zu. Und ich werde auch nicht widersprechen, dass gute Redner einen einfachen Satzbau mit bildhafter Sprache beherrschen und ihre Haupt­botschaften häufig wiederholen sollten.

Aber es geht mir eindeutig zu weit, wenn Sprenger behauptet, dass Trump sich glaubwürdig verhalten habe, obwohl er bewusst die Unwahrheit gesagt hat. Trump habe nicht gelogen, sondern falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt, erklärt Sprenger – philosophisch wie juristisch fällt dies natürlich unter »Lüge«. Glaubwürdig sei Trump aber trotzdem, oder gerade deswegen. Trump eckte an, so Sprenger weiter, provozierte, nervte, aber er sagte, was er meinte.

Bei dieser Argumentation kann ich nur den Kopf schütteln. Wie so viele, die dem Populismus zugeneigt sind, verwechselt ­Sprenger Glaubwürdigkeit mit Wahrhaftigkeit. Einige fassen das Phänomen Trump sogar unter »authentisch«, nach dem Motto: Der ist eben so, ist doch ok, jeder darf sein, wie er will – und damit auch ein Lügner oder ein Hetzer. Zum einen drückt sich darin ein knallharter Individualismus aus. Zum anderen wird der Mensch von seinem Amt und der Würde dieses Amtes entkoppelt. Das Ideal einer wertebasierten Politik wird zerstört und dies hat Folgen für den Zusammenhalt von Gesellschaft. Man befindet dann nur noch, ob man das »Menscheln« des Politikers gut oder schlecht findet, und meist geht man dabei selbstmitleidig von sich aus, anstatt von Recht, Moral und Demokratie. Wir sollten hier nicht gebannt in die USA schauen, sondern ruhig vor der eigenen Haustür kehren: einige Reaktionen zum Steuerhinterziehungsfall Uli Hoeneß liefen ähnlich ab (»der darf das, weil er doch irgendwie ein guter Kerl ist; und noch dazu so erfolgreich«).

Glaubwürdigkeit enthält aber den Begriff »Würde«, man muss sie sich im Angesicht der Anderen verdienen. Dazu gehört die wahrhaftige Rede, deren Inhalte nicht immer angenehm sein mögen. Aber damit nimmt man seinen Dialogpartner ernst und stärkt die Solidarität. Eben dieser Wert wird in vielen westlichen Gesellschaften nicht mehr gelebt, geschweige denn vorgelebt. Schließlich werden gesellschaftliche Probleme nicht von Magiern des Wortes weggeredet oder gar -gezaubert, sondern ihre Lösung ist ein gemeinsames Projekt. Wähler oder auch Kunden sollten von Eliten in erster Linie als ernstzunehmende Dialogpartner angesehen werden. Erst dann wird auch wieder klar, dass man Verantwortung nicht immer an »die da oben« delegieren kann. – Dass das Volk belogen werden will, wie ­Sprenger annimmt, ist eine unverschämte Unterstellung von einigen Eliten, mit denen sie ihr eigenes Fehlverhalten legitimieren wollen. Wir werden sehen, was dabei ­herauskommt.
 

Bild oben: An Donald Trump scheiden sich die Geister. Reinhard K. Sprenger, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Management­berater, hält ihn für glaubwürdig. Nicole Christine Karafyllis, Philosophieprofessorin an der TU Braunschweig, kann ­Sprengers Argumentation nicht nachvollziehen.

geschrieben von  wo