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Der philosophische Schatz: Nicole Christine Karafyllis Freitag, 10 Februar 2017 08:33 Foto: Peter Pohl

Der philosophische Schatz: Nicole Christine Karafyllis

Ist Big Data das Ende der Demokratie?

Eine funktionierende Demokratie hängt entscheidend davon ab, ob wir wahrheitsgetreu informiert werden. Aber ist das noch sichergestellt in Zeiten von Google (»sieht alles«), Apple (»hört alles«) und NSA (»weiß alles«)? Oder bestimmt nicht das Schwarmverhalten – die »likes« der Freunde und Follower woran wir uns orientieren? Ist die Demokratie durch die Digitalisierung in Gefahr, Frau Karafyllis?

Der Wahlkampf von Donald Trump und die Umstände, die zum »Brexit« geführt haben, lassen diesen Rückschluss durchaus zu. Die Ironie an der Geschichte: Viele Menschen haben Trump gewählt, weil er die Probleme ungeschminkt angesprochen hat, dabei haben sie aber nicht gemerkt, dass Trump selbst bei vielen Themen die Wahrheit verdreht hat.

Leider ist es nicht nur Trump. In vielen Gesellschaftsbereichen sind inzwischen sprachliche Mogeleien an der Tagesordnung. Daran sind Politiker, die es zuweilen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, und Medien, die ihnen das durchgehen lassen, nicht ganz schuldlos.

Als wäre dies nicht schon bitter genug, kommt eine weitere Entwicklung hinzu: Wenn unsere Entscheidungen und Handlungen zunehmend von Suchmaschinen, deren Algorithmen nur wenige Programmierer kennen, beeinflusst werden, sind wir dann vor Gleichschaltung und Manipulation noch sicher? Ganz zu schweigen davon, dass Roboter den Meinungsbildungsprozess zunehmend mitgestalten.

Richtig ist aber auch: Das Problem von Fake news sitzt immer auch auf der EIGENEN Seite des Rechners. Fake news sind also kein rein technisches Problem. Wir tun heute so, als seien wir früher immer wahrheitsgemäß informiert worden, als habe es – wie die FAZ kürzlich schrieb – früher keine BILD-Zeitung gegeben.

Worum es eigentlich geht: Wir müssen uns der eigenen Wahrnehmung viel mehr bewusst werden. Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, komplizierte Wahrheiten und Zwischentöne auszuhalten, werden wir zwangsläufig orientierungslos. Orientierungslose Leute – das ist die Krux – sehnen sich in einer komplexen Welt nach Eindeutigkeit. Die anderen langweilt dagegen Eindeutigkeit nur, weil Zwischentöne und Graubereiche viel spannender sind. (Siehe dazu auch unseren Einspruch.)

Bild oben: »Es ist bitter, zuzusehen wie Fake news und Schwarmverhalten die Demokratie zersetzen«, sagt Nicole Christine Karafyllis, Philosophieprofessorin an der TU Braunschweig.

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