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IuK-Ausschuss: ­Herausforderung All-IP Mittwoch, 08 März 2017 10:01 Foto: Jörg Scheibe

IuK-Ausschuss: ­Herausforderung All-IP

Bisher waren Telefonie und Internet strikt voneinander getrennt, ab Anfang 2019 will die Deutsche Telekom nunmehr alle Daten über das Internet Protocol (IP) übertragen. Welche Herausforderungen damit verbunden sind, darüber informierte sich der Informations- und Kommunikationsausschuss der IHK am 31. Januar bei der Telcat in Salzgitter. Zu Beginn der Sitzung wurde der Schandelaher Unternehmer Gerhard Auerswald als Ausschussvorsitzender einstimmig wiedergewählt.

Zunächst stellte Andreas Fitzner, Geschäftsführer der Telcat Multicom GmbH, gemeinsam mit seinen Kollegen Michael Schubert und Heiko Bode die Telcat-Unternehmensgruppe vor und berichtete anschließend über aktuelle Entwicklungen. Die zur Salzgitter AG gehörende Telcat – eines der größten unabhängigen ITK-Systemhäuser in Deutschland – ist ungewöhnlich breit aufgestellt: vom Anschluss an die Netze, über IT-Prozesse und Kommunikationslösungen bis hin zur Sicherheitstechnik. Die Gruppe beschäftigt bei einem Umsatz von 63 Millionen Euro an den 20 deutschen Standorten 500 Mitarbeiter, darunter 250 in Salzgitter.

Die Umstellung von ISDN auf All-IP ist nach den Worten der Telcat-Experten auf den ersten Blick einfach und verlockend, weil damit mehr Funktionen und mehr Möglichkeiten verbunden sind. »Wer sich näher damit befasst, merkt aber schnell, dass die Umstellung frühzeitig geplant werden muss, da es sich um ein anspruchsvolles Projekt handelt«, so Andreas Fitzner. Es sei ratsam, mit einem erfahrenen Partner zusammenzuarbeiten, ein entsprechendes Budget einzuplanen und Testszenarien zu definieren. Eine besondere Herausforderung seien Sonderanschaltungen wie Alarmanlagen, Notrufe, Steuerung von Heizungsanlagen und vieles mehr. Auch für das Fax müssten alternative Lösungen geschaffen werden. Eine übergangsweise Verlängerung von ISDN sei durch den Wechsel auf andere Provider (zum Beispiel Vodafone bis 2022, Versatel bis 2020) möglich.

Desweiteren wurden die Möglichkeiten der Integration von Kommunikationsmedien in einer einheitlichen Anwendungsumgebung aufgezeigt sowie auf die Vorteile der ausgereiften Videokonferenz-Technik hingewiesen: hohe Übertragungsqualität für Bild und Ton, Einsparung von Reisezeiten und -kosten, höhere Mitarbeiterzufriedenheit und schnelle Amortisation.

Anschließend machte Anje Gering, Justitiarin der IHK, deutlich, dass IT-Sicherheit und Datenschutz wichtiger als je zuvor sind. Funktionierende Unternehmensprozesse sowie der Schutz von geistigem Eigentum, Kundendaten und vertraulichen Informationen, wie beispielsweise Produktspezifikationen seien von einer funktionierenden und von Angriffen geschützten IT-Struktur abhängig. Das Vertrauen in Sicherheitslösungen erodiere vor allem in solchen Fällen, in denen sogenannte »silent cooperations« laut Medienberichten mit ausländischen Geheimdiensten bestehe.

Darüber hinaus würden die Datenschutzstrukturen und daraus sich ergebende Berichtspflichten durch den Gesetzgeber ständig erhöht. Eine europaweit abgestimmte Vorgehensweise zum Bereich Forschungsförderung, Harmonisierung von rechtlichen Rahmenbedingungen und Datenschutz, so Gering, sei zwar angedacht, in letzter Konsequenz aber bisher nicht umgesetzt.

Ab dem 25. Mai 2018 gelte die in allen Mitgliedsstaaten der EU anzuwendende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie enthalte allerdings zahlreiche Öffnungsklauseln für den nationalen Gesetzgeber. Es sei noch nicht abzusehen, ob und wie der Bundesgesetzgeber diese Möglichkeiten nutzen werde. Gering: »Wir raten unseren Mitgliedsunternehmen, die zweijährige Übergangsfrist der DSGVO bereits jetzt dafür zu nutzen. Prozesse auf Datenschutzrelevanz und -konformität hin zu prüfen.«

Bild ganz oben: ISDN geht, All-IP kommt: Andreas Fitzner, Heiko Bode und Michael Schubert gaben handfeste Empfehlungen (von links).

geschrieben von  jh