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Aufschwung beflügelt Investitionen Dienstag, 08 August 2017 15:34 Foto: IHK

Aufschwung beflügelt Investitionen

Bei den meisten Unternehmen im Braunschweiger Wirtschaftsraum laufen die Geschäfte derzeit rund. Nachdem im Frühjahr noch einzelne Wolken den regionalen Konjunkturhimmel eingetrübt hatten, sind diese im Sommer weitgehend verflogen. Die zuvor durch zahlreiche wirtschaftliche und politische Krisen ausgelöste Verunsicherung ist zugunsten der bestehenden wirtschaftlichen Wachstumsperspektiven in den Hintergrund getreten. In der Folge gehen die heimischen Unternehmen nun auch ihre Investitions- und Beschäftigungsplanungen zunehmend offensiver an. Dies ergibt sich aus der jüngsten Umfrage der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im zweiten Quartal 2017. Der von der IHK ermittelte Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, verzeichnete gegenüber dem Vorquartal einen kräftigen Anstieg um 12 Punkte und kletterte auf einen Wert von 115. Damit hat er ein Niveau erreicht, das zuletzt vor mehr als fünf Jahren merklich überschritten wurde. Der jüngste Anstieg beruht dabei sowohl auf günstigeren Lagebeurteilungen als auch auf verbesserten Geschäftsaussichten der regionalen Wirtschaft.

Beste Lagebeurteilung seit drei Jahren
 
Aktuell zeigt sich eine breite Mehrheit der Unternehmen mit ihrer laufenden Geschäfts­tätigkeit zufrieden. So beurteilen 42 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 45 Prozent sehen sie immerhin als befriedigend an. Lediglich 13 Prozent der Unternehmen bewerten ihre momentane Situation als schlecht. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt demnach unter allen befragten Unternehmen +29. Ein derartig günstiger Lagesaldo wurde seit mehr als drei Jahren nicht mehr erreicht. Am besten laufen die Geschäfte dabei nach wie vor im Dienstleistungssektor (Saldo: +58). Es folgen mit einem gewissen Abstand die Industrie (+30), das Kreditgewerbe (+28) und der Großhandel (+24), die mit ihrer aktuellen Geschäftstätigkeit aber ebenfalls größtenteils zufrieden sind. Lediglich im Einzelhandel überwiegt noch die Verstimmung. Dort dominieren die negativen Lageeinschätzungen nach wie vor erkennbar (-11). Insgesamt profitiert die Wirtschaft im Braunschweiger Raum aber von günstigen Rahmenbedingungen, die bereits seit längerer Zeit ihre Wirksamkeit entfalten: Die immer noch günstige Euro-Dollar-Relation, der weiterhin gemäßigte Ölpreis, die niedrigen Zinsen, die begrenzten Inflationsraten, der hohe und stetig steigende Beschäftigungsstand sowie die nach wie vor passable Konsumneigung stützen sowohl die Binnen- als auch die Exportkonjunktur. Letztere erhält zusätzliche Impulse durch die eingetretene weltwirtschaftliche Belebung, nicht zuletzt in einigen Staaten Europas.

Wachsender Optimismus bei Geschäftsaussichten
 

Sichtlich hoffnungsvoller als noch im Frühjahr blicken die Unternehmen im ­Braunschweiger Wirtschaftsraum voraus auf die künftige Geschäftsentwicklung. Die Verunsicherung, die sich im Zuge diverser krisenhafter Entwicklungen breitgemacht hatte, ist zwar nicht verschwunden, hält die Unternehmen aber nicht davon ab, mit zunehmendem Optimismus auf die kommenden Monate zu schauen. So erwarten 22 Prozent der Unternehmen binnen Jahresfrist eine geschäftliche Aufhellung. 59 Prozent gehen zumindest von einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf aus. 19 Prozent rechnen hingegen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Auch wenn somit die positiven Prognosen leicht überwiegen, ist festzuhalten, dass die Geschäftserwartungen immer noch erkennbar schlechter beurteilt werden als die Geschäftslage. Zahlreiche wirtschaftliche und politische Unsicherheitsfaktoren wie die VW-Abgasaffäre, die drohende Abschottungspolitik der USA, der Brexit, die Disharmonien innerhalb Europas oder diverse geopolitische Krisen wirken im Hintergrund nach. Ein erhebliches Maß an Unzufriedenheit herrscht aber auch hinsichtlich der gegebenen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Jedes zweite Unternehmen sieht hierin ein Risiko für seine künftige Geschäftsentwicklung. Kritisiert werden etwa Asymmetrien im Arbeitsrecht, Überregulierungen bei der Arbeitnehmerüberlassung, die Erhöhung des Mindestlohns oder verfehlte energiepolitische Weichenstellungen.

Investitionen nehmen Fahrt auf
 

Vor dem Hintergrund der freundlichen Geschäftslage und der verbesserten Geschäftsaussichten hat die Investitionsneigung der regionalen Wirtschaft erheblich zugenommen. Seit mehreren Jahren war sie nicht mehr so stark ausgeprägt wie im Sommer 2017. Gegenwärtig beabsichtigen fast 40 Prozent der Unternehmen, ihre Investitionspläne in den nächsten Monaten auszuweiten. Während die Hälfte der Betriebe sein Investitionsbudget unverändert belassen möchte, plant nur ein gutes Zehntel eine entsprechende Kürzung. Nachdem die Investitionsbereitschaft der heimischen Unternehmen im Vorjahr noch recht verhalten ausgefallen war, schlagen mit der wiedergewonnenen Zuversicht nun offensichtlich die zuvor erwähnten günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – und hierbei insbesondere die niedrigen Zinsen – auf das Investitionsverhalten durch.

Im Aufwärtstrend befinden sich auch die Beschäftigungsplanungen der heimischen Unternehmen. Jeder fünfte Betrieb beabsichtigt, seine Kapazität an Arbeitsplätzen in den kommenden Monaten auszubauen. 17 Prozent der Unternehmen erwarten hingegen eine Reduzierung ihres Personalbestandes. Die restlichen 63 Prozent der Betriebe rechnen mit unveränderten Mitarbeiterzahlen. Seit Herbst des letzten Jahres haben die Beschäftigungsplanungen der regionalen Wirtschaft damit merklich zugelegt. Allerdings kann längst nicht jedes einstellungswillige Unternehmen seinen Arbeitskräftebedarf auf dem regionalen Arbeitsmarkt decken. Infolgedessen sehen 40 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel als erhebliches Risiko für ihre künftige Geschäftsentwicklung an.

Industrie freundlich gestimmt
 

Der sommerliche Aufschwung wird im Braunschweiger Wirtschaftsraum wesentlich durch die Industrieunternehmen mitgetragen. Die meisten Fabrikanten zeigen sich im zweiten Quartal 2017 gut gelaunt. Der Konjunkturklima­indikator für den Wirtschaftszweig schnellte um 14 Punkte auf einen Wert von 114 in die Höhe. Ursächlich hierfür sind zum einen die erheblich verbesserten Rückmeldungen der Industriebetriebe zu ihrer aktuellen geschäftlichen Lage und zum anderen die wieder günstigeren Geschäftsaussichten. So bezeichnen derzeit 42 Prozent der Industrieunternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut. Mit 46 Prozent schätzt etwas weniger als die Hälfte der Befragten die Situation zumindest als zufriedenstellend ein. Lediglich 12 Prozent der Industriebetriebe klagen über schlechte Geschäfte. Derartig günstige Relationen wurden für die regionale Industrie zuletzt vor mehr als drei Jahren verzeichnet. Am besten wird die Geschäftslage momentan von den Investitionsgüterproduzenten beurteilt (Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen: +62), die nicht zuletzt von der erwähnten Belebung der Investitionstätigkeit profitieren. Auch unter den Herstellern von Ge- und Verbrauchsgütern (Saldo: +23) überwiegen die Positivmeldungen noch deutlich. Zurückhaltender fallen hingegen die Mitteilungen der Erzeuger von Vorleistungsgütern aus, bei denen die Positivmeldungen die Negativ­meldungen nur geringfügig übertreffen (Saldo: +2).

Beim Ausblick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten haben die regionalen Industriekapitäne wieder an Zuversicht gewonnen. Ein Fünftel der Unternehmen erwartet in den kommenden Monaten eine geschäftliche Aufheiterung. 60 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Geschäftslage aus. Allerdings rechnet auch immer noch jeder fünfte Betrieb mit einer Eintrübung. Nachdem sich in den Vorquartalen die Skeptiker noch in der Überzahl befanden, halten sich Optimisten und Pessimisten mittlerweile also die Waage. Auch für die Industriebetriebe sind die angesprochenen zahlreichen Unsicherheitsfaktoren momentan etwas in den Hintergrund getreten. Stattdessen richtet sich der Blick verstärkt auf die Chancen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Neben den Umsatzerwartungen fallen auch die Export­erwartungen der regionalen Industrie für den weiteren Jahresverlauf sehr erfreulich aus. Auch die Investitionspläne der Branche sind ausgesprochen expansiv.

Zuversicht im Großhandel
 

Im Großhandel ist der Konjunkturklimaindikator im zweiten Quartal um 4 Punkte auf einen respektablen Wert von 128 angestiegen. Der Anstieg basiert dabei auf den erkennbar verbesserten Rückmeldungen zur aktuellen Geschäftslage. So bewerten zurzeit 44 Prozent der befragten Großhändler ihre Geschäftslage als gut. Mehr als jeder dritte Grossist ist mit der eigenen Geschäftssituation zufrieden und nur jeder Fünfte beurteilt seine momentane Lage als schlecht. An diesem insgesamt freundlichen Geschäftsniveau erfreut sich sowohl der Produktionsverbindungshandel zur Industrie als auch der Konsumgüter­handel. Per Saldo konnte der Großhandel im zweiten Quartal merkliche Umsatzsteigerungen realisieren. Die Lagerbestände werden von den Befragten größtenteils als saison­üblich bezeichnet.

Die Erwartungen der Grossisten an den künftigen Geschäftsverlauf haben zwar verglichen mit dem Vorquartal einen kleinen Dämpfer bekommen, dennoch blicken die meisten regionalen Großhändler optimistisch nach vorn. 39 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. 53 Prozent erwarten keine Veränderung und nur 8 Prozent fürchten schlechtere Geschäfte. Auch die Umsatzerwartungen für den weiteren Jahresverlauf liegen per Saldo deutlich im positiven Bereich. Damit erweisen sich die Großhändler im Vergleich der einzelnen Wirtschaftszweige hinsichtlich der Zukunftsaussichten als besonders zuversichtlich.

Leichte Erholung im ­Einzelhandel
 

Der Konjunkturklimaindikator für den Einzelhandel, der in der zweiten Jahreshälfte 2016 zum Sinkflug angesetzt hatte, konnte sich im zweiten Quartal des laufenden Jahres wieder etwas erholen. Er kletterte um 8 Punkte auf einen Wert von 88. Sowohl günstigere Lagebewertungen als auch verbesserte Geschäftsaussichten leisteten hierzu ihren Beitrag. Was die aktuelle Geschäftslage angeht, bildet der Einzelhandel unter allen betrachteten Wirtschaftszweigen aber dennoch das Schlusslicht. Derzeit bezeichnen nur 14 Prozent der Einzelhändler ihre Geschäftslage als gut. 61 Prozent bewerten die Situation immerhin als zufriedenstellend. Jeder vierte Händler sieht hingegen Grund zur Klage. Während die Geschäfte des stationären Einzelhandels stagnieren, berichten die Online-Händler von wachsenden Umsätzen. Die Konsumneigung der Kunden hat sich gegenüber der letzten Umfrage zwar wieder verstärkt, bleibt aber immer noch hinter den Erwartungen zurück.

Beim Ausblick auf die kommenden Monate sind die Einzelhändler wieder etwas hoffnungsvoller geworden. Allerdings befinden sich die Skeptiker wie bereits in den drei vorangegangenen Umfragequartalen in der Mehrheit. Jeder vierte Händler rechnet mit rückläufigen Geschäften. Während 62 Prozent keine Veränderungen erwarten, gehen lediglich 13 Prozent von einem günstigeren Geschäftsverlauf aus. Den stationären Handel beunruhigt der Kaufkraftabfluss in den Online-Handel dabei ebenso wie die teilweise nachlassenden Passanten- und Kundenfrequenzen sowie Leerstandsprobleme in innerstädtischen Lagen. Die Sorge, dass krisen­bedingte Verunsicherungen stärker auf das Konsumklima durchschlagen und Kunden mit Sparsamkeit und Kaufzurückhaltung reagieren, hat zuletzt zwar etwas nachgelassen, ist aber immer noch latent vorhanden.

Dienstleister konstant dynamisch
 

Bei den Dienstleistern haben sich im Sommer gegenüber der Vorumfrage keine gravierenden Änderungen ergeben. Nach wie vor nimmt der Dienstleistungssektor die Spitzenstellung unter den betrachteten Wirtschaftsbereichen der IHK-Konjunkturumfrage ein. Mit einem Wert von 139 konnte der branchenbezogene Konjunkturklimaindikator sein beachtliches Level halten. Die Bewertungen der geschäftlichen Lage sowie die Beurteilungen der Geschäftsaussichten blieben gegenüber der Frühjahrsumfrage weitgehend konstant. Aktuell sprechen 62 Prozent der Dienstleister von einer guten Geschäftslage, 34 Prozent halten sie für befriedigend. Lediglich 4 Prozent der befragten Dienstleistungsbetriebe sind mit ihrem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden. Bestens gelaunt zeigen sich vor allem Medien- und IT-Dienstleister, die anhaltend Neuaufträge im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung verbuchen können.

Ihre geschäftlichen Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf schätzen die Dienstleister zwar skeptischer ein als ihre derzeitige Lage, dennoch befinden sich die Optimisten gegen-über den Pessimisten wie in den Vorquartalen klar in der Mehrheit. Die Investitionsbereitschaft hat noch einmal zugenommen. Auch bei den Beschäftigungsplanungen für die kommenden Monate liegen die Dienstleister unter allen betrachteten Wirtschaftsbereichen vorn. Aufgrund der zumeist guten Auftragslage suchen zahlreiche Betriebe dringend nach qualifiziertem Personal. So stellt der Mangel an geeigneten Fachkräften für 84 Prozent der befragten Dienstleistungsunternehmen ein drängendes Problem dar.

Banken gewinnen ­Zuversicht
 

Der Konjunkturklimaindikator für das Kreditgewerbe wurde in der Vergangenheit durch einen tiefgreifenden Zukunftspessimismus in die Tiefe gezogen. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld, der fortgesetzte Margenverfall und die fortschreitende Bankenregulierung haben vielen Instituten schwer zu schaffen gemacht. Inzwischen blicken die Banken aber wieder etwas zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Zwar rechnen immer noch 46 Prozent der Befragten mit einer abflauenden Geschäftstätigkeit, mit 54 Prozent erwartet jedoch mehr als die Hälfte ein gleichbleibendes Geschäft. In den Vorquartalen war diese Relation noch deutlich ungünstiger ausgefallen. In der Folge hat sich auch der Konjunkturklimaindikator für das Kreditgewerbe erholt. Er machte einen Sprung um 24 Punkte und erreichte einen Wert von 83.

Allen Zukunftssorgen zum Trotz kann die gegenwärtige Geschäftslage der Banken durchaus als respektabel bezeichnet werden. Gegenüber dem Vorquartal hat sich das Bild sogar noch einmal leicht verbessert. Aktuell berichten 37 Prozent der befragten Kreditinstitute von einer dynamischen Geschäftstätigkeit. 54 Prozent bewerten ihr Geschäft immerhin als zufriedenstellend. Dagegen ist nicht einmal jedes zehnte Unternehmen mit dem derzeitigen Geschäftsverlauf unzufrieden.


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Kontakt: Berndt von Conradi
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