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Traditionelles Marktgespräch in Salzgitter-­Beddingen Donnerstag, 10 August 2017 10:43 Foto: Jörg Scheibe

Traditionelles Marktgespräch in Salzgitter-­Beddingen

Vier Jahre lang haben die Landwirte sich von Rekord zu Rekord geerntet. Damit sei es in diesem Jahr wohl vorbei, prognostizierte Agrarökonom Dr. Klaus Schumacher im Rahmen des traditionellen Informations­gesprächs der Wilhelm Fromme Landhandel GmbH Co. KG in Salzgitter-­Beddingen. In seinem »Markt und Agrarpolitik – Wohin geht die Reise?« betitelten Vortrag beleuchtete er vor etwa 300 Gästen das Marktgeschehen und nahm anschließend zu politischen Herausforderungen Stellung.

Weltweit würden jedoch auch in 2017/18 immer noch mehr als zwei Tonnen Getreide (ohne Reis) produziert. »Wir haben das nicht über Flächenausdehnung gemacht, sondern über Produktivitätssteigerungen: über bessere Sorten, Düngemittel und Pflanzenschutz sowie besseres Management«, so Schumacher. Dadurch habe man ein anderes Produktions­niveau erreicht, und eine Marktstabilität erreicht, die »enorm« ist. Eine komfortable Versorgungssituation bestehe in der Relation von den Beständen zum Verbrauch: 24 Prozent des Verbrauches lägen aktuell irgendwo auf Lager. Die etwas kleinere Ernte und der Abbau der Beständen brächte so schnell also keine komplett andere Marktsituation. Eine »Blackbox« stelle bis heute allein die Situation in China dar. Niemand wisse wirklich genau, wie hoch die Erträge da sind, so Schumacher.
Der Experte berichtete, dass der weltweite Lager­aufbau beim Weizen wahrscheinlich ein Ende hat. Für die wichtigen Exportländer rechnet er mit sinkenden Beständen. Im Gegensatz zur Ukraine (Wetterprobleme), den USA (kleinste Anbaufläche seit 1919, Mais und Soja sind profitabler) und Kanada (Trockenheit) könnte Russland das Niveau in etwa halten. Dort wurde zuletzt 80 Prozent Winterweizen angebaut.

Allein Argentinien, das die Exportsteuern ­gestrichen hat, sei durch Ausweitung der Anbauflächen auf dem Vormarsch, was die ­Konkurrenz in den EU-Exportmärkten (beispielsweise in Nordafrika und im Nahen/Mittleren Osten) durchaus verschärfe, da dort – auch infolge eigenen Anbaus – die Nachfrage gesunken sei. Für Unwägbarkeiten im aus fundamentaler Sicht stabilen Markt, sorgten Schumacher zufolge die Zinspolitik der Zentralbanken ­inklusive daraus resultierender Währungs­relationen, die Handelspolitik der USA sowie Money Funds, die extreme Preisschwankungen verursachten.

Darüber hinaus skizzierte der Experte eine »ganze Reihe« an Herausforderungen im agrarpolitischen Bereich: den Brexit (und einen damit verbunden Schwebezustand, weil über ein neues Freihandelsabkommen mit Großbritannien als viertwichtigstem Importeur deutscher Agrar­erzeugnisse erst verhandelt werden könne, wenn die Austrittsverhandlungen beendet sind), die Düngeverordnung, die Pflanzenschutz­gesetzgebung, neue Züchtungswerkzeuge, Agrar­exporte aber auch den Klimaschutzplan der Bundesregierung.

Bild oben: Dr. Cord Stoyke (Niedersächsisches Ministerium für den ländlichen Raum), Dr. Martin Banse (Heinrich von Thünen Institut), Verena Wolf (Heinrich von Thünen Institut), Kurt Fromme (Wilhelm Fromme Landhandel GmbH & Co. KG), Hans-Heinrich Ehlen (Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz a. D.) und Agrarökonom Dr. Klaus Schumacher (v. l.).
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