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Non-Profit-Organisationen in der Nullzins­phase Donnerstag, 28 September 2017 08:47 Foto: oh

Non-Profit-Organisationen in der Nullzins­phase

Ohne Moos nichts los. Angesicht der historisch niedrigen Zinsen haben auch Stiftungen verstärkt Probleme, mit ihrem Kapital Erträge zu erwirtschaften, die ihre Aufwendungen dahingehend abdecken, dass dem eigentlichen Stiftungszweck problemlos nachgegangen werden kann. Bei der Veranstaltung »Nullzins­phase, keine Erträge – was heißt das für alle Non-Profit-Organisationen?«, die die Braunschweiger Privatbank und das Engagement­Zentrum gemeinsam ausrichteten, bekamen die Vertreter von rund 40 Stiftungen und anderen Non-Profit-Organisationen aus der Region Braunschweig-Wolfsburg praktische Tipps für den sinnvollen Einsatz und die erfolgreiche wie ethisch vertretbare Mehrung ihres Kapitals. Nachdem Malte Schumacher, Geschäftsführer des EngagamentZentrums, einen Einblick in die vielfältige hiesige Stiftungslandschaft gab, und Stefan Riecher, Direktor der Braunschweiger Privatbank, auf wichtige aktuelle stiftungsrechtliche Aspekte zu sprechen kam, skizzierte Dieter Lehmann, Leiter Vermögensanlage der VolkswagenStiftung, als erster Hauptreferent die Anlagestrategie seines Hauses.

Seiner Ansicht nach führe derzeit auch für kleinere Stiftungen kein Weg mehr an Anlagen am Aktienmarkt vorbei. Auch wenn der Kapitalstock seiner Stiftung zu den größten in Deutschland zähle, könnten sich auch kleine Stiftungen unter Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen daran orientieren. Ziel der individuellen Anlage müsse es sein, nicht nur Erträge für die Förderprojekte zu erwirtschaften, sondern auch den Kapitalstock stetig zu vergrößern. Eventuell käme auch ein Investment in Immobilien und alternative Anlageformen in Betracht. Insbesondere am Aktienmarkt sei es jedoch wichtig, eine langfristige Strategie zu verfolgen und hierbei auf ETFs, Dividendenausschüttungen und stabile Unternehmen zu setzen. Auch das Risiko, breit zu streuen, hätte elementare Bedeutung. »Wer in seinem Portfolio nicht auch negative Positio­nen hat, hat nicht gut gestreut«, so Lehmann. Bei einer negativen Entwicklung einzelner Titel gelte es, nicht nervös zu werden und in blinden Verkaufs-Aktionismus zu verfallen, sondern auf eine Erholung der Märkte zu setzen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Indizes selbst nach extremen Kursverlusten wenige Jahre später wieder ihren Ausgangswert erreicht hätten und dann noch weiter gestiegen sind.

Auch für den zweiten Referenten, Rüdiger Becker, Vorstandsvorsitzender der Evange­lischen Stiftung Neuerkerode, steht es außer Frage, dass das Erwirtschaften von Kapital die Grundlage für die Stiftungsarbeit ist. In seinem Vortrag betrachtete er das Thema aber weniger betriebswirtschaftlich als vielmehr philosophisch. Unter dem Titel »Mission Investing« plädierte er für Investitionen mit Anstand, wie es die Evangelische Stiftung Neuerkerode schon seit über 150 Jahren tue. Geld sei per se nicht gut oder böse, erst mit dem Einsatz erziele es eine positive oder negative Wirkung. Dementsprechend gehe es darum, sich einen Ethik-­Filter aufzulegen und das eigene Gewissen mit einzubeziehen. Als Kriterien und Leitlinien nannte Becker hier unter anderem Nachhaltigkeit, Humanismus, Teilhabe und Förderung der Gesellschaft.

Bild oben: Rüdiger Becker, Direktor Ev. Stiftung ­Neu­erkerode, referierte vor Vertretern aus Stiftungen, Vereinen und Kirchen zum Thema »Mission Investing – Investitionen mit Anstand«.

geschrieben von  wo