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»Extrem gemütlich: Flamingo Rosso« Donnerstag, 17 November 2016 11:21 Foto: Peter Pohl/Frank Skalik

»Extrem gemütlich: Flamingo Rosso«

Die Inneneinrichtung des »Flamingo Rosso« trägt ganz die Handschrift von Oliver Strauß. »Ich mag nicht ausschließlich diese modernen Sachen, die atmosphärisch kühl wirken. Deshalb habe ich besonders auf warme Farben und Materialien geachtet«, auf Holz, Naturstein, Leder. »Die Stühle habe ich selber gezeichnet und dann bauen lassen.« Die versammelten Brauntöne versprühen den Charme der 70er-Jahre, aufgelockert durch die originellen Lampen und viele moderne ­Accessoires. »Es ist dadurch extrem gemütlich. Die Optik ist bei Jung bis Alt gut angekommen. Die Leute auf der Eröffnung waren total begeistert.«



Das »Flamingo Rosso«, Restaurant, Rooftop-Bar, Club, gibt es seit September in der dritten Etage des ehemaligen Bunkers am Braunschweiger Kalenwall. Früher war hier ein Büro, ganz früher Wohnungen und das alte Broadway-Kino. Seit 2008 ist das Gebäude im Besitz der Strauß & Lemke-Gruppe. Jahre der Planung und des Umbaus liegen hinter ihnen. »Wir haben Wände herausreißen müssen, das war hier ein halber Taubenschlag. Eine Wand habe ich freigelegt. Da war früher die Belüftung für den Bunker. Stahlbeton, historische Bausubstanz! Vieles war vorher nicht zu sehen, das kam erst später zum Vorschein.« Die Kosten für die umfänglichen Umbauten lagen im höheren sechsstelligen Bereich. »Allein der Umbau der Außentreppe hat 60 000 Euro gekostet.«

»Alles in einem: Trattoria, Rooftop-Bar und Club«

Oliver Strauß und Tim Lemke arbeiten seit 2005 zusammen und sind als Gastronomen in Braunschweig und Wolfsburg keine Unbekannten. »Wir sind beide kreative Köpfe, aber jeder hat seinen eigenen Stil. Das ›Monkey Rosé‹ am Eiermarkt und das ›Flamingo Rosso‹ sind eher meine Projekte. Wir wollen uns auf die Sachen konzentrieren, die uns Spaß machen. Die grundlegenden Dinge sprechen wir natürlich ab.« Im Moment betreibt das Duo dreizehn »Läden«, Restaurants, Bars, Discos. Das Konzept des »Flamingo Rosso« verbindet alle drei Spielarten. In der Woche ist es eine Trattoria, Freitag und Samstag ab 23 Uhr wird die Bar geöffnet und ein DJ legt auf, Hits aus den 80ern und 90ern bis zu den Charts von heute. Dann ist das »Flamingo Rosso« ein Club. »Unsere Gäste kommen, sie essen, sie gehen an die Bar, sie trinken einen Cocktail, sie schwingen das Tanzbein. Alles an einem Ort. Das ist unser besonderes Konzept. Man muss auch mal gegen den Strom schwimmen, etwas Neues machen, etwas Besonderes.«

»Wer geht ins ›Flamingo Rosso‹?«

»Unser Publikum ist zwischen dreißig und fünfzig Jahren. Zwischen dreißig und sechzig kann man fast sagen. Es ist bunt gemischt und alle fühlen sich total wohl.« Dass seine Gäste sich atmosphärisch aufgehoben fühlen, ist für Oliver Strauß die Hauptsache.

Das gute Essen ist der zweite Wohlfühlfaktor. Italienische Küche, nicht wirklich Restaurant, sondern Trattoria, kleine Karte, einfache Speisen, Pizza. Pizzabäcker Emanuele Piacevole macht eine handgefertigte Originalpizza nach Jahrhunderte altem neapolitanischen Rezept: Mehl, Hefe, Salz, Olivenöl. »Die Einen sagen: ›Eine der besten Pizzen, die ich jemals gegessen habe‹. Andere sagen: ›Wir haben noch nie eine so gute Pizza gegessen.‹ Ich finde sie auch super.« Die preiswerteste Pizza fängt bei sieben Euro an, die teuerste mit frischem Lachs ist für vierzehn Euro zu haben. Es gibt auch noch Salate, Antipasti, Bruschetta, Lachstatar. »Wir haben vor, ein Mal die Woche ein Nudelgericht zu etablieren.«

»Handgemachte Pizza nach neapolitanischem Rezept«

Besitzt das »Monkey Rosé« einen Hauch von Paris, ist das »Flamingo Rosso« ganz auf Italien bezogen. Es gibt nur italienische Weine. Die Pizza Parma heißt Italo Disco. Andere Gerichte heißen Sophia Loren und Gina Lollobrigida. »Deren Filme habe ich in meiner Kindheit immer gerne gesehen.« An der Wand hängt ein Bild von Robert de Niro.

»Man muss sich von seinen Konzepten her weiterentwickeln. Früher war jede Kneipe voll. Heute wählen die Leute aus. Sie wollen das Besondere. Sie wollen auch viel haben, aber zu einem adäquaten Preis. Das muss man erst einmal unter einen Hut kriegen.« Mit dem ­»Flamingo Rosso« scheint das gelungen zu sein. Wie lange bleiben die Leute am Wochenende? »Bis fünf, halb sechs Uhr geht das schon. Wir haben festgestellt: Unsere Gäste verweilen hier sehr gern. Die wollen nicht aufstehen. Die müssen nicht mehr woanders hin.«

Mit seiner Frau Anne-Kathrin, die in der Modebranche arbeitet, ist Oliver Strauß viel in europäischen Städten unterwegs. Stammen von dort seine Ideen und kreativen Konzepte? »Ich bin gern in Paris, ich bin gern in London. Das sind Städte, die mich faszinieren. Aber die Einflüsse kommen von überall her, da ziehe ich keine bestimmte Stadt vor. Vor langer Zeit war ich in New York. Da sieht man vieles, das man hier in der Form noch nicht gesehen hat. Aber sind die Leute dafür bereit? Das weiß man ja nicht. Ich muss auch nicht Berlin nach Braunschweig holen. Jede Stadt hat ihren eigenen Reiz und Charme und jede Stadt tickt anders.« www.flamingo-rosso.de

Bild oben: Oliver Strauß unter dem Stahlbeton, der die Belüftungsanlage des Bunkers schützte.
geschrieben von  maru