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Man spürt sofort das Heimelige Montag, 22 Mai 2017 09:40 Foto: Jörg Scheibe

Man spürt sofort das Heimelige

Viele in gebirgigen Gegenden gelegene Ausflugsgaststätten nennen sich Alm. Der »Rinderstall« nahe St. Andreasberg war wirklich eine. Er war Sommerstall für die Rinder, Wohnraum für die Hirtenfamilie und ab 1902 Wandergaststätte. Heute von Grund auf modernisiert, ist er ein kleines Schmuckstück mitten im Nationalpark Harz und wird seit Ostern 2007 von Christian ­Stahmer und seiner Lebensgefährtin Hargit Geyer geführt.
 


Beide stammen aus St. Andreasberg, sie ist gelernte Reiseverkehrskauffrau und im »Rinderstall« für den Service zuständig. Er ist gelernter Koch. Seine Küche ist solide: Jägerschnitzel, Currywurst und Strammer Max. »Bodenständig«, so nennt er es. Sülze, Matjesfilet, Brotzeit. Aber findet man das nicht irgendwie »überall«?

Es stellt sich also die Frage nach dem »Besonderen«. Da kommen ein paar Dinge zusammen, die sich zu einem Stimmungsbild verdichten. Zum einen die schöne Lage im oberen Odertal im Naturpark Harz. Zum anderen das schöne Haus, sowohl innen wie auch außen viel Holz: Holztische, Holzbänke, Holzstühle, Steinfuß­boden, ein schmucker Kamin, alles sehr gepflegt. Hier lackiert die Chefin selbst. Weitere Unterstützung kommt von der Familie. Die Sitzkissen für die Bänke näht die Tante, die frische Blumendeko stammt von der Mutter der Chefin, die Floristin ist. Es ist das Heimelige, das man spürt. Christian Stahmer: »Wir sind sehr besonnen an das Projekt herangegangen mit einer langen Planungs- und Vorlaufzeit. Wir haben uns das nicht rosarot geredet.«

»Bratkartoffeln sind eine Philosophie«

Schnee, Regen, Sonne, Kälte, Nebel: Die Saison ist ganzjährig. Aber ist bei einer Ausflugsgaststätte das Wochenende nicht betrieblich lohnender? Christian Stahmer: »Kann man so nicht sagen. Das Wetter ist schlecht, man denkt, heute wird nicht viel los sein, und dann kommt plötzlich ein Ansturm. Das ist wie eine Wundertüte. Man weiß nie, was drin steckt.«

Die Speisekarte ist keine Wundertüte. Es ist eine kleine Karte mit »normaler Wanderkost«. Christian Stahmer: »Das kann auch gar nicht anders sein, weil unser Geschäft naturgemäß schwankend ist.« Zudem ist eine kleine Karte ein Garant für Frische. Vieles ist selbstgemacht – und das schmeckt man: Die Waldpilzrahmsuppe mit hausgemachten Croutons oder Linsen­eintopf, süß-sauer serviert mit Bockwurst und Brot, das eigenhändig panierte und knusprig gebratene Hähnchenbrustschnitzel, die Dressings zu den Salaten und auch der Kartoffel­salat.

Die pikante Sülze mit Bratkartoffeln und hausgemachter Remoulade kommt aus einer Harzer Schlachterei wie auch die Rostbratwurst und die Wildschweinbratwurst. Das Matjesfilet »Hausfrauen Art« wird traditio­nell mit Zwiebeln, Gurken und Apfelstücken gereicht. Auch hierzu gibt es Bratkartoffeln. Hargit Geyer: »Bratkartoffeln sind eine Philosophie.« Werden sie aus rohen oder gekochten Kartoffeln hergestellt? Da hat so mancher Gast sehr eigene Vorstellungen. Die Bratkartoffeln im »Rinderstall« werden nicht ganz gar gekocht, dann klein geschnippelt und mit Zwiebeln in der Pfanne kross gebraten. Und sie sind so, wie Bratkartoffeln sein müssen: knusprig, bissfest, schmackhaft.

Die Chefin backt. Kommt der Gast zur Kaffeezeit, hat er zwei Bleche zur Auswahl, Schokoladenkuchen, Apfelkuchen oder ein Pflaumenkuchen, je nach Saison. Auch der sehr beliebte Milchreis mit Zucker und Zimt ist selbstgemacht. Die Germknödel mit Fruchtfüllung und Vanillesauce werden gedämpft, weshalb hier die Wartezeit cirka zwanzig Minuten dauert. Die meisten Essen brauchen maximal dreizehn Minuten, in Stoßzeiten etwas länger.

»Der Rinderstall ist ­konsequent autofrei«

Seit den Anfängen 2007, als es sich erst noch herumsprechen musste, dass neue Betreiber eingezogen waren, ging es mit den Gästezahlen immer mehr bergauf. Hargit Geyer: »Da steckt viel Arbeit dahinter, viel Werbung.« Viel Mundpropaganda. Es kommen Touristen, die in Braunlage oder St. Andreasberg absteigen, in der kalten Jahreszeit die Winterwanderer, im Sommer Spaziergänger und Fahrradfahrer. Der »Rinderstall« ist konsequent autofrei zu erreichen. Der kürzeste Weg: Man parkt am Parkplatz Oderhaus und geht keine drei Kilometer auf einem befestigten Weg zur Gaststätte. Das geht auch bequem mit Kinderwagen, da es keine Steigungen gibt.

Der »Rinderstall« ist babyfreundlich. Im Vorraum der Toilette steht nicht nur ein Wickeltisch, sondern auch eine Mikrowelle zum Anwärmen von Babynahrung. Ein mobiler Gläschenanwärmer kann ausgeliehen werden. Der »Rinderstall« ist radfahrerfreundlich. Es gibt einen Reparaturservicepoint mit Werkzeug. Hinzu kommen Steckdosen zum Aufladen von E-Bikes. Der »Rinderstall« ist hundefreundlich. Es gibt eine Hundespeisekarte. »Die wird sehr gut angenommen, weil wir wahnsinnig viele Gäste mit Hunden haben. An manchen Tagen haben wir an jedem zweiten Tisch einen Hund sitzen.« Der kann dann Schweineohr, Kau­stange und Straußensticks bestellen.maru

Weitere Infos und Wanderwege zum »Rinderstall« finden sich unter www.gaststaette-rinderstall.de.

Bild oben: Hargit Geyer und Christian Stahmer in ihrer Harzgaststätte, die genauso freundlich ist, wie sie aussieht.
geschrieben von  maru