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Wohnimmobilienpreise in unserer Region werden in Zukunft nicht ­weiter steigen Freitag, 11 August 2017 10:27 Foto: André Pause

Wohnimmobilienpreise in unserer Region werden in Zukunft nicht ­weiter steigen

Der derzeitige Immobilienmarkt ist gekennzeichnet durch stetige Preissteigerungen. Dieser Trend ist neben den Großstädten auch in Städten unserer Region wie ­Wolfenbüttel, Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg sowie Gifhorn zu erkennen. Doch wie werden sich diese Preise für Wohnimmobilien zukünftig entwickeln?

Gegenwärtig werden von der Europäischen Zentralbank noch monatlich Anleihen von Staaten und Unternehmen im Wert von rund 80 Milliarden Euro erworben, um die Zinsen langfristig niedrig zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln. Doch durch eine schrittweise Reduzierung der Anleihekäufe in 2018 plant die Europäische Zentralbank bereits den Ausstieg aus dieser expansiven Geldpolitik. Damit einhergehend ist zu vermuten, dass die EZB die Leitzinsen langfristig wieder anheben wird. In dem Zusammenhang ist auch anzunehmen, dass die Negativzinsen wegfallen werden.

Steigende Zinsen haben eine bremsende Wirkung auf das Interesse von Immobilien­käufern. Eine etwaige Zinserhöhung, aber auch gesetzliche Vorgaben wie die Mietpreisbremse würden zudem dazu führen, dass unbefriedigendere Marktrenditen erzielt werden. Nach meiner Einschätzung reduziert dies die Nachfrage nach Immobilien. Dies hat durch das Zusammenspiel der Kräfte der sozialen Marktwirtschaft eine Preisanpassung zur Folge. Gleichzeitig führt bei Zinsbindungsende ein erhöhter Zins dazu, dass sich viele die Raten zur Tilgung ihres Kredites nicht mehr leisten können. So müsste ein Kredit­nehmer heutzutage zum Beispiel für ein Darlehen über 250 000 Euro bei einem Zinssatz von 1,25 Prozent sowie einer Tilgung von 5 Prozent einen monatlichen Kapitaldienst von rund 1302 Euro aufbringen. Bei einer Zinserhöhung auf beispielsweise vier Prozent nach Zinsbindungsende müsste er bei gleichbleibender Tilgung einen monatlichen Kapitaldienst von 1875 Euro zur Bedienung des Kredites leisten. Diese Differenz wird für viele Kreditnehmer nicht aufzubringen sein, was den Verkauf der Immobilie zur Folge hat.

Neben Zinserhöhungen und gesetzlichen Vorgaben wird aber auch der demografische Wandel dazu führen, dass die Nachfrage nach Immobilien sinkt und somit eine Anpassung des Preises am Markt erfolgt. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung rechnet damit, dass die Bevölkerungsanzahl trotz Zuwanderung bis 2060 um etwa neun Millionen fallen wird. Die veränderte Bevölkerungsstruktur wird zu einer Konzentration in den Großstädten führen, wodurch kleinere Städte und Dörfer an Bedeutung verlieren. Dies wird insbesondere auf den peripheren ländlichen Raum der neuen Bundesländer zutreffen. Aber auch die veränderte Altersstruktur wird durch die vermehrte Immobilienfreisetzung im Zuge des Generatio­nenüberganges dazu beitragen, dass ein Angebotsüberhang an Immobilien stattfinden wird.

Vor diesem Hintergrund rechne ich damit, dass die Immobilienpreise zukünftig nicht weiter steigen werden.

Sie können Thorsten Behme auch eine E-Mail schreiben: behme@seeligerbank.de

Bild oben: Thorsten Behme, Direktor des Bankhauses C. L. Seeliger, rechnet damit, dass die Nachfrage nach Wohnimmobilien in der Region wieder sinkt und somit eine Anpassung des Preises am Markt erfolgt. Sein Kollege Ingo Meier vertritt in der Rubrik »Einspruch!« eine komplett andere Meinung.

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