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Wir müssen reden: Warum der ­Dialog zwischen ­Wissenschaft und Gesellschaft so wichtig ist Dienstag, 26 September 2017 14:10 Foto: Jörg Scheibe/oh

Wir müssen reden: Warum der ­Dialog zwischen ­Wissenschaft und Gesellschaft so wichtig ist

Autos können sich selbst steuern. Mittels Genschere kann unsere DNA ­präzise modifiziert werden. Plattformökonomie wirbelt Märkte und soziale Standards auf. Daten sind die neue Währung. Das rasante Fortschreiten technologischer Entwicklungen bringt viele Möglichkeiten, stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen. Nach welchen Regeln sollen autonome Fahrzeuge in kritischen Fällen agieren? Welche Eingriffe ins Erbgut halten wir für zulässig? Wie viel Digitalisierung verträgt eine Gesellschaft? Die Antworten darauf finden wir nicht im technischen Fortschritt selbst, sondern nur im gemeinsamen Austausch darüber, wie wir zukünftig leben wollen. Eine wichtige Basis dafür sind wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie sind die verlässlichsten Daten, auf die wir für unsere Entscheidungen zurückgreifen können. Wissenschaft dient der Versachlichung, dem Abstand nehmen von Einzelfall und Emotionalität.

Dabei hat die Wissenschaft keinen leichten Stand in einer Zeit, in der »Alternative Fakten« die Diskussion aufheizen und solide gewonnene Daten in Frage gestellt werden. Das ist alles nicht neu, aber noch nie konnten sich »Fake News« so rasant und weitflächig verbreiten und noch nie war Manipulation technisch so ausgereift. Wissenschaft hingegen liefert keine einfachen und schnellen Antworten. Sie sagt auch nicht, wo es langgeht. Mit ihren Ergebnissen zeigt sie Zusammenhänge auf und gibt Prognosen ab – die Entscheidungen über unser Handeln sind an anderer Stelle zu treffen: von jedem Einzelnen von uns im Alltäglichen, von Politikerinnen und Politikern im Abstecken des gesetzlichen Rahmens. Dabei kommen neben der Sachlage Werte und Interessen ins Spiel, es geht um das Abwägen von Gütern, Chancen und Risiken.

Dieser Meinungsbildungsprozess verlangt Mündigkeit und Informiertheit. Das wiederum setzt voraus, dass Wissen zugänglich gemacht wird und dass Beschränkungen der Erkenntnisgewinnung nachvollzogen werden können: Wissenschaftliche Erkenntnisse sind nicht d i e Wahrheit, sondern bieten das für diesen Moment beste Erklärungsmodell. Nicht selten gibt es konkurrierende Erklärungen für ein und dasselbe Phänomen.

Wo es keine einfachen Antworten gibt, bedarf es einer gemeinsamen ­Haltung – und dafür sollten Wissenschaft, Politik, Bürger- und Unternehmerschaft im Gespräch bleiben. Für nachhaltigen Fortschritt brauchen wir, braucht die Demokratie, den Diskurs – und Orte, die diesen Diskurs herstellen und moderieren. Die Region Braunschweig hat nicht nur eine facettenreiche wissenschaftliche Expertise, sowohl in Naturwissenschaften und Technik, als auch in Sozial- und Geisteswissenschaften, Kunst und Design, sondern hat sich bereits vor zehn Jahren mit dem Haus der Wissenschaft eine solche Plattform für den Dialog geschaffen: Bürgerinnen, Wissenschaftler, Unternehmerinnen und Politiker begegnen sich in unserem Haus auf Augenhöhe. Nutzen wir diesen Ort gemeinsam für eine gute Zukunft – für die Region und darüber hinaus.

Sie können Dr. Karen Minna Oltersdorf auch eine E-Mail schreiben: k.oltersdorf@hausderwissenschaft.org

Bild oben: Dr. Karen Minna Oltersdorf, Geschäfts­führerin der Haus der Wissenschaft Braunschweig GmbH – dessen Gründung sich in diesem Jahr zum zehnten Mal jährt. Informationen zum Haus der ­Wissenschaft und dessen Jubiläumsprogramm im Oktober finden Sie unter www.hausderwissenschaft.org/geburtstag.

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