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Digitalisierung: Fallstricke und Chancen für ­traditionelle Unternehmen Montag, 23 Oktober 2017 15:11 Foto: BMA

Digitalisierung: Fallstricke und Chancen für ­traditionelle Unternehmen

Wir werden jede Woche mit vielen Angeboten für Kongresse, Tagungen und Workshops zu Themen wie Industrie 4.0, Digitalisierung oder Internet of Things überschwemmt. Der Wahlkampf machte es sichtbar, dass Digitalisierung ein wesentliches Element in Parteiprogrammen geworden ist. Auf den ersten Blick scheinen viele Firmen schon wesentlich weiter zu sein als das eigene Unternehmen und Sorgen tauchen auf: Welches ist das nächste Unternehmen, das gegen übermächtigen Onlinehandel nicht ankommt? Das Nächste, das den Wechsel von analog zu digital verpasst? Nur zu deutlich spüren wir die Veränderungen, die Digitalisierung, schnelle Kommunikation und datenbasierte Technologien in der Gesellschaft, im Unternehmen und im privaten Bereich mit sich bringen.

Ein Reflex liegt nahe: Verdrängung des Themas mit Hinweis auf lange Tradition und Geschichte, etablierte Strukturen eines am Markt gut aufgestellten Industrieunternehmens sowie stabile Kundenbeziehungen, gegebenenfalls ergänzt um ein Alibiprojekt für Digitalisierung. Dies kann nicht der Weg in die Zukunft sein! Allerdings birgt auch das andere Extrem große Risiken: der breit angelegte Umbau des Unternehmens und seine Transformation in eine vollständig digitale Organisation ohne hinreichende Berücksichtigung der notwendigen firmenkulturellen Veränderungen. Schon allein die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Weiterentwicklung und Veränderung in traditionellem Produkt­geschäft und datenbasierten Geschäftsmodellen bergen Konfliktpotenzial. Bimodale Strukturen für die IT-Abteilung werden seit kurzem vorgeschlagen und eingeführt (und zum Teil schon wieder verändert). Braucht es in der Konsequenz zwei virtuelle Firmen in einem Betrieb, um sowohl das Stammgeschäft weiter zu betreiben und um parallel die neuen digitalen Geschäftsmodelle agil zu entwickeln und aufzubauen? Wie ist das Zusammenspiel zwischen diesen beiden Welten zu organisieren?

Die im Zuge der Digitalisierung anstehenden Veränderungen etablierter Geschäftsmodelle traditioneller Industrieunternehmen sind erheblich und sie sind sehr komplex. Zusätzlich sind Veränderungen der Unternehmenskultur unabwendbar. Dabei scheint es mir sehr wichtig zu sein zu realisieren, dass die Investitionen in die neuen digital-basierten Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle in der Regel vom traditionellen Geschäft verdient werden müssen. Eine Parallelität von traditionell und digital, von konventionell und agil ist unausweichlich und muss für einen in Jahren zu messenden Zeitraum stabil und abgestimmt funktionieren.

Nicht in jeder Industrie wird die Transformation disruptiv verlaufen – aber es könnte in jeder so kommen! Heute vorhandene Stärken müssen das Fundament oder besser noch das Sprungbrett sein, um mit Mut und Augenmaß traditionelle Industrieunternehmen für die Zukunft aufzustellen. Um diese Transformation zu gestalten, müssen Unternehmens­leitung und Management eigene Erfahrungen in der digitalen Welt machen und einbringen. ­LinkedIn, Facebook und Instagram dürfen nicht nur Themen von IT, Auszubildenden und Marketing sein.

Sie erreichen Uwe Schwanke über: uwe.schwanke@bma-de.com sowie auch über LinkedIn und Twitter.

Bild oben: Uwe Schwanke, CTO der BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG.

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