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Wer ist eigentlich … Isabel Ostermann? Donnerstag, 28 September 2017 11:17 Foto: Björn Hickmann

Wer ist eigentlich … Isabel Ostermann?

»Das ist mir zu psychologisch«, sagt Isabel Ostermann und lacht. Auf die namensgebende Frage unserer Unterrubrik hat die neue Operndirektorin am Staatstheater Braunschweig im Gespräch soeben ihren kompletten beruflichen Werdegang heruntergebetet – in einem ambitionierten Wort-pro-Minute-Verhältnis, und dabei kein einziges Wort abseits der geteerten Route ihres Curriculum Vitae geäußert.
 


Ein bisschen bohren muss, wer mehr erfahren möchte, über die Nachfolgerin von Philipp Kochheim. Mehr über den Menschen Isabel Ostermann, mehr zumindest, als dass sie gebürtige Braunschweigerin ist, bis in die 90er-Jahre bereits »20 tolle Jahre« in der Stadt verbracht hat, und auch als Mutter zweier Kinder ihren künstlerischen Beruf mit großer Leidenschaft ausübt. »Was soll ich sagen? Ich glaube ich bin ein sehr treuer Mensch. Ich versuche, Freundschaften zu pflegen, was ja nicht so leicht ist im Theaterbetrieb. Das zieht man oft so durch und hat dabei viele wechselnde Kollegen. Mir war und ist der Erhalt der Freundschaften – beispielsweise zu Schulfreunden nach Braunschweig – aber sehr wichtig.«

Das Theater als Zufluchtsort

Regisseur Hans Neuenfels soll einmal geäußert haben, dass im Theater komische Leute anzutreffen sind, die sich gegenseitig schützen. »Ein Zufluchtsort ist das Theater sicher«, meint auch Ostermann und empfindet diesen Umstand als durchaus angenehm. »Ich habe im Teenager­alter gespürt, dass ich irgendwie anders bin und andere Hobbys habe. Mit 16 gerne in die Oper zu gehen, ist nicht unbedingt normal. Da wird man schon schräg angeguckt in der Schule. Ich bin dennoch immer weiter im Theater gewesen und habe dort gemerkt, dass es noch andere in meinem Alter gibt, die genauso begeistert sind.«

Alles andere habe sich gefunden, meint die Operndirektorin. Obwohl es bis zum Selbsteingeständnis, dass die Musik mehr ist, als bloße Leidenschaft doch eine Weile gedauert hat. Ihr Studium der Medizin und der Molekularbiologie ließ sie daraufhin sausen, absolvierte stattdessen nach bestandener Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik Hans Eisler in Berlin ein Opernregie- und Musikstudium. Im Anschluss hat sie als Regisseurin gearbeitet, aber auch als Referentin des Intendanten an der Staatsoper Berlin und als Dozentin.

Berührungspunkte zur Wirtschaft

Als Chefin des Braunschweiger Musiktheaters setzt Ostermann in ihrer ersten Spielzeit auf eine Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Stoffen. Auf der Bildung des Gesangs-Ensembles liegt dabei ein besonderer Fokus. Insgesamt muss die 42-Jährige in ihrer neuen Tätigkeit etwa 200 Leute im Blick haben. Gerade in Phasen der Endproben gehe man quasi nur zum Schlafen nach Hause. 70 Wochenarbeitsstunden kämen schon mal zusammen. Dass da Menschenkenntnis und Managementqualitäten gefragt sind, liegt auf der Hand, weshalb sich positionelle Vergleiche zu Verantwortungsträgern in der Wirtschaft geradezu aufdrängen. Auch wenn Isabel ­Ostermann, deren Vater Dr. Bernhard Ostermann von Mai 1990 bis Mitte 1995 Präsident der IHK Braunschweig war, den Theaterbetrieb lieber mit einem Krankenhaus vergleicht, weil individuelle psychische oder pädagogische Reaktionen auf und neben der Bühne eine so große Rolle spielen: über die Berührungspunkte von Theater und Wirtschaft denke sie schon des Öfteren nach. »Natürlich sind auch die Theater auf dem Weg, modernere Unternehmen zu werden. Allerdings ist da noch sehr viel zu tun. Ich habe das Gefühl, viele Strukturen sind noch sehr altertümlich.« Die Operndirektorin könne sich unter anderem vorstellen, dass Unternehmensberatungen oder auch Psychologen in bestimmte Prozesse eingebunden werden.

Erholung in der Natur

Zeit für Hobbys und Privatleben abseits der »Institution Theater« bliebe unterm Strich kaum, skizziert die Heimkehrerin: »Das ist eine Lebensform, für die man sich entscheidet. Ich selbst versuche, viel in der Natur zu sein, Spaziergänge zu machen um runterzukommen. Wir versuchen allerdings schon ein bisschen, da gegenzugehen, zu gucken, dass wir auch alle irgendwie Privatleben haben. Theaterleben muss beispielsweise auch mit Kindern und Familie möglich sein.« Die ­Familie von Isabel Ostermann ist derzeit noch in Berlin, der Umzug mit Mann und Kind soll peu à peu erfolgen. Ihr erwachsener Sohn wird unterdessen seinen eigenen Weg gehen. Er arbeitet auf eine Karriere als Jazz-Musiker hin.
geschrieben von  pau