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Gärtner Datensysteme: »Schnelles Wachstum um jeden Preis kam für uns nicht in Frage« Donnerstag, 30 August 2012 13:43 Foto: Jörg Scheibe

Gärtner Datensysteme: »Schnelles Wachstum um jeden Preis kam für uns nicht in Frage«

»Als wir 1994 ins Geschäft mit dem Internet eingestiegen sind, kannten die meisten Leute das Wort gar nicht«, erinnert sich Dr. Stefan Gärtner: »Selbst größeren Firmenkunden mussten wir erklären, was das Internet ist und wie es funktioniert.« Das ist heute, wo das Internet das Alltagsleben beherrscht, kaum noch vorstellbar. Das Braunschweiger Unternehmen war der erste Internet-Provider in der Region und ist noch heute voll im Geschäft. Derzeit werden rund 120 meist mittelständische Unternehmen nicht nur aus der Region mit Dienstleistungen rund ums Internet versorgt.

Den dauerhaften Erfolg in dieser schnelllebigen Branche begründet Stefan Gärtner nicht nur mit der Qualität der Arbeit, sondern auch mit einer besonderen Firmenphilosophie, die etwa auf Lebensqualität, soziale Verantwortung und ökologisches Bewusstsein setzt. Gärtner Datensysteme ist schon ein etwas anderes Unternehmen – darin sind sich die vier Gesellschafter einig.

Das fängt schon mit dem Firmennamen an. Gegründet wurde das Unternehmen vor 20 Jahren von vier wissenschaftlichen Mitarbeitern verschiedener Informatik-Institute der TU Braunschweig, die miteinander befreundet waren: Christine Müller, Martin Neitzel, Ulrich Schwarz und Dr. Stefan Gärtner. Weil man als GbR Personennamen in der Firma haben musste, entschieden sie sich für Gärtner – das klang am besten.

Die vier sind entgegen allen Prognosen ihres Umfeldes noch immer zusammen – was im Wirtschaftsleben eher ungewöhnlich ist. »Wir sind sehr unterschiedlich, aber die Mischung stimmt«, meint Stefan Gärtner. Christine Müller fügt hinzu: »Wir waren uns von Anfang an über einige Grundsätze einig, an die wir uns bis heute halten. Und wir wussten, was wir nicht wollten.« Die vier wollten nicht sehr schnell um jeden Preis sehr erfolgreich sein. Sie wuchsen vielmehr organisch, finanzierten ihr Wachstum durchweg selbst, blieben so unabhängig.

»Alle Mitarbeiter müssen an einen Tisch passen«

Zugleich begrenzten sie ihre Größe. »Wir wollten immer nur so groß sein, dass alle um einen Tisch sitzen können«, erzählt Christine Müller. Inzwischen ist es ein sehr großer Tisch geworden, an dem 14 Personen Platz haben. Mehr sollen es nicht werden. Man habe schon mal einen Großauftrag abgelehnt, weil man dafür keine neuen Mitarbeiter einstellen wollte, deutet Christine Müller an. Mit der kleinen Mannschaft vermeide man Hierarchien, könne kooperativ führen, schnell und flexibel handeln, betont Ulrich Schwarz.

»Ungewöhnlicher Gründungsvertrag«

»Arbeit muss Lebensqualität sein«, meint Gärtner: »Wir leben die Personenfirma.« Alle Entscheidungen müssen von den Gesellschaftern einstimmig getroffen werden – auch wenn mitunter länger diskutiert werden muss. Martin Neitzel nennt ein weiteres Beispiel: Schon im Gründungsvertrag sei festgeschrieben worden, dass jeder ein Recht auf Teilzeitarbeit habe. Das haben bisher sowohl Gesellschafter als auch Mitarbeiter schon in Anspruch genommen – etwa für Zeiten der Kindererziehung. Neitzel arbeitet im Sommer beispielsweise häufig nur vier Tage in der Woche, weil er am fünften Tag mit seinem Rennrad ausgedehnte Touren in der Region unternimmt.

»Kunden-Schwerpunkt: Medien und Verlage«

Die gelebte Firmenphilosophie habe sich ausgezahlt, meinen alle vier Gesellschafter. Das Unternehmen hat rund 120 Firmenkunden. Schwarz: »Es sind durchweg Stammkunden. Sie scheinen mit uns zufrieden zu sein.« Als Internet-Provider setze man vor allem auf das Serverhousing, erläutert Gärtner. Im neuen Rechenzentrum, das vor einem halben Jahr in Betrieb genommen worden ist, stehen die Server von mehr als 100 Unternehmen, die von Gärtner-Mitarbeitern betreut werden. Das sichert den Kunden einen schnellen und direkten Zugang zum Internet.

Ein Kunden-Schwerpunkt ist der Medien- und Verlagsbereich. Bei Gärtner steht beispielsweise der Server der Online-Ausgabe der Wochenzeitung »Zeit«. Für den Westermann-Verlag wurde der erste Schulbuchkatalog fürs Internet gemacht oder eine inzwischen erfolgreiche Lern-Software für Kinder entwickelt.

Das Internet-Providing ist aber nur ein Geschäftsbereich. Gärtner Datensysteme berät Kunden bei der Planung und Konfiguration von Netzwerken, entwickelt maßgeschneiderte Software-Lösungen auf Unix/Linux-Basis und erstellt Sicherheitskonzepte für Firmen-Netzwerke.

»Ökologische Lösungen stehen im Vordergrund«

Dabei versuchen die vier Gesellschafter, ökologisch vernünftige Lösungen zu realisieren. Sie nutzen fürs eigene Unternehmen seit 2008 ausschließlich Ökostrom. »Für unser neues Rechenzentrum haben wir eine besonders energieeffiziente Kühlung entwickelt«, berichtet Christine Müller. Rechenzentren verbrauchten, weil sie ständig gekühlt werden müssen, sehr viel Strom. Das neue Zentrum werde mit Hilfe einer speziellen Steuerung weitgehend (mehr als 200 Tage im Jahr) nur mit Außenluft gekühlt. Das bringe eine Stromeinsparung von mindestens acht Prozent, fasst Christine Müller zusammen. Das Konzept sei für den Wettbewerb Green-IT-Award eingereicht worden.

Bild oben: Sie kennen sich seit ihrer wissenschaft­lichen Tätigkeit an der TU Braunschweig und pflegen eine Firmenphilosophie, die auf Lebensqualität, sozialer Verantwortung und ökologischem Bewusstsein beruht. (V. l.:) Ulrich Schwarz, Dr. Stefan Gärtner, Martin Neitzel und Christine Müller.

geschrieben von  sie