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Drei Welterbestätten der Superlative Montag, 06 Februar 2017 10:09 Foto: Frank Bierstedt

Drei Welterbestätten der Superlative

Gerhard Lenz: Großartige Kulturlandschaft noch stärker vermarkten

Gerhard Lenz hat eine Vision: »Künftige Besucher sollen in unseren modernen Informations­zentren, in unseren hochqualitativen Museen und in unserer großartigen Harzlandschaft ­Kultur so wahrnehmen, dass es ein sinnliches und spannendes Erlebnis ist und darüber hinaus auf ­spielerische Weise Spaß macht.« Lenz ist seit fünf Jahren Chef des Besucherbergwerks und Museums Rammelsberg und zugleich Direktor der ­Stiftung Unesco-Welterbe im Harz. Zu der gehören neben dem Rammelsberg noch die beiden Welterbe­stätten ­Altstadt von Goslar und die Ober­harzer Wasserwirtschaft.

Die Stiftung ist für die Erschließung und die inhaltliche Vermittlung der drei Welterbestätten zuständig und arbeitet bei deren Vermarktung eng mit den lokalen Tourismus-Einrichtungen zusammen. Das Harzer Welterbe umfasst eine Fläche von 200 Quadrat­kilometern, auf denen neun Museen und Bergwerke, 20 Baudenk­mäler und rund 900 meist öffentlich zugäng­liche Objekte zu sehen sind.

Um diese Vision zu realisieren, muss im Harz noch viel getan werden. Man sei auf einem guten Weg, meint Lenz. Die Voraussetzungen sind ja auch überaus günstig. Alle drei Welt­erberstätten können mit Superlativen aufwarten. Die Altstadt von Goslar ist nach Unesco-­Meinung eine der bedeutendsten geschlossen erhaltenen Städte der Welt. Hier stehen 1500 Fachwerkhäuser und historische Gebäude aus vier Jahrhunderten.

»107 Teiche, 340 Kilometer Wassergräben«

Der Harz ist in Europa die älteste und war die größte Bergbauregion für Silber, Kupfer, Blei und Zink. Der Rammelsberg, der 1988 geschlossen worden ist, war als einziges Bergwerk in der Welt mehr als 1000 Jahre in Betrieb. Und die Oberharzer Wasserwirtschaft war mit ihrem Netzwerk aus Teichen, Gräben und unterirdischen Wasserläufen das größte vorindustrielle Energieverbundsystem der Welt. So wurde Wasser für die Arbeit in den Bergwerken gesammelt und transportiert. Noch heute gibt es 107 Teiche, 340 Kilometer Wassergräben und 30 Kilometer Wasserläufe. Erfinder dieses Wassersystems waren im 13. Jahrhundert die Zisterzienser-Mönche des Klosters Walkenried im Südharz. Deshalb gehört Walkenried auch zum Welterbe.

»Der große Vorteil des ­Welterbes Harz«

Das Welterbe Harz habe gegenüber vielen anderen der insgesamt 1052 Unesco-Welt­erbestätten den großen Vorteil, dass es sowohl ­Kultur als auch Natur bietet, betont Lenz: »Diese Schnittmenge müssen wir herausstellen, weiter entwickeln und touristisch noch stärker vermarkten.« Lenz kann dafür vielfältige berufliche Erfahrungen in den Bereichen Museen, Architektur, ­Kulturmanagement und Touristik einbringen.

»Jede Attraktion braucht ein eigenes Profil«

Dabei versteht sich Lenz als Kommunikator, der Kommunen und Institutionen des Harzes zusammenbringt, Netzwerke aufbaut und Projekte mit anschiebt. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Harz wachse, stellt Lenz fest, und damit die Einsicht, dass alle profitierten, wenn die Region insgesamt vorankomme. Lenz: »Es bringt nichts, sich gegenseitig Besucher abzujagen. Es ist besser, insgesamt mehr Besucher anzulocken und sich die gegenseitig zu vermitteln.« Dabei müsse jede touristische Attraktion ein Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten und ein eigenes Profil entwickeln.

Für »seinen« Rammelsberg kann Lenz erste Erfolge vorweisen. Man habe in den vergangenen Jahren ein Medien- und Marketingkonzept entwickelt, berichtet Lenz. Das wirke sich nun positiv aus. 2016 habe man erstmals mehr als 100 000 Besucher registriert. Lenz: »Damit gehören wir zu den fünf Prozent der deutschen Museen, die über der 100 000-Marke liegen.« Es kämen neue Besuchergruppen, vor allem Familien und kleine Freundes-Gruppen – meist gut vorinformiert und mit klaren Vorstellungen. Der Anteil ausländischer Besucher sei auf 20 Prozent gestiegen. »Auf diese Entwicklung haben wir uns gut eingestellt«, betont Lenz.

»Sprung über die 100 000 Besucher-Marke«

Für das gesamte Welterbe sind erste Projekte angeschoben und dafür erfolgreich Fördergelder eingeworben worden. Problematisch sei eher die Grundfinanzierung für das museale Alltagsgeschäft, stellt Lenz fest. Er wünscht sich hier auch von der Wirtschaft der Region ein noch stärkeres Engagement.

»Drei Informationszentren«

Ab Mitte 2018 sollen drei Informationszentren für das Harzer Welterbe in Goslar, Claus­thal-Zellerfeld und Walkenried eröffnet werden. Dafür gibt es Gelder von der EU und aus dem »Südniedersachsenprogramm« des Landes. In diesen Zentren soll mit modernster Technik über das große Kultur- und Freizeitangebot der drei ­Welterbestätten informiert und Angebote gemacht werden. Das erste Zentrum soll im ­historischen Rathaus von Goslar eröffnet ­werden. Das liegt am Marktplatz, der jährlich von vier Millionen Menschen frequentiert wird. Lenz: »Einen besseren Standort gibt es nicht, um für das Welterbe zu werben.«

»Neue Präsentrations­technik für vier Bergwerksmuseen«

In einem zweiten Projekt, für das es Förder­gelder von der Bundeskulturstiftung gibt, sollen vier Bergwerksmuseen mit neuesten Präsentationstechniken ausgestattet und miteinander vernetzt werden. »Diese Museen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand«, erklärt Lenz. Beteiligt sind das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld, der 19-Lachter-Stollen in Wildemann, die Grube Samson in St. Andreasberg und der Schacht Knesebeck in Bad Grund.

Ein weiteres Projekt: Mittelfristig sollen im ­Welterbegebiet 15 »Erkenntniswege« entwickelt werden: Rundwege zum Wandern und zum Lernen, bis zu fünf Kilometer lang, die mit Landschaftsinstallationen, App-Anbindungen oder klassischer Beschilderung ausgestattet werden. Drei Wege sind in Clausthal-Zellerfeld bereits in Betrieb. Einer informiert beispielsweise über das Wirken des Wissenschafts-­Genies Gottfried Wilhelm Leibniz, der vor 330 Jahren vor Ort über den Harzer Bergbau forschte.

»15 Erkenntniswege geplant«

Mit den kulturellen Attraktionen des Welterbes, kombiniert mit der Harzer Freizeitlandschaft, sollen mehr Besucher angelockt werden. Lenz‘ Fazit: »Unser Ziel muss es sein, dass die ­Menschen, die das Welterbe besuchen, länger im Harz bleiben, beispielsweise einen Kurz­urlaub dranhängen.«

Bild ganz oben: Gerhard Lenz

geschrieben von  sie