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Walking to the Moon Montag, 12 Dezember 2016 09:13 Foto: Peter Pohl

Walking to the Moon

14 Gitarren im Wohnzimmer? »Nein, so viele sind das nicht«, sagt Pavol Munk. Dann zählt er sie selbst durch. Und wirkt überrascht: »Und zwei weitere sind noch bei meinem Sohn.« Der Inhaber von »Paulis – Das Veranstaltungsbüro« ist ein großer Musikfan. Er spielt und komponiert zu Hause viel. Von ihm stammt zum Beispiel »Walking to the Moon«, das The Lords 1989 aus einer kleinen Krise half. Er schrieb für den belgischen Sologitarristen Francis Goya und arbeitete ein Jahr lang für den tschechischen Regisseur Alan Vydra.

In seiner Wohnung im Östlichen Ringgebiet hat Pauli ein eigenes Tonstudio. »Ich bin hier täglich«, erzählt der 66-Jährige. »Ich komponiere nicht, um bekannt zu werden. Die Songs sind eher wie ein Tagebuch.« Wie begleitet seine Frau das Hobby? »Sie ist mein Controller. Ein Komponist ist meist euphorisch. Ihm gefällt sein Song, aber die erste Version ist meistens noch lange nicht das Ende.« Er erzählt über verschiedene Gitarren. Daniela Woosmann zeigt sie. »Das ist meine Aufgabe«, sagt sie lächelnd. »Ich halte immer die Gitarren.«

»Im Robinson Club ­kennengelernt«

Kennengelernt haben sich die beiden einst bei einem Seminar der Robinson Club GmbH in ­Portugal. »1968 war ich aus der Tschecho­slowakei abgehauen, als die Truppen des Warschauer Paktes einmarschierten. Daniela habe ich dann bei einer Ausbildung für Animateure kennengelernt. Ein Jahr später war ich im Club im griechischen Daphnila zuständig fürs Abendprogramm. Sie war meine Chefin.« Auf Mallorca, der nächsten Station, waren sie schon ein Paar. Vier Jahre später wechselten sie zusammen in den Robinson Club auf Fuerte Ventura. In Braunschweig leben sie nun seit 1989. »Projektentwickler Klaus-Michael ­Schlüter hatte uns besucht, gemocht und gesagt: ›Ich baue in Braunschweig das Play Off. Wollt ihr nicht kommen?‹ Da habe ich gesagt: Wo ist Braunschweig bitte?«

»Braunschweig ist unsere Traumstadt«

Braunschweig schaute er sich dann trotzdem an. »Das war gleich eine Traumstadt für uns. Wir sagten: Da bleiben wir. Ich war sofort verliebt«, erinnert er sich. »Wir sind hier richtig zufrieden – auch weil wir das Megaglück hatten, 27 Jahre am Stadtrand zu wohnen. Wir haben gute Freunde hier und gehen oft mit unserem Hund spazieren. Es ist eine wunderbare, gut funktionierende kulturelle Stadt.«

»Warum Hape Kerkeling nicht im Stadion auftritt«

Aufgrund des großen kulturellen Angebotes habe sein Konzertbüro die hiesigen Veranstaltungen von rund 50 auf rund 30 reduziert, berichtet Pavol Munk. Bundesweit veranstaltet er 200 bis 240 Shows pro Jahr. Darunter sind zum Beispiel 60 Gastspiele der Johnny-Cash-­Tributeshow »The Cashbags« und im Sommer 44-mal »Nabucco.« In Braunschweig präsentiert Paulis 2017 zum Beispiel Chris de Burgh und Musicals wie »Daddy Cool«; in Wolfenbüttel erstmals eine Wrestling-Show mit 14 Kämpfern.

»Das Veranstaltungs­geschäft wird schwieriger«

Das Veranstaltungsgeschäft werde indes immer schwieriger: »Wir spielen an gegen die mediale Konkurrenz. Warum sollen etwa die älteren Herrschaften so oft zu Konzerten gehen wie früher, als sie noch keine 380 Programme hatten? Wir merken auch, dass in vielen Köpfen das Spektakuläre mehr gilt als das Qualitative. Mario Barth zum Beispiel ist Kult, aber von der Qualität her nicht so gut, dass er ein Stadion vollkriegen müsste.« Er habe mal Hape ­Kerkeling engagiert, berichtet Pavol Munk. »Ich fragte ihn: Warum trittst du nicht mal im Stadion auf? Er meinte: Da sehen die Leute nicht meine Augen. Wenn sie nur auf die Leinwand schauen, können sie auch zu Hause bleiben. Ich möchte, dass sie meinen Schweiß sehen.« Hinzu komme: Die Konditionen für Veranstalter verschlechterten sich. »Unsere Gewinne werden heute sehr schwer erarbeitet. Es ist immer mehr Arbeit und weniger Geld. Einerseits werden die Veranstaltungen teurer, zum Beispiel durch die Gema. Der Break-even ist immer schwerer zu erreichen.«

»Was Braunschweig ­zunehmend fehlt«

Beide bedauern, dass es kaum noch kleine Veranstaltungsorte in Braunschweig gibt. Pavol Munk ist Fan der US-amerikanischen Drama-­Fernsehserie »Nashville«. »Da gibt es einen 90-Plätze-Club, das Bluebird. An jedem Abend treten dort Künstler auf«, erzählt er. »Diese Art von Lokalitäten würde auch in Braunschweig boomen: ein Club mit niveauvollem Essen, schöner Bühne, guter Anlage und Künstlern, die sich nach dem Auftritt ins Publikum setzen und anderen zuschauen. Hier gibt es eine unglaublich tolle, hochkarätige Musikerszene.«

»Unspektakuläres hat oft große Wirkung«

Das Geschäft macht Pavol Munk trotz der veränderten Rahmenbedingungen nach wie vor großen Spaß: »Wir machen weiter, bis wir umfallen.« Neben Konzerten und Shows organisiert das elfköpfige Team regelmäßig auch das Programm für private Feiern, Galas und ­Firmenevents. »Unser Talent ist, die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Sagt einer als erstes, er hat eine Viertelmillion Euro Budget, dann sage ich: Wichtiger ist, was Sie mit der Party erreichen möchten. Tritt ein Star auf, reden nachher alle über den Star, aber nicht über die Firma und die Gäste.« Als langjährige Animateure wissen die beiden genau, dass oft auch ­Unspektakuläres große Wirkung erzielen kann. »Auf einer Firmen­feier von Borek standen zum Beispiel mal sechs Mitarbeiter auf der Bühne und gurgelten ein Lied. Wer es als Erster erriet, bekam einen Preis«, erzählt Daniela Woosmann. Pavol Munk ergänzt: »Richard Borek hat sich kaputtgelacht. Er war begeistert, wie viel Humor seine Mitarbeiter haben.«

Bild ganz oben: Pavol »Pauli« Munk und Daniela Woosmann haben bereits zweimal über 300 Führungskräfte und Animateure des Robinson Clubs zu einem Treffen nach Braunschweig geholt.

geschrieben von  wo