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Das ganze Haus ist naturverbunden Dienstag, 14 März 2017 09:04 Foto: Frank Bierstedt

Das ganze Haus ist naturverbunden

Das Haus der Familie Stein in Lehndorf wurde 1997 als erstes Haus in Braunschweig als Null-Heizenergiehaus gebaut. Burkhard Stein: »Wir haben eine Erdwärmepumpe, mit der wir das ganze Haus beheizen. Den Strom für die Wärmepumpe erzeugen wir über die Photovoltaikanlage auf dem Dach.« Selbstverständlich nach Süden ausgerichtet. »Den Strom für das Licht und den Herd müssen wir kaufen, aber Heizkosten haben wir keine.« Keine Heizkosten? Das war auch der Braunschweiger Zeitung einen Bericht wert.

Natürlich wurden Burkhard und Jutta Stein häufig auf ihr Haus angesprochen. Klappt das auch? Friert ihr nicht? »Nein, eigentlich ist uns eher zu warm.« Das Haus ist ausgezeichnet isoliert, die Wände haben dreißig Zentimeter Isolierung ringsum. Hinzu kommt eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Fußbodenheizung in allen Bereichen, als Fußboden Parkett, Fliesen und Kork. »Das ganze Haus ist naturverbunden. Das hat auch mit meinem Beruf zu tun. Ich gehe einfach gern mit Holz um.«

Burkhard Stein wurde mit dem Klavierbau groß. Schon sein Großvater und sein Vater waren ­Klavierbauer. »Mein Großvater hatte in Marburg ein Musikgeschäft mit dem Schwerpunkt auf Klaviere. Mein Vater hat das Geschäft übernommen und seit jeher haben wir auch Instrumente von Grotrian-Steinweg verkauft.« Was lag da näher als anzufragen, ob der Junior seine Ausbildung bei Grotrian-Steinweg in Braunschweig machen könnte? Er konnte. Das ist nun über 30 Jahre her.

»Meine ganze ­bisherige berufliche Laufbahn ­verbindet mich mit ­Grotrian-Steinweg«

Nach der Lehre als Klavierbauer machte ­Burkhard Stein noch eine Ausbildung zum Industriekaufmann, fing 1991 wieder bei Grotrian­-Steinweg bei der (europaweiten) Kundenbetreuung an, wurde später Assistent von Knut Grotrian-Steinweg und, als dieser in den Ruhestand ging, im Jahr 2000 sein Nachfolger als Geschäftsführer. »Meine ganze bisherige berufliche Laufbahn verbindet mich mit ­Grotrian-Steinweg.« Sein ganzes Familienleben verband ihn schon früh mit seiner Frau Jutta.

Burkhard Stein lernte sie als Zivildienstleister in einem Ferien- und Bildungszentrum im Sauerland kennen. Er betreute die Gäste, sie leitete als Ökotrophologin die Küche und Hauswirtschaft. Das Ehepaar hat vier Kinder, Nils, Dominik, Mirja und Ellen, alle inzwischen erwachsen und mehr oder weniger aus dem Haus. Die Jungen studieren, Mirja ist Ergotherapeuthin in Berlin, Ellen hat jüngst Abi gemacht, absolviert gerade ihr Bundesfreiwilligenjahr bei den Johannitern und will Lehramt studieren. Welches Fach? Musik!

Alle Stein-Kinder spielen Instrumente. Alle sind aktive Musiker. Dominik spielt in einer Band, aktuell Cajon (ausgesprochen Kachon), eine ­Kistentrommel ursprünglich aus Peru. Ellen spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier, Mirja Saxophon und Nils Schlagzeug. Wer die Musik liebt, wird niemals ganz einsam sein, sagte einst Beethoven. Und vielleicht führt, wer die Musik liebt, auch ein besonders glückliches Familienleben? Kinder wie Eltern Stein haben lange Zeit im Gospelchor gesungen und innerhalb von Konzertreisen viele Länder besucht: Frankreich, Kanada, Estland, Polen, Norwegen. In Schweden gab es ein Open Air-Konzert. »In Portugal haben wir in einem Kino gesungen, akustisch eine Herausforderung.« Heute singen die Eltern im Bach-Chor der Friedenskirche an der Kälberwiese: Bachkantaten, Weihnachts­oratorien. Musikalisch anspruchsvoll!

»Hobbys? Musik, Ski­abfahrtslauf und Tanzen«

Überhaupt: Talente wollen gefördert ­werden. Außer der Musik ist auch das Sportliche in der Familie beheimatet. Burkhard Stein: »Wir mögen Norwegen sowohl im Sommer wie auch im Winter. Wir sind alle Skifahrer, Abfahrtslauf.« Die Familie fährt regelmäßig nach Norwegen, nach Österreich und in die Schweiz. Aber der Harz ist doch so nah! »Da fahren wir nicht hin. Wenn da mal Schnee liegt, ist uns da zu viel los.«

Es wird nach wie vor viel problematisiert über die Vereinbarung von Mutterschaft und Berufsausübung. Und es ist nach wie vor eine Herausforderung. Auch Jutta Stein hat lange Zeit nicht in ihrem Beruf gearbeitet. Sie war sechzehn Jahre lang Tagesmutter und bewarb sich, als ihre Jüngste zehn Jahre alt war initiativ bei Financial Services, der Bank von VW. Sie bekam die Küchenleitung der Kita: zweihundert Kinder, fünf Mitarbeiter, viel Verwaltung, Planung, Meetings. Heute leitet sie die Küche der Krippe »Spatz 21«. Und tanzt.

Das Ehepaar hat vor eineinhalb Jahren mit dem Tanzen angefangen und besucht seitdem regelmäßig Kurse: Standard, Cha Cha Cha, Jive. ­Burkhard Stein: »Man muss den Rücken fit halten.« Langsamer Walzer. Bloß kein Wiener ­Walzer: »Da muss man schwindelfrei sein.«

Bild ganz oben: Familie Stein in der Kuschelecke. Von links: Dominik, Ellen, Jutta und Burkhard Stein.

geschrieben von  maru