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»Hier ist alles ein bisschen entspannter« Mittwoch, 05 Juli 2017 10:47 Foto: André Pause

»Hier ist alles ein bisschen entspannter«

Wer in der Region Braunschweig Stiftung sagt, muss auch Malte Schumacher sagen. Seit etwas mehr als zwei Jahren ist der gebürtige Ostfriese Geschäftsführer der EngagementZentrum gGmbH, einer Tochtergesellschaft der Volksbank BraWo. Zu seinem Arbeitsplatz im Business Center II am Willy-Brandt-Platz sind es nur ein paar Fußminuten. Bei weitem nicht der einzige Vorteil der schmucken Altbauwohnung in der Leisewitzstraße, die Andrea und Malte Schumacher vor nunmehr 16 Jahren gekauft haben.

»Das ist so eine typische Braunschweiger Geschichte. Wir haben als Studenten hier um die Ecke in der Georg-Wolters-Straße gewohnt, in einer Studentenbude. Da haben wir gemerkt, dass dieses Bahnhofsviertel Viewegsgarten fast alles hat, was man braucht. Klar, es fehlen auch ein paar Sachen. Es gibt hier keine Kneipen und, abgesehen vom BrawoPark, eigentlich keine Läden mehr. Aber: Du hast Parkraum und nicht so viele Menschen wie im östlichen Ringgebiet. Und die Bahnhofsnähe sehe ich weiterhin als ganz entscheidenden Vorteil, gerade bei Dienstreisen. Insgesamt finde ich es total großartig hier«, sagt der Stiftungsexperte. »Stimmt, hier ist alles ein bisschen entspannter«, findet auch seine Frau Andrea.

»Davor fand ich ihn doof«

Kennengelernt hat sich das Paar einst in der Lucklumer Diskothek Schlucklum, wobei der Funkenflug erst mit einiger Verspätung, am Vorabend des WM-Finales 1990, bei der Geburtstagsfeier eines gemeinsamen Freundes in Hamburg einsetzte, wie beide übereinstimmend berichten. »Davor fand ich ihn immer doof, und er mich auch, glaub ich«, schmunzelt die studierte Romanistin, die heute in Wolfsburg bei Volkswagen im Vertrieb arbeitet. Malte Schumacher sitzt ihr am langen Esstisch gegenüber, nascht mit einem Piekser in der Schale mit eingelegten Oliven und stutzt gespielt verständnislos.

Der studierte Historiker und zertifizierte Stiftungsmanager ist ein Kind der Region: in Wolfenbüttel groß geworden, hat in der Lessingstadt das Abitur gemacht und den Zivildienst absolviert. Zum Studieren sollte es dann eigentlich nach Berlin gehen, doch die Wohnungssuche im Westteil der heutigen Hauptstadt war schon 1988 alles andere als ein Vergnügen: »Nach zwei Wochen in diversen Treppenhäusern, Seite an Seite mit Berliner Schnauzen, habe ich mir gesagt: das ist alles Quatsch. Das war unterirdisch, ich kam mir rückblickend vor wie in einem schlechten Sönke-Wortmann-Film. Am Ende hat mich dort nichts mehr gereizt.«

»Braunschweig – genau richtig«

Also ging es nach Braunschweig, in eine Wohngemeinschaft. »Für mich war das genau richtig: Ich habe hier studiert und hinterher gut in die Jobs reingefunden, obwohl ich so einen Quatsch wie Geschichte und Germanistik auf Magister studiert habe. Als ich gerade an einen Wechsel dachte, wurde an der TU der Lehrstuhl für Wissenschafts- und Technikgeschichte eingerichtet. Da hat es Klick gemacht«, erzählt Malte ­Schumacher, der die Magisterarbeit bei Volkswagen geschrieben und dort im Anschluss noch knapp zwei Jahre gearbeitet hat. Danach habe es ihn jedoch immer mehr vom wissenschaftlichen Schreiben weggezogen. Nach einigen Jahren des Einzelkämpfertums im PR-Bereich holte Gerd-Ulrich Hartmann ihn 2005 in die damalige Stiftung Nord/LB-Öffentliche (heute Die Braunschweigische Stiftung). Die dort gefragte Melange aus Kommunikationsstärke, Regionsbewusstsein und regionalhistorischer Expertise passte gut zur Schumacher-Bio, die der heute 50-Jährige mit einer Weiterbildung zum zertifizierten Stiftungsmanager 2007 perfekt abrundete. »Ich habe gleich gemerkt, dass ich das Thema spannend finde, mich dann auch richtig reingekniet. Trotzdem bin ich 2011 dort raus, weil ich mit allen Non-Profits zusammen­arbeiten und Engagementberatung machen wollte. Das habe ich zunächst drei Jahre solo gemacht, bis die Volksbank BraWo auf mich zukam«, skizziert Schumacher, der sich seither im Bereich Fundraising kontinuierlich fortgebildet hat.

»Ein Altbau-Traum«

Wären nicht ein paar Häuser dazwischen, könnte Malte Schumacher vom weitestgehend unverbauten Südbalkon der 135-Quadratmeter-­Wohnung mit den vier Meter hohen Wänden direkt in sein heutiges Büro schauen. Die Immobilie würden wohl nicht wenige als einen »Traum« bezeichnen. Die Schumachers waren 2001, dem Jahr ihrer Hochzeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort: »Kaum hatten wir es gewagt, nach einer Kaufimmobilie zu gucken, standen wir eines Mittwochs, nachdem unsere Vorbesitzerin sie kurz vorher inseriert hatte, hier in dieser Wohnung. Da wir das Viertel kannten, wussten wir: das passt. Die Bude hat uns vom ersten Augenblick an gefallen.« Sukzessive haben die Schumachers das Wohnzimmer, die Küche und das Badezimmer neu machen lassen. Im Laufe der Zeit gelangte außerdem mehr Farbe an die Wände. »Jetzt gucken wir manchmal schon nach einer altersgerechteren Wohnung, aber das ist momentan einfach ein blöder Zeitpunkt. Wir haben ein paar Penthouse-Buden angeguckt, doch selbst wenn man sich verkleinern würde: das kannst Du nicht bezahlen, das sind völlig irrationale Preise, die da aufgerufen werden.«


Ohnehin sei er hin- und hergerissen, meint Malte Schumacher, eben weil es in der Leisewitzstraße so schön ist: »Die Bäume, die breiten Straßen, Du siehst nicht sofort auf das nächste Haus. Und dann ist die Hausgemeinschaft auch einfach super.« Als Beispiel führt er die vier Gartentage im Jahr an, zu denen sich alle Eigentümer treffen und im Vorgarten rumfummeln. Bei den damit einhergehenden Eigentümer- und Bewohner-Grillfesten seien im Laufe der Jahre echte Freundschaften entstanden.

»Kunst von Freunden«

Und auch in ihrem Domizil haben es sich Andrea und Malte Schumacher behaglich eingerichtet. Dass sie die einzige Wohnung im Haus erwischt haben, die – zumindest partiell – noch originalen Stuck hat, trägt zum stimmungs­vollen Gesamtbild ebenso bei, wie die Kunst an den Wänden. »Als Kunstsammler würde ich uns jetzt nicht bezeichnen, aber wir kennen halt viele Künstler. Von denen hängen wir uns immer wieder was an die Wand«, erzählt der Stiftungsmanager. Eine großformatige Fotografie von Yvonne ­Salzmann (»Der Joker«, in Luzern fotografiert) hängt im Wohnzimmer. Weitere Arbeiten unter anderem von Sina Heffner, Michael Nitsche und Fehmi Baumbach wurden in Petersburger Hängung im Esszimmer platziert. Eine besondere Beziehung haben die Schumachers zu einer comic-haft gestalteten Themencollage von Franz Burkhardt, welche der Künstler quasi als Auftragsarbeit angefertigt hat.

»Gemeinsame ­Fußball-Liebe«

Von der Kunst bis zum Fußball – Andrea und Malte Schumacher sind große Eintracht-Fans, zu finden im Block 6 – sind es nur ein paar Schritte. In einer Nische hängen stark vergrößerte Sammelbilder aus den 60er-Jahren mit faksimilierten Unterschriften. Die Originale hat der Hausherr (»In der Eintracht-Ecke darf ich mich austoben«) einst bei eBay ersteigert. Nach zehn Tagen Zwischenablage auf dem Schreibtisch des benachbarten Arbeitszimmers wurden sie einem Künstler-Freund zum Vergrößern gegeben.

Durch die altbautypisch schmale Küche geht es schließlich auf den Balkon. Schnell wird klar: den Grünen Daumen haben die Eheleute – beide müssen grinsen – nicht unbedingt. Ein paar Pflanzen halten sich dennoch ganz wacker. An einer Seitenwand hängt ein wetterfestes Banner mit einem Foto der Bucht von Cascais in Portugal. »Wenn, wie jetzt gerade, die Sonne scheint, Du hier abends sitzt und die Mauersegler ziehen ihre Runden, dann kommst Du richtig runter«, sagt Malte Schumacher. Stimmt: Hier ist eben alles ein bisschen entspannter.

Bild oben: Andrea und Malte Schumacher fühlen sich in ihrer Altbauwohnung im Stadtteil Viewegsgarten pudelwohl.

geschrieben von  pau