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Das Haus am See Freitag, 29 September 2017 11:25 Foto: André Pause

Das Haus am See

»Haben Sie Angst vor Hunden?«, fragt Aline Wandt aus der Eingangstür schauend in Richtung Pforte. Wer als Besucher die Klingel am Eingang des schmucken Hauses im Braunschweiger Stadtteil Querum betätigt, in dem die 39-Jährige mit ihrem Lebensgefährten Marco ­Arnemann und ihren zwei kleinen Kindern Junis (3) und Teresa (4) seit vier Jahren wohnt, ruft in der Regel auch Lowis auf den Plan. Der acht­jährige ungarische Vorstehhund ist aufgeweckt und aufmerksam. Für den Gast bringt er vor lauter Freude schon mal einen Knochen mit.

Manchmal nehme sie den im Rahmen einer Jagd­ausbildung vorbildlich erzogenen Magyar Vizsla auch mit zur Arbeit. »Da streift er dann durch die Büros und greift die Leckerlies ab«, lacht Aline Wandt. Seit fast zwei Jahren führt sie die traditionsreiche Braunschweiger Spedition Wandt als geschäftsführende Gesellschafterin gemeinsam mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Anthony und Vater Gerhard. Nach dem Ausscheiden von Adalbert Wandt, dem Onkel der Geschwister, sei somit »die Hälfte des Generationswechsels« vollzogen. Der Ausstieg von Vater Gerhard in zwei Jahren wird bereits vorbereitet. Im Fokus der Geschwister steht derzeit die strategische Ausrichtung des Unternehmens für die Zukunft.

Kein Rechnen in ­Wochenstunden

Aline und Anthony Wandt verstehen sich bestens, selbiges trifft auf ihre Familien zu. Gerade an Wochenenden, aber auch zwischendurch wird sich gegenseitig in Querum oder in Veltenhof besucht. Dort steht wenn man so will die Wiege der Unternehmerfamilie. Auch Anthony Wandt wohnt mit seiner Lebensgefährtin ­Franziska Zick und Tochter Élise dort, unweit des mittelständischen Betriebes, dessen Standort in der Hansestraße ist. Bei den jungen Gesellschaftern, so betonen beide, gehe es freilich auch im Rahmen der privat anberaumten Treffen oft ums Berufliche. »Unter 50 Stunden arbeiten wir eigentlich nie. Obwohl wir im Grunde nicht in Wochenstunden rechnen. Wir sind mit dem Unternehmertum aufgewachsen. Bei uns gibt es keine Work-Life-Balance, wo wir zwischen Beruf und Privatleben strikt trennen würden. Wir schließen damit ja nicht ab. Wenn ich mit meiner Tochter am Wochenende hier herkomme, spielen alle miteinander und wir quatschen darüber, was Freitag noch passiert ist«, skizziert Anthony Wandt, der es darüber hinaus jedoch vermeidet, Arbeit mit nach Hause zu nehmen. »Da möchte ich mich auf meine Familie konzentrieren. Ich würde immer eher eine halbe Stunde länger in der Firma bleiben, damit ich anschließend bewusst zuhause sein kann und nicht mit Unterlagen am Abendbrottisch sitze.«

Verquickung der ­Wohnbereiche von Kindern und ­Erwachsenen

Ohne verständnisvolle Partner, die in Hochzeiten im Job den Rücken freihalten, wäre das Pensum kaum zu schaffen, betont das Geschwisterpaar unisono. Aline Wandt lobt ihren Partner Marco Arnemann – der vielen Braunschweigern als Gründer der gastronomischen Institutionen Soleil und Sonnendeck Süd bekannt ist und heute als Banker arbeitet – diesbezüglich über den berühmten grünen Klee: »Er macht wirklich viel. Manchmal bin ich, da geht es meinem Bruder ja ähnlich, so eingespannt, dass ich meine Kinder den ganzen Tag nicht sehe. Dafür wird sich an den Wochenenden zuhause getummelt.«

Das Domizil in der Querumer Margarethenhöhe ist dafür wie geschaffen. Auf 200 Quadratmetern, türlos und offen gestaltet, fließen die einzelnen Wohnbereiche harmonisch ineinander: Küche und der von zahlreichen Familien­fotos gesäumte Ess­bereich, oder aber der Heimarbeitsplatz mit dem Spielraum für Kinder. Diese Verquickung ist gewollt. »Die Kinder sollen Mittelpunkt sein«, findet Aline Wandt. Und so stehen die Bobby-Cars sowie ein liebevoll in den originalen Firmenfarben lackiertes Retro-­Kindermobil hübsch verteilt im Wohnzimmer. Im 100 Quadratmeter großen Kellerbereich schraubt Partner Marco leidenschaftlich an klassischen Vespa-Rollern. Auf der Terrasse und dem Rest des Grundstücks ist zudem reichlich Platz für alle möglichen Aktivitäten wie Basketball oder Boule. Und die Umgebung ist geradezu idyllisch. »Als wir auf der Suche waren, stand dieses Haus schon ganz lange leer. Dabei bietet es tolle Vorzüge, unter anderem unseren Ginkgo-­Baum, die Lage direkt am Wald und nicht zuletzt den Privatsee, der von allen Anwohnern genutzt werden kann. Für die Kinder und den Hund ist das natürlich ideal«, sagt die zweifache Mutter, die im Sommer gerne nebenan schwimmen geht, um den Kopf frei zu bekommen.

Beruf und Ehrenamt

Für klassische und vor allem regelmäßig gepflegte Hobbys fehle beiden Geschäfts­führer-Geschwistern doch die Zeit. Dass sie nach dem Absolvieren der Jagdprüfung kaum Möglichkeiten fand, sich diesbezüglich auszuprobieren bedauere sie schon, sagt Aline Wandt. Über die beruflichen Verpflichtungen hinaus bringt sie sich ehrenamtlich bei den Wirtschaftsjunioren Braunschweig ein, Bruder Anthony engagiert sich auf Verbandsebene in Sachen Logistik und Transport.

Alltagsgeschäft für die neue Geschäftsführergeneration im Hause Wandt ist seit Februar 2016 das Führen des mittelständischen Betriebes mit 180 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 14 Millionen Euro in einem Markt, der seit Jahren immer komplexer wird und sich mit zunehmender Geschwindigkeit wandelt. »Es ist ja so, dass man mit uns vor allem große grüne LKW assoziiert, aber das ist eben nicht mehr so. Der LKW-Transport ist unsere DNA und unsere Historie, aber wir sind jetzt ein Logistikdienstleister, der sehr viel breiter aufgestellt ist«, sagt Anthony Wandt. Das Transportgeschäft habe sich seit Anfang der 90er-Jahre stetig dereguliert. Heute sei die Margenschwäche in der durch zahlreiche Unwägbarkeiten gebeutelten Branche die größte Hürde. Das Unternehmen Wandt hat darauf reagiert, in dem es attraktive Dienstleistungspakete schnürt und mit Partnern kooperiert.

Der Weg ins Unternehmen

Dass Aline und Anthony Wandt den Staffelstab in Sachen Unternehmensführung sozusagen gemeinsam übernehmen, war ursprünglich gar nicht unbedingt klar. Während Anthony den eher klassischen Weg über die Ausbildung zum Speditionskaufmann, die Weiterbildung zum Verkehrsfachwirt, das Grundstudium im Transport- und Logistikmanagement und den Master im Strategischen Management ging, absolvierte Aline zunächst eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und studierte im Anschluss Management im Gesundheitswesen.

»Da ich nebenbei immer in der Firma gejobbt habe, war ich aber regelmäßig da. Und ­während eines dreimonatigen Projekts in ­meiner Diplomphase sind wir irgendwann ­darauf gekommen: warum machst du denn nicht bei uns die Kostenrechnung. Daraufhin bin ich eingestiegen, das war vor elf Jahren«, erzählt sie lächelnd. »Ich habe wirklich alle Abteilungen mal durch. Angefangen in der Kostenrechnung, habe ich später die IT übernommen und bin anschließend in den Verwaltungsbereich gerutscht. Das mache ich heute noch: Finanzen und Personal.« Woher Hund Lowis die besten Anlaufstellen für Leckerlies in den Büros der Wandt Spedition Transport­beratung GmbH kennt, dürfte damit auch geklärt sein.

Bild ganz oben: Aline Wandt wohnt mit ihrer Familie in idyllischer Umgebung. Kommt ihr Bruder Anthony zu Besuch, geht es gerne mal zum nahgelegenen Privatsee der Anlieger.

geschrieben von  pau